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#GewaltAngehen: Die Kampagne der gesetzlichen Unfallversicherung

#GewaltAngehen (#AddressingViolence): The Campaign by the German Social Accident Insurance

A massive outbreak of violence against emergency responders at the turn of 2022/23 prompted the German Social Accident Insurance to launch a campaign against violence in December 2023 and pass a resolution. The campaign later targeted additional sectors with a high risk of violence – particularly the healthcare sector. Its aim is to emphasize the importance of risk assessment for violence prevention and providing follow-up care in the event of violent incidents.

#GewaltAngehen: Die Kampagne der gesetzlichen ­Unfallversicherung

Massive Gewaltausbrüche gegenüber Einsatzkräften zum Jahreswechsel 2022/23 führten dazu, dass die gesetzliche Unfallversicherung im Dezember 2023 eine Kampagne gegen Gewalt startete und eine Resolution verabschiedete. Später wurden mit der Kampagne gezielt weitere Branchen mit einem hohen Risiko von Gewalt angesprochen – insbesondere auch das Gesundheitswesen. Ziel ist, auf die Bedeutung der Gefährdungsbeurteilung für die Gewaltprävention und die Nachsorge bei Gewaltvorfällen hinzuweisen.

Kernaussagen

  • Gewaltvorfälle bei der beruflichen Tätigkeit nehmen in vielen Branchen zu, vor allem im ­Gesundheitswesen.
  • Rettungskräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte sehen sich insbesondere in Notfallaufnahmen von Krankenhäusern vermehrter Gewalt ausgesetzt.
  • #GewaltAngehen, die Kampagne der gesetzlichen Unfallversicherung, bietet Hilfestellungen zur Gefährdungsbeurteilung im Hinblick auf Gewalt, Tipps zur Gewaltprävention und für den Ernstfall sowie Maßnahmen zur Nachsorge.
  • Wer bei der Arbeit von Gewalt betroffen ist, steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das umfasst sowohl Leistungen der Prävention als auch der Rehabilitation.
  • Mitgliedsbetriebe der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege (BGW) finden Qualifizierungsangebote auf deren Website.
  • Arbeitgebende, Führungskräfte, Beschäftigte: Alle können etwas gegen Gewalt tun.
  • Einleitung

    In der Silvesternacht 2022 kam es in mehreren Großstädten zu massiven Ausschreitungen und Angriffen auf Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Seit dieser Nacht wird in den Medien diskutiert, warum ausgerechnet Menschen, die beruflich Hilfe leisten und Menschenleben retten, angegriffen und verletzt werden. Einfache Antworten gab und gibt es dazu bis heute nicht. Eine steigende Unzufriedenheit mit dem Staat oder der Regierung, die insbesondere durch die Corona-Einschränkungen wuchs, wurde unter anderem für steigende Aggressionen verantwortlich gemacht.

    Gewalt gegen Einsatzkräfte hat sicherlich vielfältige Ursachen, die oft in einer Kombination aus gesellschaftlichen, situativen und individuellen Faktoren liegen. Dazu gehören Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch, generelles Misstrauen gegenüber „staatlichen Institutionen“, Frustration über die eigene Lebenssituation und mangelnde Akzeptanz der Notwendigkeit von Rettungseinsätzen. Auch wird diskutiert, ob es tatsächlich eine Zunahme von Gewaltvorfällen gibt oder ob eine vermehrte Berichterstattung zu einer veränderten Wahrnehmung und „gefühlten“ Steigerung von Gewaltvorfällen führt.

    Gewaltvorfälle in Krankenhäusern nehmen zu

    Sicher ist jedoch, dass sich Rettungskräfte, Ärztinnen und Ärzte, Krankenhauspersonal, Pflegekräfte und Beschäftigte in Arztpraxen seit Jahren vermehrter Gewalt bei der Arbeit ausgesetzt sehen. Dabei stehen die Notfall­aufnahmen von Krankenhäusern besonders im Fokus, wie eine im November 2025 veröffentlichte repräsentative Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ergab. Demnach gaben 66 % der Krankenhäuser an, dass die Zahl der Übergriffe in ihren Häusern mäßig (42 %) oder deutlich (24 %) gestiegen sei. Betroffen ist weit überwiegend die Notaufnahme. 95 % der Krankenhäuser haben dort Übergriffe registriert. Neben krankheitsbedingten Ursachen nennen 71 % der Krankenhäuser allgemeinen Respektverlust als Hauptgrund für die Übergriffe, 41 % die langen Wartezeiten in der Notaufnahme. Im Mittelwert sind bei 51 % der gewalttätigen Übergriffe auf Krankenhauspersonal Pflegekräfte betroffen, in 21 % Ärztinnen und Ärzte und in 6 % Beschäftigte in anderen Bereichen. Wenn Pflegekräfte angegriffen werden, trifft es vor allem Frauen, denn der Pflegeberuf ist noch immer hauptsächlich weiblich besetzt (Pressemitteilung und Umfrage siehe Online-Quellen).

    Alle Branchen können von Gewalt betroffen sein

    Auch in anderen Branchen haben laut Befragungen Gewaltfälle durch betriebsfremde Personen zugenommen. Dies belegt unter anderem eine im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung durchgeführte forsa-Umfrage 2024. Psychische und körperliche Gewalt betrifft demnach auch vermehrt den Öffentlichen Dienst, das Bildungswesen und die Verkehrsbranche beziehungsweise Personenbeförderung (➥ Abb. 1).

    Die Kampagne #GewaltAngehen macht unter der Schirmherrschaft von Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, mit authentischen Fürsprechern und Botschafterinnen auf das Problem aufmerksam. Zahlreiche Testimonials aus unterschiedlichen Berufen setzen sich mit Fotos und emotionalen Statements für Gewaltfreiheit bei der Arbeit, im Bildungswesen und Ehrenamt ein. Die gesetzliche Unfallversicherung verbreitet die Plädoyers in Form von Werbe-Plakaten, Interviews und Videos – und setzt für eine hohe Reichweite auch auf die so­zialen Medien.

    Der Claim „Gemeinsam stark gegen Gewalt“ unterstreicht, dass alle Menschen etwas gegen Gewalt tun können: als Führungskraft, Beschäftigte und Vorbilder. Die Landingpage www.gewalt-angehen.de hält Informationen zur Gefährdungsbeurteilung in Hinblick auf Gewalt und Unterstützungsangebote zur Prävention bereit. Informationen gibt es auch für den Ernstfall, auf den alle vorbereitet sein sollten – mit Notfallplänen und Hilfsangeboten für Betroffene nach Gewaltvorfällen.

    Schulungen und Unterweisungen für Mitarbeitende zur Gesprächsführung und Deeskalationstrainings sind wichtige Unterstützungsmöglichkeiten zur Gewaltpräven­tion in allen Branchen. Eine wichtige Folgerung aus den Schilderungen der Kampagnen-Testimonials ist auch, dass verbale Angriffe und beleidigende Äußerungen sowie Drohungen und Mobbing noch ernster genommen werden müssen. Denn nicht nur körperliche Gewalt kann zu weitreichenden gesundheitlichen Folgen führen, sondern auch psychische Gewalt. Ob Unternehmen, öffentlicher Dienst, Bildungseinrichtung, Krankenhaus oder Arztpraxis: Es ist wichtig, Gewaltvorkommen statistisch zu erfassen. Nur wenn Betroffene alle Vorfälle in den Betrieben oder Einrichtungen melden, ist es möglich, Zunahmen oder ­Veränderungen festzustellen und spezifische Maßnahmen zur Gewaltvermeidung zu entwickeln oder zu überprüfen.
    Ob ein Vorkommnis strafrechtlich angezeigt werden sollte, muss im Einzelfall entschieden werden. Doch auch hier gilt: Es ist von Bedeutung, dass strafrelevante Ereignisse verfolgt und konsequent geahndet werden. Gewalt in jedweder Form ist keine Bagatelle. Niemand sollte während der Arbeit oder der Ausübung eines Ehrenamts Gewalt erfahren müssen. Das ist der Anspruch der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie stützt sich dabei auf ein Verständnis des Begriffs „Gewalt“, wie ihn die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) in ihrem Übereinkommen Nr. 190 niedergelegt hat. Deutschland hat dieses ILO-Übereinkommen 2023 ratifiziert und damit das Recht auf Gewaltfreiheit unterstrichen.

    Das Thema Gewalt wird ernst ­genommen

    Mittlerweile ist Gewalt in allen Branchen, Unternehmen, im Bildungswesen und sozialen Einrichtungen ein Thema geworden. Gewalt wird nicht mehr bagatellisiert nach dem Motto, ein rauer Ton sei in der Branche normal oder Beleidigungen beziehungsweise rassistische Äußerungen seien witzig. Diese stärkere Sensibilisierung ist wichtig und bietet die Chance, dass durch Ursachenforschung, vermehrte TOP-Schutzmaßnahmen (technisch, organisatorisch, personenbezogen), Strafanzeigen und härtere Strafen dem Problem Gewalt künftig besser begegnet werden kann.

    Was kann jede Person gegen Gewalt unternehmen?

    Respektloses, unverschämtes und aggressives Verhalten hat weder innerhalb von Unternehmen und Einrichtungen noch in den Außenbeziehungen mit Kunden und Dienstleistern etwas zu suchen. Insbesondere Menschen, die sich in den Dienst anderer stellen oder für die Einhaltung von Regeln sorgen, verdienen Respekt und Dankbarkeit. Wer sie angreift, greift den Zusammenhalt unserer Gesellschaft an.

    Gewalt geht jedoch nicht nur alle an, es können auch alle etwas dagegen tun, und zwar jede/jeder Einzelne im Berufs- wie im Privatleben:

  • Arbeitgebende und Führungskräfte, indem sie Gewalt als Risiko bei der Arbeit oder im Einsatz ernst nehmen und Gegenmaßnahmen ergreifen sowie eine Präventionskultur mit einem respektvollen und wertschätzenden Umgang fördern;
  • Beschäftigte und ehrenamtlich Tätige, indem sie an Maßnahmen zur Gewaltprävention teilnehmen und ihren Führungskräften Gewaltvorfälle melden;
  • Menschen, die zufällig Zeugin oder Zeuge von Gewalt werden, indem sie sich um Deeskalation bemühen und/oder die Polizei rufen;
  • jede Person, die mit gutem Beispiel vorangeht und ein Vorbild für gewaltfreie Kommunikation und ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander ist.
  • Gewaltereignisse im Beruf sind von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt

    Wenn es trotz Präventionsmaßnahmen zu Gewalt kommt, dann ist es sinnvoll, mit der Erfahrung nicht allein zu bleiben. Manchmal reicht schon ein Gespräch mit einer Kollegin oder einem Kollegen. Oft ist professionelle Hilfe gefragt. Wer bei der Arbeit von Gewalt betroffen ist, steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das umfasst sowohl Leistungen der Prävention als auch der Rehabilitation. Die gesetzliche Unfallversicherung bietet beispielsweise das Psychotherapeutenverfahren an. Wer im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit ein Gewaltereignis erlebt hat, bekommt so innerhalb weniger Tage professionelle Unterstützung. Damit soll erreicht werden, dass psychische Probleme erst gar nicht entstehen.

    Positive Botschaft gegen Gewalt

    Zum Ende des Jahres 2025 hat die Kampagne mit neuen Werbeplakaten ein weiteres Zeichen gegen Gewalt gesetzt (➥ Abb. 2). Zwei Jahre lang haben sich Botschafterinnen und Botschafter aus zahlreichen Branchen mit persönlichen Appellen gegen Gewalt engagiert. Im November 2025 sagten nun ausgewählte Testimonials auf bundesweiten digitalen und klassischen Werbeflächen denjenigen Menschen „Danke“, die sich wertschätzend, höflich, freundlich, respektvoll und unterstützend verhalten. Mit positiven Botschaften soll dieses gewünschte Verhalten bestärkt werden.▪

    Interessenkonflikt: Die Autorin gibt an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

    Online-Quellen

    DGUV Kampagnen-Website
    www.gewalt-angehen.de

    FBGIB-002: Grundverständnis von Gewalt bei der Arbeit/in ­Bildungseinrichtungen
    www.dguv.de (Webcode p022496)

    DGUV-Resolution „Null Toleranz bei Gewalt gegen Einsatzkräfte“
    www.dguv.de (Webcode p022477)

    DGUV-Resolution „Gewalt ­ ei der Arbeit und im Ehrenamt begegnen wir gemeinsam“
    www.dguv.de (Webcode p022718)

    DGUV Kampagnen-Flyer
    www.dguv.de (Webcode p022751)

    Gewalt gegen Klinik-Beschäftigte trifft zuerst Frauen
    https://www.dkgev.de/dkg/presse/details/gewalt-gegen-klinik-beschaeftig…

    Abb. 2:  DIe Kamapgne der DGUV gegen Gewalt

    Abb. 2: DIe Kamapgne der DGUV gegen Gewalt

    Info

    Hilfestellung zur Gewaltprävention im Gesundheitswesen

    Ob verbale Übergriffe oder körperliche Gewalt, in manchen Fällen hat Gewalt schwere Folgen für die Gesundheit der Betroffenen. Hinzu kommen im Gesundheitswesen, insbesondere in Krankenhäusern, ­belastende Rahmenbedingungen wie Personalmangel, übervolle Sta­tionen oder fehlende Rückzugsräume, die Mitarbeitende überfordern und Konflikte verschärfen können. Führungskräfte haben also eine besondere Verantwortung für die Sicherheit und psychische Gesundheit ihrer Mitarbeitenden.

    Hier finden Sie Tipps und Best-practice-Beispiele:

    https://www.dguv.de/gewalt-angehen/fuehrungskraefte/fuehrungskraefte-kl…).

    Die BG-Kliniken haben im Rahmen ihres Portals „Sicheres Krankenhaus“ zahlreiche Maßnahmen zur Verhinderung und Nachsorge von Gewaltereignissen aufgeführt:

    https://www.sicheres-krankenhaus.de/gewaltpravention

    Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote finden Mitglieds­betriebe der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege (BGW) auf deren Website:

    www.bgw-online.de/gewalt

    Auch das Präventionsnetzwerk #sicherimDienst stellt allgemeine ­Hilfestellungen zur Gewaltprävention, konkrete Handlungsempfehlungen für verschiedene Branchen und Praxisbeispiele bereit. Es ist nicht auf Nordrhein-Westfalen beschränkt.

    www.sicherimdienst.nrw

    Kontakt

    Carla Bormann
    Deutsche Gesetzliche ­Unfallversicherung (DGUV); Alte Heerstr. 111; 53757 St. Augustin

    Foto: privat

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