The silent pandemic of chronic kidney disease
Chronic kidney disease (CKD) is one of the most significant, yet persistently underestimated, diseases worldwide. Projections indicate that CKD will be among the leading causes of death by 2040. Despite its high prevalence, CKD often goes undiagnosed. Occupational medicine offers largely untapped potential to close this diagnostic gap. Integrating CKD screening into occupational medicine represents a promising approach to improving early detection.
Die stille Pandemie der chronischen Niereninsuffizienz
Die chronische Nierenerkrankung (CKD) stellt eine der weltweit bedeutendsten, jedoch weiterhin unterschätzten Erkrankungen dar. Prognosen zufolge wird die CKD bis 2040 zu den führenden Todesursachen zählen. Trotz ihrer hohen Prävalenz bleibt die CKD häufig unerkannt. Die Arbeitsmedizin könnte ein bislang kaum genutztes Potenzial bieten, diese diagnostische Lücke zu schließen. Die Einbindung von CKD‑Screening in die Arbeitsmedizin stellt einen vielversprechenden Ansatz zur Verbesserung der CKD‑Früherkennung dar.
Kernaussagen
- CKD ist eine globale, unterschätzte Volkskrankheit. Die Prävalenz liegt bei ca. 8–13 % der Bevölkerung in Deutschland. Die CKD wird bis 2040 zu den führenden Todesursachen zählen.
- CKD bleibt häufig unerkannt – vor allem in frühen, gut behandelbaren Stadien. Bis zu 75 % der von einer CKD in frühen Stadien Betroffenen bleiben unentdeckt. Die Diagnose kann vor allem mittels UACR einfach und früh gestellt werden.
- Moderne Therapien wirken stark progressionshemmend – vor allem bei früher Diagnose. RAS‑Blockade + SGLT2‑Inhibitoren können die Progressionswahrscheinlichkeit um bis zu 65 % senken.
- Die Arbeitsmedizin ist ein potenzieller Hebel für CKD‑Früherkennung. Arbeitsmedizinische Vorsorge erreicht Millionen Erwerbstätige, die sonst nie getestet würden.
- REACT‑CKD bietet erstmals ein strukturiertes, arbeitsmedizinisches Screening‑Modell. Die Studie plant arbeitsmedizinische Urinuntersuchungen, ergänzt durch digitale Begleitung, schnelle Abklärung und Zuführung einer leitliniengerechten Therapie. Sie verbindet Public‑
Health‑Nutzen, klinische Evidenz und ökonomische Rationalität.
Was ist chronische Niereninsuffizienz?
Bei einer chronischen Nierenerkrankung (engl. Chronic Kidney Disease, kurz: CKD) handelt es sich um einen dauerhaften und kontinuierlich fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion. Weltweit sind etwa 850 Millionen Menschen betroffen und damit etwa 10 % der Weltbevölkerung (Jager et al. 2019). In Deutschland liegt die geschätzte Prävalenz im Bereich von 8,9 bis 12,7 % (Girndt et al. 2016; Schmidt-Lauber et al. 2025; Kraus et al. 2025). Die chronische Nierenerkrankung (CKD) zählt zu den bedeutendsten, jedoch weiterhin unterschätzten globalen Gesundheitsherausforderungen (Collaboration GCKD et al. 2020). Bis 2040 wird sie zu den führenden Ursachen verlorener Lebensjahre gehören (Foreman et al. 2018). Trotz des häufigen Auftretens der Erkrankung ist diese der Allgemeinheit großenteils unbekannt (Ene-Iordache et al. 2016). Dies ist umso besorgniserregender, da die CKD im Jahr 2019 weltweit die zehnthäufigste Todesursache mit steigenden Sterblichkeitsraten war. Während frühere Schätzungen davon ausgehen, dass CKD bis zum Jahr 2040 weltweit die fünfthäufigste Todesursache mit etwa drei Millionen Todesfällen jährlich sein könnte, zeigen neuere Modellierungen aus dem Jahr 2024 eine deutliche weitere Zunahme der Krankheitslast bis 2050 (Ortiz et al. 2026). Während die Primärprävention von kardiovaskulären Erkrankungen erfolgreich ist, wird die Prävention von CKD vernachlässigt. Neue Daten stützen die Schätzung, dass jährlich 1,5 Millionen Menschen (alle 20 Sekunden eine Patientin oder ein Patient) an einer CKD sterben. In Europa leiden schätzungsweise 93,1 Millionen Erwachsene an einer CKD, von denen 210.000 Menschen jährlich (alle 2,5 Minuten eine Patientin oder ein Patient) an einer CKD sterben (Ortiz et al. 2026).
Die CKD stellt mittlerweile weltweit die größte Gruppe der sogenannten „non-communicable diseases“ (Torra 2024). Dazu gehören beispielsweise Krebserkrankungen, Diabetes Typ 1 und 2, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie psychische Störungen. Symptome sind insbesondere anfangs selten vorhanden, oft unspezifisch und treten meist erst im weit fortgeschrittenen Stadium auf (Chen et al. 2019). Komplikationen umfassen kardiovaskuläre Erkrankungen, Mineral- und Knochenstoffwechselstörungen, Infektionen und eine erhöhte Mortalität (Webster et al. 2017; Romagnani et al. 2025).
Diagnose der chronischen Niereninsuffizienz
Die Diagnose beruht auf der Messung von Kreatinin im Serum mit Errechnung einer reduzierten eGFR (unter 60 ml/min/1,73 m²) und/oder einer pathologischen Albuminurie als Ausdruck einer gestörten glomerulären Filtrationsbarriere, gemessen als Urin-
Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR). Eine CKD ist definiert als eine anhaltende Störung der Nierenfunktion über mindestens drei Monate (Chen et al. 2019; Webster et al. 2017; Group KDIGO et al. 2024). Insbesondere die UACR ist geeignet, frühe Veränderungen einer renalen Pathologie zu detektieren, wobei selbst diese Option aus pathophysiologischer Sicht das Problem erst diagnostiziert, wenn bereits substanzielle Organschäden vollzogen sind (Sanchez-Niño et al. 2017). Die Einteilung und Klassifikation der CKD erfolgt nach Ursache, GFR-Kategorie (G1–G5) und Albuminurie-Kategorie (A1–A3; Group KDIGO et al. 2024) (➥ Abb. 1). Klassische Urinstreifentests sind zur Diagnostik von Albuminurien und zur CKD-Diagnose nur eingeschränkt geeignet. In einer rezenten Studie wiesen 21 % der Patientinnen und Patienten mit negativem Urinstreifentest für Albumin in derselben Urinprobe eine UACR von ≥ 30 mg/g auf (Flohr et al. 2025) und wären mit alleinigem U-Streifentest als CKD-Patientinnen und -Patienten unentdeckt geblieben. Die Standarddiagnostik ist der Spontanurin, unabhängig von der Tageszeit, mit Bestimmung von Albumin- und Kreatininkonzentration und Berechnung des Quotienten aus beidem (UACR).
Die Anwendung dieser Routineparameter zum CKD-Screening in der Praxis ist unzureichend etabliert und entsprechende Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Check-up 35) werden nur unzureichend wahrgenommen und umfassen zudem Urinstreifentests und keine UACR-Bestimmung. Dabei ist die Diagnose der CKD mittels Blut- und Urinuntersuchungen leicht zu stellen. Insbesondere eine vermehrte Albuminausscheidung im Urin ist einer der frühesten Marker zum Nachweis einer CKD. Häufig tritt diese Veränderung bereits auf, bevor sich in Blutuntersuchungen Veränderungen zeigen (James et al. 2010). Sie ist Ausdruck einer Strukturschädigung des Nierenfilters, die unbehandelt über Jahre fortschreitet. Eine vermehrte Albuminausscheidung ist nicht nur für die Diagnose einer CKD relevant, sondern auch mit einer erhöhten Mortalität im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung assoziiert. Das Risiko an einer kardiovaskulären Erkrankung zu versterben, ist bei der CKD um das bis zu Zehnfache erhöht (Kjeldsen 2018; Couser et al. 2011). Allerdings wird die Bestimmung der Albuminausscheidung im Urin trotz bestehender Indikation in den wenigsten Fällen durchgeführt (Wanner et al. 2024). Parallel gibt es eine starke Zunahme der Anzahl von CKD-Patientinnen und -Patienten. Es ist bereits die Rede von einer „versteckten Epidemie“ von Nierenerkrankungen (Editorial Nature 4/2024). Dies schlägt sich auch in den Statistiken der häufigsten Ursachen für
Mortalität nieder, bei der eine starke Zunahme des relativen Anteils der CKD an den Todesursachen erkennbar ist (Foreman et al. 2018). Diese Entwicklung erfordert entschiedenes Handeln aller Beteiligten im Gesundheitswesen, zumal eine frühe Diagnose mit den verfügbaren Behandlungsoptionen mit einer deutlichen Prognoseverbesserung sowohl bezüglich des renalen, aber auch kardiovaskulären Verlaufs, einhergehen kann (Girndt et al. 2016; Szczech et al. 2014).
Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit insbesondere fortgeschrittener CKD ist mit hohen Kosten für das Gesundheitswesen verbunden bei gleichzeitig deutlich reduzierter Lebensqualität der Betroffenen (Collaboration GCKD et al. 2020; Kerr et al. 2012). Durch eine frühzeitige Diagnose der CKD kann der Krankheitsverlauf durch gezielte Maßnahmen positiv beeinflusst werden – sowohl in Hinblick auf Funktionalität, Lebensqualität und Überleben als auch hinsichtlich ihrer sozioökonomischen Folgen durch Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Group TEKC et al. 2022). Als Therapiestandard der CKD ist eine Therapie mit einem Renin-Angiotensin-System-Inhibitor (RASi) zusammen mit einem SGLT2-Inhibitor etabliert. Diese Therapiekombination, verglichen mit einer Nichtbehandlung, könnte die renale Progressionswahrscheinlichkeit um beeindruckende 65 % senken (Vart et al. 2022; Neuen et al. 2024; Heerspink et al. 2020; Perkovic et al. 2024; Agarwal et al. 2021).
Aufgrund des Einsatzes der neuen Präparate konnte gezeigt werden, dass auch Screening-Programme der Allgemeinbevölkerung für den Nachweis von Albumin im Urin ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis aufwiesen (Cusick et al. 2023; Pouwels et al. 2024). Die Bestimmung der Albuminurie ist eine einfache und kostengünstig durchzuführende Untersuchung. Mittlerweile sind sogar Methoden mit hoher Spezifität und Sensitivität verfügbar, die auch im häuslichen Umfeld einer Patientin oder eines Patienten stattfinden können (Mil et al. 2023). Allerdings bleibt als wesentliche Hürde für die Implementation einer konsequenten und progressionshemmenden Therapie in erster Linie die eklatante Unterdiagnostik und zu geringe Wahrnehmung der CKD (Girndt et al. 2016; Wanner et al. 2024; Szczech et al. 2014).
Potenzielle Rolle der Arbeitsmedizin
Chronische Nierenerkrankungen gehen mit einer deutlich erhöhten Sterblichkeit, einem massiv gesteigerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einer schleichenden, aber nachhaltigen Einschränkung von Leistungsfähigkeit und Lebensqualität einher. Für Arbeitgeber und Gesellschaft bedeutet dies: steigende krankheitsbedingte Fehlzeiten, Produktivitätsverluste, Frühverrentungen und hohe langfristige Gesundheitsfolgekosten. Aktuelle Schätzungen zeigen, dass in Deutschland mehr als jede achte erwachsene Person an einer chronischen Nierenerkrankung leidet – viele davon im erwerbsfähigen Alter, meist ohne es zu wissen. Eine CKD ist damit deutlich häufiger als viele Erkrankungen, die bereits in arbeitsmedizinischen Vorsorgen oder betrieblichen Präventionsprogrammen verankert sind. Gleichzeitig wird sie oft erst dann erkannt, wenn irreversible Schäden eingetreten sind und die Behandlungsoptionen begrenzt sind. Von einer CKD Betroffene sind häufiger arbeitslos oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig (Choi et al. 2024). Die schwerwiegendsten Folgen zeigen sich im Bedarf an Nierenersatztherapie – einer kostenintensiven Behandlung, die im Jahr 2023 weltweit 4,59 Millionen Menschen benötigten (GBD 2023 Kidney Failure with Replacement Therapy Collaborators et al. 2025). Die Früherkennung der CKD bleibt jedoch unzureichend. Nur wenige Länder investieren in schulbasierte Screeningprogramme (Honda et al. 2024). In Deutschland hinken die Screening-Praktiken dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand hinterher (Samson-Himmelstjerna et al. 2024). Eine aktuelle Modellierung zeigte, dass ein CKD‑Screening ab 45 Jahren die projizierte Diagnoserate pro 100.000 Personen von 459 (aktuelles Vorgehen) auf 14.392 steigern würde, wenn zwei eGFR‑ und eine UACR‑Messung einbezogen werden (Tangri et al. 2025). In einigen Populationen bleiben bis zu drei Viertel der CKD‑Stadium‑3‑Fälle unerkannt (Nie et al. 2025; Szczech et al. 2014). Dies verdeutlicht das Potenzial arbeitsmedizinischer Untersuchungen, die bestehende diagnostische Lücke zu schließen (➥ Abb. 2). Der größte Nutzen liegt in der frühzeitigen Identifikation einer CKD und ihrer Ursachen – lange bevor kostenintensive Therapien erforderlich werden.
Derzeit fällt die Diagnostik und Behandlung einer CKD jedoch nicht in den Aufgabenbereich der Arbeitsmedizin in Deutschland, zumal Betriebsärztinnen und -ärzte weder Überweisungen ausstellen noch Medikamente verordnen dürfen (Lipovsek et al. 2025; Ärztestatistik 2024). Die Arbeitsmedizin könnte Millionen berufstätiger Erwachsener erreichen, die sonst möglicherweise nie auf eine CKD getestet werden würden – einschließlich einer frühzeitigen Erfassung kardiovaskulärer Risiken. Die Integration der UACR in standardisierte arbeitsmedizinische Vorsorgen erscheint praktikabel und sinnvoll.
Weiterhin ist die Nierenfunktion mit dem Beschäftigungsstatus assoziiert, der wiederum eng mit finanzieller Stabilität, körperlicher und geistiger Gesundheit sowie der persönlichen Identität verbunden ist. Personen mit einer CKD waren deutlich häufiger von Erwerbsunfähigkeit betroffen als Personen mit normaler oder nahezu normaler Nierenfunktion (Rørth et al. 2026). Betriebsärztliche Testungen könnten die frühzeitige Identifikation gefährdeter Personen ermöglichen und die Grundlage für rechtzeitige präventive Maßnahmen sowie medizinische Interventionen zur Verlangsamung der CKD‑Progression schaffen. Langfristig könnte dies krankheitsbedingte Fehlzeiten reduzieren, die Produktivität erhalten und die öffentlichen Gesundheitssysteme entlasten. Bei erfolgreicher Implementierung entsteht eine seltene Konvergenz aus Public‑Health‑Nutzen, klinischer Evidenz und ökonomischer Rationalität.
Welche Schritte wären notwendig, um CKD‑Screening in der Arbeitsmedizin zu etablieren?
Arbeitgeber, die die Kosten des Screenings tragen, müssen über gesundheitliche und wirtschaftliche Vorteile informiert werden. Nephrologinnen und Nephrologen sollten gezielte Fortbildungsangebote entwickeln und eng mit Arbeitsmedizinerinnen und -medizinern kooperieren, idealerweise im Rahmen der sektorverbindenden Versorgung mit der Arbeitsmedizin unter Einbindung der hausärztlichen Versorgung. Das Screening sollte allen Beschäftigten ohne Altersrestriktion angeboten werden. Der Urin kann an jedes Labor verschickt werden, da die UACR (Bestimmung von Albumin und Kreatinin im Spontanurin) eine Basisuntersuchung ist. Eine alleinige Albuminkonzentrationsbestimmung ohne Kreatinin wäre nicht ausreichend, da die Analyse der Albuminurie ansonsten zu anfällig insbesondere für Veränderungen durch Trinkmenge, Urinkonzentrierungsdynamiken und Bestimmungszeitpunkte wäre. Die Laborkosten für die Messung von Kreatinin im Urin betragen ca. 0,61 € und für Albumin im Urin ca. 2,30 € (Stand April 2026). Die Nutzung von Point-of-Care-Urinstreifentests wird aufgrund der unzureichenden Sensitivität nicht empfohlen und erhöht zudem potenziell den Personalaufwand. Der Prozess nach Feststellung pathologischer eGFR‑ oder UACR‑Werte muss klar strukturiert, zeitnah und effizient gestaltet sein, und klare Abläufe für das Management pathologischer Befunde müssen etabliert werden – mit einer abgestuften Einbindung von Hausärztinnen und -ärzten sowie Nephrologie je nach CKD‑Stadium.
REACT-CKD – die nephrologisch arbeitsmedizinische Studieninitiative
Ziel der Studie REACT-CKD (Recognize Early And ConTrol CKD) ist es, chronische Nierenerkrankungen frühzeitig zu erkennen, ihre tatsächliche Prävalenz in der arbeitenden Bevölkerung erstmals valide zu erfassen und durch rechtzeitige, leitliniengerechte Intervention den Krankheitsverlauf entscheidend zu beeinflussen. Eine solche groß angelegte, strukturierte Prävalenz- und Interventionsstudie in der arbeitenden Bevölkerung wurde in Deutschland bislang noch nicht durchgeführt.
REACT-CKD möchte hierfür ein Setting nutzen, das für Prävention besonders geeignet ist: die arbeitsmedizinische Versorgung. In Kooperation mit großen Unternehmen sollen Mitarbeitende im Rahmen arbeitsmedizinischer Urinuntersuchungen niedrigschwellig auf frühe Marker einer Nierenerkrankung gescreent werden. REACT-CKD geht dann auch den nächsten wichtigen Schritt: Bei auffälligen Befunden erfolgt eine zeitnahe fachärztliche Abklärung und – sofern erforderlich – eine individuell angepasste Therapie, ergänzt durch Lebensstilberatung und digitale Begleitung. Dabei spielt das Patienten-Empowerment eine entscheidende Rolle: Der Patientin oder dem Patienten wird die Bedeutung der initial meist asymptomatisch ablaufenden CKD bewusst gemacht. Dies ist von entscheidender Relevanz, um ein Verständnis für eine Therapienotwendigkeit herzustellen, was insbesondere bei der zumeist asymptomatischen CKD eine große Herausforderung ist. Der Mehrwert dieses Ansatzes ist vielschichtig: Für die Betroffenen bedeutet er die Chance, eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung in einem Stadium zu erkennen, in dem sie noch wirksam behandelbar ist – mit messbaren Verbesserungen der Lebensqualität, der körperlichen Belastbarkeit und der langfristigen Prognose. Für Arbeitgeber bedeutet er die Möglichkeit, krankheitsbedingte Ausfälle zu reduzieren, die Beschäftigungsfähigkeit älterer und chronisch belasteter Mitarbeitender zu erhalten und präventiv dort anzusetzen, wo spätere Hochkosten entstehen würden. Für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft insgesamt eröffnet REACT-CKD die Perspektive, schwere Folgeerkrankungen und deren immense Kosten durch frühzeitige Prävention zu vermeiden. Besonders relevant ist dabei, dass moderne medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien heute nachweislich in der Lage sind, das Fortschreiten einer CKD deutlich zu verlangsamen – vorausgesetzt, sie werden frühzeitig eingesetzt.
Prävention ist hier nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern auch gesundheitsökonomisch rational. Internationale Daten zeigen bereits ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis von Screening-Programmen (Cusick et al. 2023; Pouwels et al. 2023); REACT-CKD schafft nun erstmals die Grundlage, diese Erkenntnisse auf die deutsche arbeitende Bevölkerung zu übertragen. Innovative Präventionsansätze verhindern durch frühes Handeln langfristigen Schaden – für Beschäftigte, Unternehmen und die Gesellschaft. REACT-CKD adressiert genau diesen Punkt: eine häufige, bislang unterschätzte Erkrankung mit hoher Relevanz für Arbeitsfähigkeit, Produktivität und soziale Sicherungssysteme. REACT-CKD könnte einen entscheidenden Beitrag leisten, um Prävention dort zu verankern, wo sie den größten Hebel entfaltet: bevor Krankheit sichtbar, teuer und existenziell bedrohlich
wird.
Bei Interesse an einer Teilnahme an diesem Projekt kann das Studienkonsortium gerne über das Autorenteam kontaktiert werden.
Interessenkonflikte: RW hat Honorare für Vortrags- und Beratungstätigkeit von AstraZeneca, Boehringer Ingelheim, Bayer, Alexion, Roche, Sanofi, Takeda, Novartis und Lilly erhalten. PB hat Honorare für Vortrags- und Beratungstätigkeit sowie Forschungsunterstützung von AstraZeneca, Alexion, Boehringer Ingelheim, Bayer, Roche, Sanofi, Takeda, Samsung Bioepis, Novartis, TargED Biopharmaceuticals und CSL Vifor erhalten. Für LW und CHL bestehen keine Interessenskonflikte.
Literatur
Flohr J, Kemerle S, Klein S, Wendt R: Prospektives CKD-Screening bei Risikopatienten in der Hausarztpraxis. MMW – Fortschritte Med 2025; 167 (Suppl 6): 3–8. doi:10.1007/s15006-025-5490-6.
Editorial: Time to sound the alarm about the hidden epidemic of kidney disease. Nature 2024; 628: 7–8. doi:10.1038/d41586-024-00961-5 (Open Access).
Pouwels XGLV, Mil D van, Kieneker LM et al.: Cost-effectiveness of home-based screening of the general population for albuminuria to prevent progression of cardiovascular and kidney disease. eClinicalMedicine 2024; 68: 102414. doi:10.1016/j.eclinm.2023.102414 (Open Access).
Mil D van, Kieneker LM, Evers-Roeten B et al.: Participation rate and yield of two home-based screening methods to detect increased albuminuria in the general population in the Netherlands (THOMAS): a prospective, randomised, open-label implementation study. Lancet 2023; 402: 1052–1064. doi:10.1016/s0140-6736(23)00876-0.
Ortiz A, Lees JS, Torra R, Stel VS, Kramer A, Mark PB: The updated global burden of chronic kidney disease: one death every 20 seconds. Nephrol Dial Transplant 2026: gfag040 (published online). doi:10.1093/ndt/gfag040 (Open Access).
Erstautorin und Koautoren
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Veranstaltungshinweis
Am 7. September 2026 ist Welttag für Wechseljahre am Arbeitsplatz
2021 hat die EMAS (European Menopause and Andropause Society) den „World Menopause and Work Day” ins Leben gerufen und veranstaltet dazu jährlich verschiedene Informationsangebote:
https://emas-online.org/menopause-in-the-workplace/
Ergänzend zu diesem Programm präsentiert die Arbeitsgruppe „Lebensphasen- und geschlechtersensible Arbeitsmedizin“ dieses Jahr erstmalig auch ein Vortragsangebot: Am 01.10.2026 ab 19:00 Uhr findet das kostenfreie Webinar „Wechseljahre am Arbeitsplatz erfolgreich managen“ statt, organisiert vom VDBW (Verband der deutschen Betriebs- und Werksärzte).
Das Webinar bietet Betriebsärztinnen und Betriebsärzten, aber auch Ärztinnen und Ärzten anderer Fachrichtungen, einen Überblick über wechseljahresbedingte Symptome, deren Herausforderungen am Arbeitsplatz, mögliche Unterstützungs- und Behandlungsansätze sowie konkrete betriebsärztliche Handlungsmöglichkeiten. Hierdurch soll das kompetente Managen der Wechseljahre, inklusive der Schnittstelle zwischen den Fachrichtungen, verbessert werden.
Teilnahme unter https://us06web.zoom.us/j/88019804370