ASU Ausgabe: 05-2018

Einführung

Betriebliches Gesundheitsmanagement für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)

Einführung  Grüne Äpfel reichen nicht! Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement darf erst „Management“ genannt werden, wenn ein systematischer Ansatz vorliegt, Themenbereiche identifiziert und die Rollen und Verantwortlichkeiten der daran Beteiligten klar definiert sind. Diese Herausforderung müssen kleine und große Unternehmen in unterschiedlicher Weise bewältigen, aber die grundsätzliche Problematik ist die gleiche. In diesem Schwerpunkt fokussiert die ASU auf Ansätze und Umsetzungsmöglichkeiten speziell für kleine und mittelgroße Unternehmen. Stefan Webendörfer

Inhaltsübersicht

  1. Betriebliches Gesundheitsmanagement für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)
  2. Autor

Betriebliches Gesundheitsmanagement erfordert immer ein klares Konzept und es muss mit seinen Maßnahmen zum Unternehmen und zu seiner Belegschaft passen. Daher steht immer eine Bedarfsermittlung am Anfang. Viele Unternehmen bieten einen Blumenstrauß gesundheitsförderlicher Maßnahmen, Sportangebote, Beratungen und sogar Hilfe zur Rehabilitation nach längeren Erkrankungen an. Oft ist der Firmenleitung gar nicht bewusst, dass sie bereits ein BGM haben, es aber nur benennen und strukturieren müssen. Hier können speziell KMU die Dienste von Krankenkassen, der Deutschen Rentenversicherung oder auch der Berufsgenossenschaft in Anspruch nehmen. Allerdings liegt die Verantwortung für die Durchführung des BGM immer bei der Firmenleitung selbst und kann nicht delegiert werden. Im KMU steht das Netzwerken im Vordergrund und der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen in der Nachbarschaft kann zu schönen und wirksamen BGM-BGF-Projekten führen. In diesem ASU-Heft setzen wir den Schwerpunkt auf das BGM im KMU.

Bettina Knüll berichtet in ihrem Beitrag über die Ergebnisse einer Befragung von insgesamt 30 Kleinst- und Kleinunternehmen in Rheinland-Pfalz mit leitfadengestützten Interviews. Als zentrale Erfolgskriterien für eine gesunde Belegschaft wurden das Arbeitsklima und die Freude an der Tätigkeit genannt. Die Betriebe kümmern sich eher intuitiv um diese Themen und verfolgen keine klassische Managementstruktur. Die Kommunikation von Angeboten ist in kleinen Betrieben leichter als in großen, aber auch hier muss die Geschäftsführung einem BGM positiv gegenüberstehen. Es wird kurz ein Leitfaden „Vom Problem zum Ziel“ vorgestellt und anhand eines Beispiels aus einem mittelgroßen Unternehmen die Entwicklung eines BGM-Projektes beschrieben.

Markus Gomer und Petra Ihm stellen in ihrem Beitrag eine erfolgreiche Netzwerkarbeit zum Thema „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ in der Rhein Neckar Region vor. In regelmäßigen Treffen wird eine Plattform zum Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen und Institutionen einer Region vorgestellt. Im Fokus steht der direkte Austausch und die Möglichkeit, untereinander Kontakte zu knüpfen, um gegebenenfalls die Umsetzung neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen für das BGM zu besprechen oder gesundheitsförderliche Maßnahmen gemeinsam zu planen und umzusetzen. Die wachsende Zahl der Teilnehmer und Veranstaltungen sind Gradmesser des Erfolges.

Nina-Tamara Moser und Ilka Busch bewerten in ihrem Beitrag die Unterstützungsleistungen der gesetzlichen Rentenversicherung (DRV) und stellen den Firmenservice der DRV vor. Hier sind insbesondere die Führungskräfte aus den Betrieben angesprochen, um Fachexpertise über Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zu erhalten.

In dem Beitrag von Jürgen Riemann wird die Erfolgsgeschichte der Präventionsmaßnahmen zur Früherkennung von Darmkrebserkrankungen im betrieblichen Umfeld geschildert. Bei unserer immer älter werdenden Arbeitnehmerschaft treten zunehmend chronische Erkrankungen und Krebserkrankungen, wie Darmkrebs, in den Vordergrund. Aufklärung und Früherkennung ist mit geeigneten Partnern auch in kleinen und mittelgroßen Betrieben möglich und wird von den dort Arbeitenden sehr positiv aufgenommen. Die Mitarbeiter fungieren zudem als Multiplikatoren und machen das Thema „Darmkrebsfrüherkennung“ in ihrer Familie und im Freundeskreis bekannt. Nur so können langfristig die Neuerkrankungsraten dieser in Deutschland an zweiter Stelle stehenden Krebserkrankung wirkungsvoll gesenkt werden.

Wie begegnen wir psychischen und/oder sehr privaten Problemen von Mitarbeitern am Arbeitsplatz? Matthias Rößle stellt in seinem Beitrag den Mehrwert einer umfassenden Sozialberatung am Beispiel der Firma Siemens dar und gibt zum Schluss praktische Umsetzungstipps auch für kleine und mittelgroße Unternehmen. Hier kann selbstverständlich qualifiziertes Fachpersonal nicht dauerhaft vorgehalten werden. Allerdings kann eine psychologische Beratung telefonisch oder online-basiert angeboten bzw. alternativ Präsenzstunden oder Tage im Betrieb mit einem Anbieter fest vereinbart werden.

Fabian Krapf et al. stellen die Aussage für KMU aus einer groß angelegten Befragung zum Thema „BGM“ vor. Hier werden die Veränderungen von Angeboten und Nachfrage sowie die Entwicklungstendenzen des BGM beschrieben. Es geht um zielgruppenspezifische Angebote, einen systematischen Ansatz, um den Einsatz digitaler Angebote und um die Kreativität der einzelnen Betriebe und deren Mitarbeiter. In gezielten Empfehlungen für KMU wird diese Entwicklung detailliert beschrieben.

Im letzten Beitrag dieses Schwerpunkts gibt Franziska Stiegler eine kurze Zusammenfassung des Projekts „PsyGA“, bei dem ein von Experten erstelltes Material zur psychischen Gesundheit und Stressbewältigung am Arbeitsplatz kostenfrei in allen Betrieben und Institutionen genutzt werden kann. Damit liegt eine kompakte Praxishilfe für die Führungskräfte und Mitarbeiter kleiner und mittelgroßer Unternehmen vor.

Literatur

Fussnoten

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