Fachkräfte sichern, Beschäftigungsfähigkeit erhalten und Versorgungsstrukturen stärken: Die Arbeitsmedizin leistet einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung zentraler gesellschaftlicher Herausforderungen. Zur Eröffnung des 42. Deutschen Betriebsärzte Kongresses fordert der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e. V. (VDBW), arbeitsmedizinische Expertise bei der Gestaltung gesunder Arbeit und den anstehenden Gesundheitsreformen hinsichtlich einer besser gestalteten Prävention systematisch einzubeziehen.
Unter dem Motto „Arbeitsmedizin wirkt. Evidenz und Potenzial“ versammelt der Kongress vom 21. bis 24. Oktober über 800 Expertinnen und Experten in der Mainzer Rheingoldhalle. Im Mittelpunkt steht die Frage, was arbeitsmedizinische Prävention nachweislich leistet und wie ihre Wirkung weiter gestärkt werden kann.
„Wer über Fachkräftesicherung und längere Erwerbsbiografien spricht, muss die Gesundheit der Beschäftigten in den Mittelpunkt stellen“, erklärt VDBW-Präsidentin Susanne H. Liebe. „Betriebsärztinnen und Betriebsärzte kennen die Menschen und ihre konkreten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Sie helfen, Risiken früh zu erkennen, Arbeit gesundheitsgerecht zu gestalten und Menschen auch mit chronischen Erkrankungen im Berufsleben zu halten. Dieses Potenzial müssen wir konsequenter nutzen.“
Prävention und Versorgung besser verbinden
Besondere Chancen sieht der VDBW in einer engeren Zusammenarbeit mit Haus- und Facharztpraxen, Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen. Die Arbeitsmedizin bringt dabei die Kenntnis der beruflichen Anforderungen und betrieblichen Gestaltungsmöglichkeiten ein. Verlässliche Schnittstellen und Übergänge können eine frühzeitige Unterstützung und die Rückkehr nach einer Erkrankung erleichtern.
Dafür müssen bestehende Hürden abgebaut werden. Gemeinsam mit den Partnerverbänden der Kooperation die arbeitsmedizin fordert der VDBW im Rahmen des GeDIG eine Gleichstellung beim Zugang zur elektronischen Patientenakte. Auch bei der Lungenkrebs-Früherkennung setzt sich der Verband mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe für die verbindliche Einbindung entsprechend qualifizierter Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner ein. Die Weiterentwicklung der Prävention muss die Lebenswelt Arbeit – das größte Präventionssetting – und medizinische Expertise der Betriebsärztinnen und Betriebsärzte konsequent berücksichtigen.
Evidenz als Grundlage für wirksame Praxis
Der Kongress verbindet diese gesundheitspolitischen Fragen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und betrieblicher Praxis. Zu den Schwerpunkten gehören die Wirksamkeit arbeitsmedizinischen Handelns, digitale Anwendungen und künstliche Intelligenz, Diversität sowie die evidenzbasierte Beratung von Unternehmen und Beschäftigten. Die Keynote hält Prof. Dr. Susanne Moebus, Direktorin des Institutes für Urban Public Health der Universitätsmedizin Essen.
„Unser Motto verbindet einen wissenschaftlichen Anspruch mit einem Gestaltungsauftrag“, erklären die wissenschaftlichen Leiter Dr. Michael Drees und Stefan Linnig, MPH. „Wir wollen genauer verstehen, welche Maßnahmen unter welchen Bedingungen wirken und wie erfolgreiche Ansätze in die Praxis gelangen.“
„Arbeitsmedizin wirkt – für gesunde Beschäftigte, leistungsfähige Unternehmen und gesellschaftliche Teilhabe“, betont Liebe. „Damit sie ihr Potenzial entfalten kann, braucht sie verlässliche Rahmenbedingungen und einen festen Platz in einer präventiv ausgerichteten Gesundheitsversorgung.“
Weitere Informationen zum Kongress: kongress.vdbw.de