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In Teil 3 zeigen die Autorinnen Programme zur UV-Prävention in Kitas und Grundschulen.
Health in Care Profession (Part 3): Early UV Prevention in Daycare and Elementary School
The skin remembers every ray of sunshine, which can lead to skin cancer later in life. Children are particularly sensitive to UV radiation. The “Clever in Sun and Shade” programs support daycare centers and elementary schools in implementing structured UV-protection. This article outlines practical ways occupational physicians can integrate such prevention approaches into occupational health strategies for educational professionals.
Gesundheit in Pflegeberufen (Teil 3): Frühe UV-Prävention: Programme für Kita und Grundschule
Die Haut merkt sich jeden Sonnenstrahl, daraus kann später im Leben Hautkrebs entstehen. Kinder sind besonders empfindlich gegenüber UV-Strahlung. Die Programme „Clever in Sonne und Schatten“ unterstützen Kitas und Grundschulen dabei, UV-Schutz strukturiert in ihren Alltag zu integrieren. Der Beitrag zeigt, wie Betriebsärztinnen und Betriebsärzte diese Präventionsansätze praktisch nutzen und in betriebliche Gesundheitsstrategien für pädagogische Fachkräfte einbinden können.
Kernaussagen
Einleitung: UV-Strahlung als langfristiges Gesundheitsrisiko
Die UV-Strahlung der Sonne ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Hautkrebs (Armstrong u. Kricker 2001; Kwa et al. 2025). Besonders kritisch ist die Exposition in der Kindheit. Epidemiologische Studien zeigen, dass wiederholte Sonnenbrände in jungen Jahren das Risiko für das maligne Melanom deutlich erhöhen (Autier u. Doré 1998). Kinder halten sich in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sowie wie im familiären Umfeld im Freien auf. Prävention muss deshalb früh beginnen und in Alltagsstrukturen verankert werden. Ebenso ist auch das pädagogische Personal bei Tätigkeiten im Freien der natürlichen UV-Strahlung ausgesetzt, wodurch das Risiko für berufsbedingten Hautkrebs erhöht sein kann (Buder et al. 2026; Schmitt et al. 2018; Wittlich 2020). Klimawandelbedingt wird die Bedeutung der Prävention von Hautkrebs in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
Programme zur strukturierten UV-Prävention können hier eine wichtige Rolle spielen. Sie unterstützen pädagogische Einrichtungen dabei, UV-Schutz organisatorisch, baulich und verhaltensorientiert umzusetzen. Für Betriebsärztinnen und Betriebsärzte ergeben sich daraus mehrere Anknüpfungspunkte: In der Prävention für pädagogische Beschäftigte, im Kontext betrieblicher Gesundheitsförderung sowie in der Beratung von Beschäftigten mit eigenen Kindern oder durch Maßnahmen in betrieblichen Kindertagesstätten..
Die Programme „Clever in Sonne und Schatten“
Die Programme „Clever in Sonne und Schatten“ richten sich an Kitas, Kinderkrippen, Kindertagespflegepersonen, Grundschulen sowie Hort- bzw. Ganztagseinrichtungen. Mit den Materialien können bereits die Kleinsten altersgerecht und unterhaltsam für dieses wichtige Thema sensibilisiert sowie eine Strategie für effektiven Schutz vor zu viel UV-Strahlung entwickelt werden. Ziel ist es, Sonnenschutz als festen Bestandteil des pädagogischen Alltags zu etablieren.
Die Programme kombinieren drei zentrale Präventionsansätze:
Die Einrichtungen erhalten Materialien, ein selbstständig umsetzbares Fortbildungsangebot und praktische Handlungsempfehlungen, um UV-Schutz dauerhaft umzusetzen. Die Materialien sind wissenschaftlich fundiert, werbefrei, unterhaltsam sowie leicht umsetzbar und können im Internet angefordert werden (s. Online-Quellen). Wenn die Programme vollständig umgesetzt werden, kann eine Einrichtung die Auszeichnung „Clever in Sonne und Schatten“ erhalten. Seit 2017 wurden bereits 22 % aller über 60.000 deutschen Kitas erreicht und über 700 ausgezeichnet. Einige Unfallkassen unterstützen das Programm durch Prämien zum Sonnenschutz für ausgezeichnete Einrichtungen.
Die Programme sind speziell auf eine einfache Umsetzung und Verbreitung durch Mitarbeitende im öffentlichen Gesundheitsdienst oder Träger einer Bildungseinrichtung ausgelegt, um den Herausforderungen begrenzter Ressourcen gerecht zu werden. Sie wurden am Präventionszentrum des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) entwickelt. CLEVER IN SONNE UND SCHATTEN ist eine Kampagne der Deutschen Krebshilfe in Kooperation mit dem NCT/UCC, der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e. V., dem Projekt „Die Sonne und Wir“ der Universität zu Köln | Uniklinik Köln und dem Universitären Cancer Center Schleswig-Holstein (UCCSH) (s. Online-Quellen).
Sonnenschutz im Alltag von Kindertageseinrichtungen
In der Kita halten sich die Kinder und das pädagogische Personal oft im Freien auf. Besonders wichtig ist dabei, der Schutz vor übermäßiger Sonnenstrahlung. Dabei ist das richtige Verhalten in der Sonne eigentlich kinderleicht: im Schatten aufhalten, schützende Kleidung sowie Kopfbedeckung tragen und Sonnenschutzmittel nutzen.
Programme wie „Clever in Sonne und Schatten“ setzen auf einfache, im Alltag umsetzbare Maßnahmen, damit UV-Schutz dabei so selbstverständlich wie das Zähneputzen wird. Das Programm für Kitas besteht aus zwei Bausteinen – einer interaktiven Teamweiterbildung sowie einer Projektwoche für Kinder.
Gemeinsam mit der schusseligen Hauptfigur des SonnenschutzClowns Zitzewitz erlernen die Kinder in der Projektwoche das richtige Verhalten zum Sonnenschutz: Sie werden zu Schatten-Detektiven, Sonnenkleidungs-Experten und singen „Das Lied vom Sonnenschutz“. Auch umfangreiche Materialien für Eltern, wie Videos und Broschüren, stehen zur Verfügung.
Die interaktive Teamweiterbildung informiert über die wichtigsten Aspekte zum Sonnenschutz und unterstützt bei der gemeinsamen Erarbeitung einer Kita-spezifischen Sonnenschutz-Strategie. Im Fokus stehen dabei die Beachtung des UV-Index, Aktivitäten im Freien bevorzugt außerhalb der Mittagsstunden, Nutzung von Schattenflächen auf Spielplätzen, Kopfbedeckungen und längere Kleidung als Bestandteil der Alltagskleidung, sowie die Einbindung von Sonnenschutzregeln in pädagogische Angebote. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der strukturellen Gestaltung der Außenbereiche. Dazu zählen beispielsweise Sonnensegel, Bepflanzungen oder bauliche Schattenspender.
UV-Prävention in Grundschulen
Mit dem Übergang in die Schule verbringen Kinder ihren Alltag im schulischen Umfeld. Außenbereiche wie Schulhöfe, Sportanlagen und Pausenbereiche sind jedoch häufig nur begrenzt verschattet (Hanewinkel et al. 2022). Damit wird die Sensibilisierung der Kinder zunehmend wichtiger.
Das Programm für Grundschulen, Klassen 1 & 2, erweitert daher die Prävention um edukative Elemente, die sowohl in der Schule als auch in der Nachmittagsbetreuung eingesetzt werden können. Unterrichtsmaterialien zu Sonne und Haut sowie Forscherfragen sensibilisieren Kinder für das Thema UV-Schutz. Die Aktivitäten sind für den flexiblen Einsatz in einem Zeitraum über zwei Projektwochen hinweg konzipiert. Mit dem SonnenschutzClown Zitzewitz können die Kinder auf Schattensuche gehen oder eine Sonnenschutz-Yoga-Stunde durchführen und so zu Sonnen-Checkern werden. Die Einbindung von Eltern in die Präventionsmaßnahmen ist weiterhin eine wichtige Maßnahme, auch dafür stehen Materialien bereit. Für die Klassen 3 & 4 bietet das Projekt „Die Sonne und Wir“ der Universität zu Köln | Uniklinik Köln Materialien (s. Online-Quellen).
Ab 2026 bietet „Clever in Sonne und Schatten“ auch eine interaktive Teamweiterbildung für den Grundschulbereich an. So soll auch hier die Erstellung einer UV-Strategie und deren Verankerung im Schulkonzept unterstützt werden. Durch diese Ansätze wird UV-Prävention zu einem Bestandteil schulischer Gesundheitsförderung.
Foto: Deutsche Krebshilfe
Rolle der Betriebsärztinnen und Betriebsärzte
Für Betriebsärztinnen und Betriebsärzte ergeben sich praxisrelevante Schnittstellen. Für Beschäftigte, die in pädagogischen Einrichtungen im Freien tätig sind, ist UV-Schutz von April bis September wichtig. Dazu gehören unter anderem organisatorische Maßnahmen zur Reduktion der UV-Exposition, Bereitstellung geeigneter Schutzkleidung, sowie Aufklärung über Sonnenschutz und Hautkrebsprävention. Ein arbeitsmedizinisches Vorsorgegespräch muss Beschäftigten, die im Zeitraum von April bis September mehr als eine Stunde in der Zeit zwischen 11 und 16 Uhr an mindestens 50 Tagen im Jahr der Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten. Eine Beratung zum UV-Schutz sowie die Implementierung von Lebenswelten-Programmen wie „Clever in Sonne und Schatten“ können die Umsetzung von UV-Schutz-Empfehlungen unterstützen. Viele Beschäftigte sind darüber hinaus Eltern von Kita- oder Grundschulkindern. Informationen über frühzeitige UV-Prävention können ebenfalls im Rahmen betrieblicher Gesundheitsangebote vermittelt werden. Unternehmen engagieren sich zunehmend in gesundheitsfördernden Aktivitäten, die auch Familien einbeziehen. Die Unterstützung von betrieblichen Kindertagesstätten bei der Umsetzung eines Programms wie “Clever in Sonne und Schatten” oder Aktionen zum Sonnenschutz – etwa Informationskampagnen vor der Sommerzeit – können hier ansetzen.
Praxisbeispiel
Die Kita „Zwergenland am Birkenwald“ im sächsischen Freital setzt das Programm „Clever in Sonne und Schatten für Kitas“ seit vielen Jahren um. Das Programm stößt bei den Kindern, dem Team und auch den Eltern auf hohe Akzeptanz. Ein vierminütiger „Best Practice“-Film zeigt, wie hier Sonnenschutz nachhaltig im Kita-Alltag umgesetzt werden kann (s. Online-Quellen).
Bedeutung für die Präventionsstrategie
Hautkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen. Die Prävention muss daher über verschiedene Lebensbereiche hinweg erfolgen. Programme für Kitas und Schulen leisten einen wichtigen Beitrag, weil sie gesundheitsförderliche Verhaltensweisen früh vermitteln und alle Kinder erreichen. Für die Arbeitsmedizin entsteht dadurch eine Möglichkeit, Prävention lebensphasenübergreifend umzusetzen – von der Kindheit bis ins Erwerbsleben.
Evidenzlage zur UV-Prävention
Es wird erwartet, dass durch den Klimawandel und die damit verbundenen höheren Durchschnittstemperaturen mehr Menschen häufiger Zeit im Freien verbringen werden (Baldermann u. Lorenz 2019). Gleichzeitig wird eine Abnahme der Bewölkung in Mitteleuropa beobachtet. Durch mehr Sonnenstunden erreicht mehr UV-Strahlung die Erdoberfläche (Lorenz et al. 2024). Insgesamt kann so die UV-Belastung der Bevölkerung zunehmen.
Internationale Studien zeigen, dass UV-Prävention im Kindesalter eine zentrale Rolle für die langfristige Reduktion von Hautkrebs spielt (El Ghissassi et al. 2009; Autier u. Doré 1998). Insbesondere wiederholte Sonnenbrände in der Kindheit gelten als wesentlicher Risikofaktor für das maligne Melanom (Oliveria et al. 2006; Ghandini et al. 2005). Aufgrund der besonderen Struktur der Haut von Kindern, in der die Hautstammzellen bis zum Alter von etwa 12 Jahren teilweise dichter unter der Hautoberfläche liegen, kann UV-Strahlung die Hautstammzellen bei Kindern schneller infiltrieren und schädigen (Volkmer u. Greinert 2011; Green et al. 2011).
Empfehlungen nationaler und internationaler Fachorganisationen betonen daher die Bedeutung struktureller Maßnahmen in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Neben Verhaltensregeln stehen dabei schattenspendende Infrastruktur, schützende Kleidung und Aufklärung im Mittelpunkt (Leitlinienprogramm Onkologie 2021).
Die „Clever in Sonne und Schatten“-Programme zur UV-Prävention in Kitas und Schulen setzen genau an diesen Punkten an und verfolgen einen settingbasierten Präventionsansatz. In einer cluster-randomisierten Studie wurde nachgewiesen, dass das Programm für Kitas das UV-Schutz-Verhalten deutlich verbessert und die wahrgenommenen Hindernisse für Sonnenschutz unter dem pädagogischen Personal verringert. Insbesondere das Bereitstellen von Schatten und die Verwendung von schützender Kleidung konnten verbessert werden (Seidel et al. 2021). Dieser Lebensweltansatz gilt auch in der Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz als besonders wirksam.
Fazit
Frühe UV-Prävention kann langfristig zur Reduktion von Hautkrebs beitragen. Programme für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen unterstützen Einrichtungen dabei, UV-Schutz strukturiert im Alltag umzusetzen. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte können diese Ansätze nutzen, um Prävention im betrieblichen Kontext zu erweitern – etwa durch Maßnahmen für pädagogische Einrichtungen, deren Personal im Freien arbeitet, durch Beratung von Beschäftigten und Informationsangebote für Familien.
Interessenkonflikt: Die Autorinnen erklären, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.
Literatur
Baldermann C, Lorenz S: UV-Strahlung in Deutschland: Einflüsse des Ozonabbaus und des Klimawandels sowie Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Bundesgesundheitsbl 2019; 62: 639–645. https://doi.org/10.1007/s00103-019-02934-w (Open Access).
Green AC, Wallingford SC, McBride P: Childhood exposure to ultraviolet radiation and harmful skin effects: Epidemiological evidence. Prog Biophys Mol Biol 2011; 107: 349–355. doi: 10.1016/j.pbiomolbio.2011.08.010 (Open Access).
Hanewinkel R, Janssen J, Hübner I-M, Breitbart E, Isensee B: Schattenplätze zur Hautkrebsprävention in Kindertagesstätten und Schulen. Bundesgesundheitsbl 2022; 65: 1324–1333. doi:10.1007/s00103-022-03616-w (Open Access).
Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Prävention von Hautkrebs, Kurzversion 2.1. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/hautkrebs-praeve… (abgerufen am 06.03.2026).
Lorenz S, Heinzl F, Bauer S et al.: Increasing solar
UV radiation in Dortmund, Germany: Data and trend analyses and comparison to Uccle, Belgium. Photochem Photobiol Sci 2024; 23: 2173–2199. doi:10.1007/s43630-024-00658-8 (Open Access).
Schmitt J, Haufe E, Trautmann F et al.: Occupational UV-Exposure is a major risk factor for basal cell carcinoma: Results of the population-based case-control study FB-181. J Occup Environ Med 2018; 60: 36–43. doi:10.1097/JOM.0000000000001217.
Seidel N, Fieber V, Breitbart EW, Bornhäuser M, Stölzel F: Cluster randomized trial: Sun protection intervention “Clever in Sun and Shade for Preschools” – Effectiveness and dissemination. Children 2021; 8: 651. doi:10.3390/children8080651 (Open Access).
Die gesamte Literaturliste mit allen Quellen kann auf der ASU-Homepage beim Beitrag eingesehen werden (asu-arbeitsmedizin.com).
Online-Quellen
Clever in Sonne und Schatten – Gut geschützt vor UV-Strahlen
www.cleverinsonne.de
Die Sonne und wir – Das UV-Schutz-Projekt für Grundschulkinder der Klassen 3 und 4
https://www.die-sonne-und-wir.de/fuer-schulen/uv-schutz-schulung-fuer-g…
Clever in Sonne und Schatten für Kitas – Best Practice
https://www.youtube.com/watch?v=D_vvZuW59i8
Info
Sonnenschutzregeln für Kinder und Erwachsene
Foto: Deutsche Krebshilfe
„kinderleicht“: Schatten, Kleidung, Sonnencreme