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Prämierte Kongress-Poster

Die Redaktion hat daher beschlossen, den Posterpreisträgerinnen und -trägern unserer einschlägigen Fachkongresse anzubieten, ihr Thema im Praxisteil der ASU noch einmal einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Im Rahmen der DGAUM-Jahrestagung 2026 in München wurde der nachstehende Beitrag mit dem 3. Preis ausgezeichnet. Er befasst sich mit den Erfahrungen und der Zufriedenheit der teilnehmenden Versicherten am erweiterten Vorsorgeangebot zur Lungenkrebsfrüherkennung der DGUV.

Award-winning congress posters (Part 7): The German Social Accident Insurance’s preventive occupational healthcare programme for the early detection of lung cancer (EVA-LCS) – experience and satisfaction among participants

The preventive occupational healthcare programme EVA-LCS, offered by the German Social Accident Insurance, is aimed at individuals aged 55 and older who have been occupationally exposed to asbestos dust and have a history of smoking. The objective is to detect lung cancer at an early stage using annual low-dose CT scans. Interviews were conducted to examine participants’ experiences, satisfaction and psychological well-being regarding EVA-LCS.

Prämierte Kongress-Poster (Teil 7): Das erweiterte Vorsorgeangebot zur Früherkennung von Lungenkrebs der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
(EVA-Lunge) – Erfahrungen und Zufriedenheit der teilnehmenden Versicherten

Das erweiterte Vorsorgeangebot EVA-Lunge der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung richtet sich an Personen ab 55 Jahren, die beruflich gegenüber Asbeststaub exponiert waren und zusätzlich eine Rauchhistorie aufweisen. Ziel ist die Früherkennung von Lungen­krebs mittels jährlichem Niedrigdosis-CT. Im Rahmen von Interviews wurden Erfahrungen und Zufriedenheit mit EVA-Lunge sowie das psychische Wohlbefinden der teilnehmenden Versicherten untersucht.

Kernaussagen

  • Die Mehrheit der Befragten äußert eine hohe Zufriedenheit und Dankbarkeit bezüglich des erweiterten Vorsorgeangebots der DGUV zur Früherkennung von Lungenkrebs.
  • Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden kommen zwar während der Wartezeit auf das Ergebnis und bei Unklarheiten in Bezug auf den Befund vor, sind aber eher selten und nur kurzfristig.
  • Vereinzelt wird Optimierungspotenzial in Bezug auf Ablauf, Angebotsnähe und Ergebnismitteilung gesehen.

Einleitung

Im Rahmen des Forschungsprojekts EVALUNG (Greiner et al. 2025) wurde eine Interviewreihe mit Versicherten durchgeführt, die das erweiterte Vorsorgeangebot der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zur Früherkennung asbestbedingter Lungenerkrankungen mittels hochauflösender Niedrigdosis-Computertomographie (LDCT), kurz EVA-Lunge, durchlaufen haben. Die Koordination von EVA-Lunge erfolgt entweder im Rahmen der Nachgehenden Vorsorge über die Gesundheitsvorsorge (GVS) oder bei Personen mit einer anerkannten Berufskrankheit Nr. 4103 „Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankung der Pleura“ über den zuständigen Unfallversicherungsträger (UVT). Zum Ablauf des Angebots aus der Perspektive der Versicherten gehört

  • die jährliche Einladung durch die GVS beziehungsweise UVT,
  • die Teilnahme an einem ärztlichen Beratungsgespräch (einschließlich körperlicher Untersuchung) zur Aufklärung über Nutzen und Risiken des LDCT sowie die anschließende Entscheidung über die Teilnahme an der LDCT-Untersuchung,
  • die Durchführung der LDCT-Untersuchung in einer qualifizierten Radiologie und
  • die zeitnahe Ergebnismitteilung zu der LDCT-Untersuchung durch die beratende Ärztin beziehungsweise den beratenden Arzt sowie bei auffälligen Befunden die Einleitung weiterer Maßnahmen.

Ziel dieser Interviewreihe war es, die Einstellungen, subjektiven Erfahrungen und das psychische Wohlbefinden der Teilnehmenden während der verschiedenen Phasen des Vorsorgeangebots zu erfassen und daraus Implikationen für dessen Qualitätssicherung und Optimierung abzuleiten.

Methodik

Versicherte, die der Teilnahme an EVA-Lunge zugestimmt hatten, wurden zufallsartig ausgewählt und zur Interviewreihe eingeladen. Die Teilnahme an den semistrukturierten Interviews erfolgte freiwillig. Die Interviewreihe erstreckte sich über fünf Zeitpunkte und erfasste dabei die Wahrnehmung des Angebots in der jeweiligen Phase im Verlauf der Teilnahme (➥ Abb. 1). Die Interviews wurden persönlich oder telefonisch durchgeführt, aufgezeichnet und anschließend auf Basis der strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2022) ausgewertet.

Wahrnehmung und Zufriedenheit der Versicherten mit EVA-Lunge

Insgesamt wurden 31 Versicherte zu allen fünf Zeitpunkten interviewt. Die Charakteristika der befragten Versicherten können ➥ Tabelle 1 entnommen werden. Dem Gesamtkollektiv von EVA-Lunge entsprechend waren die Befragten überwiegend männlich (87 %) das Medianalter betrug 68 Jahre. Die meisten von ihnen (71 %) hatten bereits mehrfach an dem Vorsorgeangebot teilgenommen.

Einstellung zu dem Angebot

Die Mehrheit der Befragten zeigte eine überwiegend positive Haltung gegenüber EVA-Lunge, wobei die Möglichkeit der verbesserten Früherkennung von Lungenerkrankungen und die Gewissheit über den eigenen Gesundheitszustand als zentrale Motiva­tionsfaktoren hervorgehoben wurden. Einige Teilnehmende äußerten jedoch auch Skepsis hinsichtlich des tatsächlichen Nutzens und der potenziellen Risiken, wie Überdiagnostik und Strahlenbelastung. Die Gründe für die Teilnahme variierten: Neben der Asbestexposition wurde häufig der Zigarettenkonsum als ausschlaggebend genannt. Die Bezeichnung „Niedrigdosis“ wurde teilweise missverstanden, da einige Versicherte die Strahlenbelastung des Niedrigdosis-CT als geringer im Vergleich zur herkömmlichen Röntgen-Thorax-Untersuchung wahrnahmen.

Organisation und Strukturen

Die organisatorischen Abläufe innerhalb des Vorsorgeangebots wurden als gut strukturiert und insgesamt zufriedenstellend bewertet. Das Einladungsverfahren und die Terminvergabe wurden überwiegend als klar, teilweise aber auch als bürokratisch und verzögernd empfunden. Insbesondere die Zeitspanne zwischen Einladung und Terminvereinbarung für die ärztliche Beratung wurde von etwa der Hälfte der Befragten als zu lang empfunden, wodurch Unsicherheiten entstanden, ob die Rückmeldung tatsächlich bei der zuständigen Koordinationsstelle eingegangen sei. Auch die Wartezeit auf den Beratungstermin selbst wurde von mehreren Befragten als etwas zu lang wahrgenommen.

Tabelle 1:  Charakteristika der befragten Versicherten (eigene Darstellung)
Tabelle 1: Charakteristika der befragten Versicherten (eigene Darstellung)

Ärztliche Beratung und Aufklärung zum LDCT

Die ärztliche Beratung variierte in der Wahrnehmung der Befragten. In Bezug auf die Aufklärung zu Nutzen und Risiken des LDCT fühlten sich einige Befragte gut informiert, während andere berichteten, keine ausführliche Aufklärung erfahren zu haben. In den meisten Fällen empfanden die Befragten dies aber nicht als nachteilig, da diese Informationen für sie bekannt gewesen seien.

Durchführung des LDCT und Ergebnismitteilung

Die Durchführung des LDCT wurde als unkompliziert beschrieben, was zu einer hohen Zufriedenheit führte. Die Mitteilung der ­Untersuchungsergebnisse, die bei allen befragten Versicherten unauffällig in Bezug auf Lungenkrebs waren, erfolgte in unterschiedlichen Formen – schriftlich, telefonisch oder persönlich – und wurde überwiegend als zufriedenstellend empfunden. Kritik gab es hinsichtlich unzureichender Erläuterungen, wenn Befunde ausschließlich schriftlich übermittelt wurden. Die Erläuterungen zum weiteren Vorgehen, beispielsweise bei auffälligen Nebenbefunden, wurden in diesen Fällen als unzureichend empfunden. Auch wurde eine Wartezeit auf die Ergebnismitteilung von bis zu mehreren Wochen als nicht ideal beschrieben. Diese Verzögerungen führten bei einigen Versicherten zu Nervosität und psychischer Belastung, was die Bedeutung einer zeitnahen und adressatengerechten Ergebniskommunikation unterstreicht.

Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden

Bezüglich des psychischen Wohlbefindens berichteten die meisten Befragten, dass die Teilnahme an der Lungenkrebs-Früherkennung keine oder nur geringe Belastungen verursacht habe. Das Wissen um die Asbestexposition wurde im Alltag überwiegend als nicht belastend empfunden, auch wenn einzelne Personen gelegentliche Sorgen äußerten. Nervosität trat vor allem in der Phase zwischen der LDCT-Untersuchung und der Ergebnismitteilung auf, blieb jedoch meist moderat. Ein Bedarf an professioneller psychologischer Unterstützung wurde von den Versicherten nicht gesehen.

Diskussion

Insgesamt spiegeln die Befragungsergebnisse eine hohe Akzeptanz und Zufriedenheit mit dem erweiterten Vorsorgeangebot EVA-Lunge wider, verbunden mit einer geringen psychischen Belastung durch die Teilnahme. Die qualitative Analyse identifizierte jedoch Optimierungspotenziale insbesondere in den Bereichen Einladungs- und Terminmanagement, in der Aufklärung vor der Untersuchung sowie in der Ergebniskommunikation. Bei EVA-Lunge ist regelhaft ein persönliches Befundmitteilungsgespräch innerhalb von
14 Tagen vorgesehen, was jedoch ärztlicherseits nicht immer umgesetzt wird.

Vorschläge zur Optimierung umfassten die Digitalisierung des Einladungsprozesses sowie die Einführung einer dauerhaft gültigen Einwilligung zur Teilnahme. Derzeit muss diese jährlich erneut bei den Versicherten abgefragt werden. Die Anreise zu den Untersuchungsorten stellte für die meisten keine Hürde dar, jedoch wurde von Personen aus ländlichen Regionen der Wunsch nach wohnortnaher Versorgung geäußert. Lange Fahrten führten teilweise zur Ablehnung der Teilnahme. Die Zusammenlegung von Beratung und LDCT-Untersuchung an einem Tag wurde von denjenigen, die diese Möglichkeit bereits genutzt haben, als sehr positiv bewertet und könnte dazu beitragen, mehrfache Anfahrten zu reduzieren und die Teilnahmebereitschaft zu erhöhen. Optimierungspotenzial zeigt sich in Bezug auf die Aufklärung zum LDCT, da der Nutzen und die Risiken nicht immer ausreichend verstanden wurden. Ebenso kann eine zeitnahe, adressatengerechte und den Vorgaben von EVA-Lunge entsprechende Ergebniskommunikation dazu beitragen, mögliche kurzfristige Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden zu reduzieren. Die Bedeutung einer gelungenen Ergebniskommunikation für die Zufriedenheit mit dem Angebot und das psychische Wohlbefinden wurde auch in anderen Studien hervorgehoben (Perez-Morales et al. 2023; Taylor et al. 2004; Wu et al. 2016). Die Sensibilisierung der beteiligten Ärztinnen und Ärzte für diese Thematik könnte hierfür einen möglichen Ansatz darstellen.

Die Interviews liefern Hinweise für die Weiterentwicklung des Vorsorgeangebots. Eine ergänzende quantitative Datenerhebung könnte die Ergebnisse validieren und weitere Erkenntnisse, insbesondere zu den Gründen für eine Nicht-Teilnahme, liefern.

Interessenkonflikte: Prof. Volker Harth führt nachgehende Vorsorgen bei durch Asbest verursachten Erkrankungen im Rahmen von EVA-Lunge durch und berät als Leiter des Wissenschaftlichen Beirats von EVA-Lunge die Unfallversicherungsträger. Darüber hin­aus erstellt er Zusammenhangsbegutachtungen für Unfallversicherungsträger und Sozialgerichte. Hierfür werden ihm Aufwand und Reisekosten erstattet. Die anderen Autorinnen und Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Förderung: DGUV-Forschungsförderung, Projekt-Nr. FF-FB 0325. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.

Literatur

Greiner F, Heidrich J, Keller H, Taeger D, Wiethege T, Harth V: Evaluation of lung cancer early detection offered by the German Social Accident Insurance for formerly asbestos-exposed employees using low-dose computed tomography – setting and study design. Arch Public Health 2025; 83: 198. doi:10.1186/s13690-025-01662-9 (Open Access).

Kuckartz U, Rädiker S: Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung – Grundlagentexte Methoden. 5. Aufl. Weinheim: Beltz Juventa, 2022.

Perez-Morales J, Pathak R, Reyes M, Tolbert H et al.: Qualitative findings from a survey on patient experiences and satisfaction with lung cancer screening. Cancer Control 2023; 30: 10732748231167963. doi:10.1177/10732748231167963 (Open Access).

Taylor KL, Shelby R, Gelmann E, McGuire C. Quality of life and trial adherence among participants in the prostate, lung, colorectal, and ovarian cancer screening trial. J Natl Cancer Inst 2004; 96: 1083–1094. doi:10.1093/jnci/djh194.

Wu GX, Raz DJ, Brown L, Sun V: Psychological burden associated with lung cancer screening: a systematic review. Clin Lung Cancer 2016; 17: 315–324. doi:10.1016/j.cllc.2016.03.007 (Open Access).

Online-Quelle

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Erweitertes Vorsorgeangebot zur Früherkennung von Lungenkrebs
https://gvs.bgetem.de/erweitertes-vorsorgeangebot-zur-frueherkennung-vo…

Koautoren und Kontakt

Dr. Felix Greiner
(Kontakt: f.greiner@uke.de
Nikolas Oubaid, Prof. Dr. Volker Harth
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE), Deutschland

Erstautorin

Helena Keller
Gesundheitswissenschaftlerin M.Sc.; Zentralinstitut für Arbeits­medizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE)

Foto: PicturePeople

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