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Nachhaltigkeit bei Hausärzten: Gut für Umwelt und Gesundheit

DBU fördert digitales Toolkit für umweltschonende Praxen

Osnabrück. Hausarztpraxen sind oft erste Anlaufstellen, wenn es um Gesundheit geht. Ein Projekt der Goethe-Universität in Frankfurt/M. soll dafür sorgen, dass zunehmend auch der Umweltschutz von niedergelassenen Medizinerinnen und Medizinern praktiziert wird. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat das Vorhaben mit rund 125.000 Euro gefördert: Entstanden ist ein digitaler Leitfaden mit einfach umsetzbaren, kostengünstigen und umweltschonenden Maßnahmen für nachhaltige Hausarztpraxen.

Hausarztpraxen als klimaschonende Vorreiter

In Deutschland ist das Gesundheitssystem laut einem Expert*innenrat der Bundesregierung für etwa fünf Prozent beziehungsweise knapp 35 Millionen Tonnen klimaschädlicher Emissionen verantwortlich. Um Nachhaltigkeit in diesem System zu fördern, können Hausarztpraxen laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde zu klimaschonenden Vorreitern werden. „Gerade weil es im Gesundheitssystem Handlungsbedarf gibt, liegt darin zugleich ein großes Potenzial, den Treibhausgasausstoß zu minimieren und so für mehr Umweltschutz zu sorgen“, so der DBU-Generalsekretär. Damit die Verantwortlichen die richtigen Stellschrauben im Praxisalltag drehen können, haben Forschende der Uni Frankfurt ein digitales Toolkit für mehr Nachhaltigkeit in Arztpraxen erstellt. Das Team um Dr. Catriona Friedmacher und Dr. Dorothea Lemke hat Handlungsempfehlungen auf Basis systematischer Literaturrecherchen erstellt. „Außerdem hat viel medizinische Expertise für Alltagstauglichkeit des Leitfadens gesorgt “, so Friedmacher.

Weniger Medikamentenverbrauch bei gleicher Patientengesundheit

Der Leitfaden umfasst nun 13 Themenbereiche mit 132 individuell umsetzbaren Handlungsempfehlungen für mehr Nachhaltigkeit im Praxisalltag – zusammengefasst und aufgearbeitet auf einer kostenlosen Internetseite. Außerdem erfolgte laut Friedmacher eine Einschätzung des jeweiligen Einsparpotenzials von klimaschädlichem Kohlendoxid (CO2). Die Frankfurter Forscherin weiter: „Je nach Situation entstehen 60 bis 90 Prozent der CO2-Emissionen einer Hausarztpraxis in der Pharmakotherapie – also durch die Verschreibung von Medikamenten“, so Friedmacher. Dies beziehe sich hauptsächlich auf Produktion und Lieferketten der Arzneimittel. Hier sind Friedmacher zufolge für die Praxen der zielgerichtete Einsatz von Medikamenten, eine evidenzbasierte Verschreibungspraxis und eine regelmäßige Überprüfung der Dauertherapie wichtige Hebel für CO2-Einsparungen. Das Ziel: „Durch den rationalen Einsatz von Pharmakotherapie nicht nur den CO2-Fußabdruck der Praxis zu senken, sondern auch die Qualität und Sicherheit der Versorgung zu erhöhen“, so Friedmacher. Als Beispiel hierfür nennt der zuständige DBU-Referent Dr. Alexander Bittner Asthma-Medikamente: „Die klassischen Inhalatoren funktionieren mit Treibgas. Es gibt aber unter anderem auch Pulverinhalatoren, die sowohl bei der Herstellung als auch bei der Anwendung deutlich weniger klimaschädliche Emissionen verursachen und gleichzeitig genauso wirksam sind.“

Toolkit nicht nur für Arztpraxen interessant

Auch beim Energiebedarf einer Praxis oder einem intelligenten Büromanagement lassen sich Lemke zufolge Emissionen einsparen: „Schon kleine Maßnahmen wie die Installation energiesparender Beleuchtung, die Vermeidung von Überbestellungen bei Büroartikeln und die effiziente Nutzung digitaler Unterstützung können viel bewegen.“ Lemke weiter: „Bei Aspekten dieser Art können die Handlungsempfehlungen auch abseits von Arztpraxen allgemeine Inspirationen für einen nachhaltigen Büroalltag sein.“ Weitere Nachhaltigkeits-Kategorien seien unter anderem medizinische Verbrauchsmaterialien, das Finanz- und Qualitäts-Management, die Mobilität, die effiziente Digitalisierung, die Vermeidung von Überversorgung, das Gebäude- und Grundstücksmanagement und der Wasserverbrauch. Viele Handlungsempfehlungen auf der Internetseite wurden laut Lemke ebenfalls mit einer übersichtlichen Einschätzung ihrer Umsetzbarkeit im Praxisalltag und ihres CO2-Einsparpotentials versehen: „So können Verantwortliche und Engagierte schnell und übersichtlich die besten Ansätze für ihre nachhaltige Praxis erhalten.“

Toolkit soll neue Anreize für Forschung liefern

Eine große Herausforderung: „Bislang wurden die wissenschaftlichen Arbeiten und Studien zu dem Thema selten systematisch recherchiert. Während unsere Forschungsarbeit haben wir mehr als 7.000 Quellen durchgearbeitet“, so Lemke. Letztendlich seien 103 Publikationen in das Toolkit eingeflossen. „Das Projekt hat aufgezeigt, dass es in diesem für viele Menschen alltäglichen Bereich der hausärztlichen Versorgung noch zu wenige konkrete, valide Daten zum CO2-Verbrauch von ärztlichen Praxen sowie den daraus resultierenden Einsparmöglichkeiten gibt“, so Lemke. Ihre Hoffnung: dass das Toolkit Anreize für neue Forschungen und hierauf aufbauend für wirksame Praxislösungen in dem Bereich bietet.