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Soziale Roboter in der Sozialen Arbeit: Chancen und Potenziale in der Altenpflege

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Social robots in social work: Opportunities and potential in elderly care. How robotics and AI can relieve the burden on caregivers and improve the well-being of those in need of care

Social robots can revolutionize elderly care: they relieve the burden on skilled workers and promote the well-being of those in need of care through emotional and cognitive stimulation. The example of the empathetic robot Navel shows that AI and robotics have the potential to provide support in social areas as well, helping to ensure care in the long term.

Soziale Roboter in der Sozialen Arbeit: Chancen und Potenziale in der Altenpflege. Wie Robotics und KI Pflegekräfte entlasten und das Wohlbefinden Pflege­bedürftiger verbessern können

Soziale Roboter können die Altenpflege revolutionieren: Sie entlasten Fachkräfte und fördern das Wohlbefinden Pflegebedürftiger durch emotio­nale und kognitive Aktivierung. Das Beispiel des empathischen Roboters Navel zeigt, dass KI und Robotik das Potenzial haben, auch in sozialen Bereichen zu unterstützen und dabei helfen können, Versorgung auf Dauer zu sichern.

Kernaussagen

  •  Soziale Roboter bieten innovative Entlastung in der Altenpflege, die durch Pflegenotstand und Fachkräftemangel vor großen Herausforderungen steht.
  • Durch Einsatz mehrerer KI-Technologien kann der Roboter menschenähnlich verbal und nonverbal und damit intuitiv kommunizieren.
  • Soziale Roboter fördern das Wohlbefinden älterer Menschen sowie die Atmosphäre in Pflegeheimen durch empathische Interaktion und verbessern laut Studien die kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Demenz.
  • Der Einsatz sozialer Roboter ist nicht auf die Altenpflege beschränkt – auch in Kitas, Schulen und der Suchttherapie zeigen sich vielversprechende Potenziale.
  • Der Pflegenotstand und die Suche nach Lösungen

    Der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel stellen die Soziale Arbeit und insbesondere die Altenpflege vor enorme Herausforderungen. Laut Statistischem Bundesamt wird der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland bis 2049 um rund ein Drittel steigen – von 1,62 Millionen im Jahr 2019 auf voraussichtlich 2,15 Millionen. Gleichzeitig erreichen zahlreiche Fachkräfte das Rentenalter, so dass sich die Versorgungslücke weiter vergrößert. Neue Lösungen sind dringend gefragt, um die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen zu sichern und das Pflegepersonal zu entlasten.

    Der soziale Roboter Navel:Entstehung und Einsatzbereiche

    Mit dem sozialen Roboter Navel hat ein Münchner Start-up einen innovativen Ansatz entwickelt, der speziell auf die Bedürfnisse der sozialen Arbeit und der Altenpflege zugeschnitten ist. Die ersten Konzepte zum Roboter entstanden ab 2018 im Rahmen eines Projekts des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Das Start-up hat diese zum einsatzfähigen Produkt weiterentwickelt und seit Ende 2023 ist Navel in verschiedenen Pflegeeinrichtungen im Einsatz und wird kontinuierlich verbessert.

    Empathische Unterstützung statt physischer Arbeit

    Im Gegensatz zu klassischen Robotern, die vor allem körperliche Aufgaben übernehmen, liegt der Fokus von Navel auf der Unterstützung der sozialen und emotionalen Arbeit. Der Roboter kann empathisch auf Menschen eingehen, indem er nicht nur Sprache versteht, sondern auch nonverbale Signale erkennt und sendet. Damit werden zwischenmenschliche Interaktionen simuliert, die für das Wohlbefinden und die Aktivierung älterer Menschen von zentraler Bedeutung sind.

    Emotionale und kognitive Aktivierung in der Pflege

    Pflegekräfte stehen häufig unter Zeitdruck und können sich nicht ausreichend mit einzelnen Bewohnerinnen und Bewohnern beschäftigen. Dies führt zu Dämmerzuständen, die die Entwicklung von Demenz, Depressionen und Ängsten begünstigen. Der soziale Roboter sorgt für zusätzliche emotionale und kognitive Aktivierung, indem er mit den Bewohnerinnen und Bewohnern individuell plaudert und spielerisch zur ­Interaktion anregt. Die Erfahrung zeigt, dass diese Form der Aktivierung nicht als mühsames Training empfunden wird, sondern Freude bereitet und das Gemeinschaftsgefühl stärkt.

    Technologische Grundlagen und KI-Einsatz

    Die Funktionsweise des Roboters basiert auf verschiedenen KI-Technologien. Zur Erkennung nonverbaler Signale werden neuronale Netze eingesetzt, die Kamerabilder in Echtzeit auswerten. Die Sprachverarbeitung und Antwortgenerierung erfolgen cloudbasiert auf europäischen Servern, ergänzt durch weitere Module für Entscheidungs- und Strategiefindung. Dabei wird darauf geachtet, flexibel zu bleiben und sich kontinuierlich an den Fortschritt im Bereich der künstlichen Intelligenz anzupassen.

    Entlastung der Pflegekräfte durch mehr Autonomie und neue Funktionen

    Ein wichtiger Entwicklungsschritt zur Entlastung ist die Erhöhung der Autonomie des Roboters. Während bislang oft eine Betreuungskraft bei den Interaktionen anwesend ist, soll Navel künftig viele Aufgaben eigenständig übernehmen. Dazu zählen das Abspielen von Musik, die automatisierte Dokumentation von Wahrnehmungen und Botengänge im Pflegeheim. Aber auch bei emotional stark belastenden Tätigkeiten, wie dem Umgang mit demenziell erkrankten Menschen, kann der Roboter Arbeit übernehmen: beim fortwährend freundlichen Beantworten immer gleicher Fragen oder beim Entgegennehmen von Schimpfattacken. Das Ziel ist dabei, den Pflegealltag zu erleichtern und die Fachkräfte zu entlasten.

    Positive Effekte auf das Wohl­befinden

    Die Wirkung von Navel geht über die reine Unterhaltung hinaus. Studien der Medizinischen Hochschule Hannover belegen, dass sich die kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Demenz durch die Interaktion mit dem Roboter verbessern können. Auch das allgemeine Wohlbefinden Pflegebedürftiger und die Stimmung und Lebendigkeit in Pflege­einrichtungen steigen, wenn der Roboter zum Einsatz kommt. Viele Bewohnerinnen und Bewohner finden in ihm einen neuen Gesprächspartner, etwa auch für Hobbys oder Themen, zu denen sonst niemand im Heim etwas beitragen kann.

    Entmenschlichung oder Chance zur Humanisierung?

    Kritiker befürchten, dass der Einsatz sozialer Roboter zu einer Entmenschlichung der Pflege führen könnte. Das Unternehmen hält dagegen: Der ökonomische Druck und der Fachkräftemangel führen bereits heute zu einer Entmenschlichung, da zu wenig Aktivierung und Betreuung stattfinden. Soziale Roboter können diese Lücken schließen und für mehr Freude und gute Stimmung sorgen – und damit einen Beitrag zur Humanisierung der Pflege leisten.

    Über die Altenpflege hinaus: Potenziale in weiteren sozialen Bereichen

    Die Einsatzmöglichkeiten sozialer Roboter sind nicht auf die Altenpflege beschränkt. Auch in Kitas und Schulen kann Navel individuelle Förderung ermöglichen, zum Beispiel durch Sprachförderung bei Kindern mit Migrationshintergrund. Erste Studien zeigen auch positive Effekte in der Suchttherapie und anderen sozialen Bereichen, in denen der Fachkräftemangel spürbar ist. Die Nachfrage nach alternativen Lösungen wächst stetig.

    Fazit: Soziale Roboter als Zukunftschance

    Der soziale Roboter Navel zeigt eindrucksvoll, wie innovative Technologien die Soziale Arbeit und Altenpflege bereichern können. Mit empathischer Interaktion, kognitiver Aktivierung und einer Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten bietet er eine Antwort auf den Fachkräftemangel und die steigenden Anforderungen in sozialen Bereichen wie der Pflege. Die kontinuierliche Weiterentwicklung und das Feedback aus der Praxis machen deutlich: Soziale Roboter haben das Potenzial, die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig zu verbessern und die Arbeit von Pflegekräften sinnvoll zu unterstützen.

    Interessenkonflikt: Der Autor erklärt, dass er Gründer und Anteilseigner der navel robotics GmbH ist.

    Kontakt

    Claude Toussaint
    navel robotics GmbH; Agnes-Pockels-Bogen 1; 80992 München

    Foto:;privat

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