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Kühlwesten im betrieblichen ­Hitzeschutz

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Cooling vests in occupational heat protection

Heat increasingly affects outdoor workers and poses new challenges for occupational safety and health. Cooling vests are increasingly being considered a promising measure to reduce heat strain. But how effective are they under real working conditions? This article presents the results of a field study involving courier drivers and highlights key considerations for the practical implementation of cooling vests in the workplace.

Kühlwesten im betrieblichen Hitzeschutz

Hitze belastet Beschäftigte im Freien zunehmend und stellt Betriebe vor neue Herausforderungen im Arbeitsschutz. Dabei gelten Kühlwesten zunehmend als vielversprechende Maßnahme zur Reduktion der Hitzebelastung. Doch wie wirksam sind sie unter realen Arbeitsbedingungen? Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse einer Felduntersuchung mit Kurierfahrenden vor und zeigt, worauf Betriebe beim Einsatz von Kühlwesten achten sollten.

Kernaussagen

  • Kühlwesten können die Hauttemperatur senken und den thermischen Komfort verbessern. Beschäftigte können dadurch ihre Arbeit an heißen Tagen weniger belastend empfinden.
  • Die Wirksamkeit von Kühlwesten ist individuell unterschiedlich und hängt sowohl von persönlichen Voraussetzungen als auch der Art der Tätigkeit ab.
  • Kühlwesten sollten lediglich als ergänzende personenbezogene Maßnahme im Rahmen des betrieblichen Hitzeschutzes eingesetzt werden.
  • Für einen erfolgreichen Einsatz sind passende organisatorische Rahmenbedingungen zur ­Lagerung, (Re-)Aktivierung und hygienischen Aufbereitung der Kühlwesten erforderlich.

Hitze als wachsendes Problem im ­Arbeitsalltag

Der Klimawandel führt auch in Deutschland dazu, dass sich heiße Tage mit Temperaturen von mindestens 30 °C häufen. Sogenannte Hitzetage erhöhen das Risiko für Dehydrierung, Kreislaufbeschwerden und hitzebedingte Erkrankungen und beeinträchtigen die Konzentration, Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Studien weisen auch darauf hin, dass die Zahl der Arbeitsunfälle an heißen Tagen zunimmt (Mangelsdorf u. Meier 2025). Während in Deutschland in den 1950er-Jahren durchschnittlich nur wenige Hitzetage pro Jahr verzeichnet wurden, hat ihre Anzahl in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Gleichzeitig nehmen Dauer und Intensität von Hitzewellen zu. Für viele Betriebe bedeutet dies, dass Hitzeschutz nicht mehr als kurzfristige Maßnahme für einzelne heiße Tage betrachtet werden kann, sondern zunehmend als dauerhafte Aufgabe des Arbeits- und Gesundheitsschutzes verstanden werden muss.

Besonders Personen, die im Freien arbeiten und dabei körperlich aktiv sind, sind den Folgen der steigenden Hitzebelastung ausgesetzt, beispielsweise im Baugewerbe sowie bei Post- und Lieferdiensten. Zum Schutz der Beschäftigten müssen Betriebe grundsätzlich zunächst technische und organisatorische Maßnahmen umsetzen. Dazu gehören zum Beispiel Beschattungsmöglichkeiten, gekühlte Aufenthaltsbereiche, eine Anpassung der Arbeitsabläufe oder die Verlagerung belastender Tätigkeiten in kühlere Tageszeiten. Bei mobilen Tätigkeiten lassen sich solche Maßnahmen allerdings häufig nur eingeschränkt realisieren. Hier können personenbezogene Maßnahmen eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Dazu zählen Kühlwesten, die in den vergangenen Jahren zunehmend als Möglichkeit zur Reduktion von Hitzebelastungen diskutiert wurden. Welche Effekte Kühlwesten unter realen Arbeitsbedingungen zeigen und welche Schlussfolgerungen sich daraus für die Praxis ableiten lassen, hat das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in einer Feldstudie untersucht.

Feldstudie statt Labor: Ein Blick in die Praxis

Bislang wurde die Wirksamkeit von Kühlwesten überwiegend unter kontrollierten Laborbedingungen untersucht. Dabei konnten vielfach positive Effekte auf die Hauttemperatur, Körperkerntemperatur sowie auf die körperliche Leistungsfähigkeit der Trägerinnen und Träger nachgewiesen werden (Hutchins et al. 2025; Morrissey-Basler et al. 2023). Für die betriebliche Praxis stellt sich jedoch die Frage, inwieweit sich diese Ergebnisse auf reale Arbeitssituationen übertragen lassen. Schließlich wirken und variieren im Arbeitsalltag zahlreiche Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Wind, Luftfeuchtigkeit und individuelle Voraussetzungen der Beschäftigten, die die Wirkung einer Kühlweste beeinflussen können.

Um Erkenntnisse unter realen Arbeitsbedingungen zu gewinnen, wurde 2024 eine Feldstudie mit Kurierfahrenden von Schnelllieferdiensten durchgeführt. Untersucht wurde eine hybride Kühlweste, die zwei Kühlprinzipien miteinander kombiniert. Einerseits nutzt sie die Verdunstungskühlung durch ein befeuchtetes Trägermaterial, andererseits kommen Kühlpacks mit einem Phasenwechselmaterial zum Einsatz, das beim Schmelzen Wärme aufnimmt und so einen zusätzlichen Kühleffekt erzeugt (➥ Abb. 1). Der Vorteil hybrider Kühlwesten besteht darin, dass sie die Stärken beider Kühltechnologien kombinieren. Während die Verdunstungskühlung bei geeigneten Umgebungsbedingungen über einen längeren Zeitraum wirksam sein kann, sorgt das Phasenwechselmaterial besonders zu Beginn für einen spürbaren zusätzlichen Kühleffekt.

In der Studie trugen die Kurierfahrenden die Kühlweste an einem Sommertag mit Temperaturen von mindestens 25 °C während ihrer regulären Arbeitsschicht (➥ Abb. 2). Dabei wurden kontinuierlich ihre Hauttemperatur, Körperkerntemperatur und Herzfrequenz erfasst. Ergänzend bewerteten die Kurierfahrenden ihren thermischen Komfort, ihr subjektives Belastungsempfinden sowie die Praktikabilität der Kühlweste mithilfe standardisierter Fragebögen. An einem zweiten Sommertag wurden dieselben Messungen ohne Kühlweste durchgeführt. In der Auswertung wurden die Messungen an den Arbeitstagen mit und ohne Kühlweste verglichen, um zu prüfen, welche Wirkung die Kühlweste unter realen Arbeitsbedingungen leistet. Ausführliche Informationen zur Methodik und zu den wissenschaftlichen Ergebnissen wurden an anderer Stelle veröffentlicht (Ibenthal u. Ellegast 2026).

Abb. 2:  Kurierfahrerin mit Kühlweste am Messtag
Abb. 2: Kurierfahrerin mit Kühlweste am Messtag

Was Kühlwesten leisten können

Die Ergebnisse der Feldstudie zeigen, dass Kühlwesten besonders die Hauttemperatur beeinflussen können. Während des Tragens der Kühlweste lag die Hauttemperatur der Kurierfahrenden im Durchschnitt niedriger als an den Arbeitstagen ohne Kühlweste. Gleichzeitig beschrieben die Teilnehmenden die thermische Situation als angenehmer und fühlten sich tendenziell weniger warm. Für die betriebliche Praxis ist dieses Ergebnis hilfreich. Da das Wärmeempfinden vor allem durch die Hauttemperatur bestimmt wird, kann eine Absenkung der Hauttemperatur dazu beitragen, dass Beschäftigte ihre Arbeitssituation als weniger belastend wahrnehmen. Dies kann sich positiv auf das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit auswirken.

Demgegenüber zeigten sich in der Studie keine wesentlichen Veränderungen der Herzfrequenz und der Körperkerntemperatur. Dies ist jedoch nicht zwangsläufig als fehlende Wirksamkeit der Kühlweste zu bewerten, da sich diese Parameter bei den meisten Kurierfahrenden bereits ohne Kühlweste in unkritischen Bereichen bewegten. Bei Tätigkeiten mit höherer körperlicher Belastung oder bei extremeren klimatischen Bedingungen könnten die Effekte von Kühlwesten stärker ausfallen.

Von den Kurierfahrenden wurde die Kühlweste überwiegend positiv bewertet. Besonders hervorgehoben wurden der unmittelbar spürbare Kühleffekt zu Beginn der Nutzung sowie der Tragekomfort. Auch die Hand­habung wurde als einfach beschrieben, was für die Integration in den Arbeitsalltag spricht.

Wirkung ist individuell – kein „One fits all“

Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist aber auch, dass Kühlwesten nicht bei allen Beschäftigten die gleiche Wirkung zeigen. Während in der Studie einige Kurierfahrende deutlich von der Kühlung profitierten, zeigten sich bei anderen Kurierfahrenden nur geringe Veränderungen. Diese Unterschiede lassen sich unter anderem durch individuelle Voraussetzungen erklären. Beispielsweise hängt die Thermoregulation von der körperlichen Fitness und der Akklimatisation an Hitze ab. Personen mit gut ausgeprägter eigener Temperaturregulation können Hitze­belastungen oft besser kompensieren, so dass der zusätzliche Nutzen der Kühlweste geringer ausfallen kann.

Gleichzeitig machte die Studie deutlich, dass die Anwendung der Kühlweste mit einigen Einschränkungen verbunden ist. Kritisch bewertet wurden insbesondere das Gewicht der Kühlweste (etwa 1,8 kg) sowie die Feuchtigkeit der Kühlweste. Einige Kurierfahrende berichteten, dass dadurch auch darunterliegende Kleidung feucht wurde. Darüber hinaus wurde die schnell nachlassende Kühlwirkung im Verlauf der Arbeitsschicht mehrfach kritisiert.

Die Wirksamkeit von Kühlwesten hängt damit nicht ausschließlich von den Produkteigenschaften ab, sondern ergibt sich vielmehr aus einem Zusammenspiel von Person, Tätigkeit und Umgebungsbedingungen. Empfehlungen zum Einsatz von Kühlwesten sollten daher möglichst arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogen erfolgen. Für die Praxis bedeutet das, dass Kühlwesten nicht als universelle Lösung betrachtet werden sollten. Vielmehr empfiehlt sich ein bedarfsgerechter Einsatz, der sowohl die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten als auch die Anforderungen der Arbeitstätigkeit berücksichtigt. Betriebe sollten Beschäftigten die Möglichkeit bieten, Kühlwesten freiwillig zu nutzen und unterschiedliche Modelle und Größen zu erproben.

Fazit für die Praxis

Die Ergebnisse der Feldstudie zeigen, dass Kühlwesten einen Beitrag zum betrieblichen Hitzeschutz leisten können. Ihr wesentlicher Nutzen liegt in der Senkung der Hauttemperatur und der Verbesserung des thermischen Komforts, wodurch das Arbeiten an heißen Tagen als weniger belastend empfunden wird.

Die Wirksamkeit von Kühlwesten hängt jedoch nicht allein von der verwendeten Kühltechnologie ab, sondern auch von den jeweiligen Arbeitsbedingungen und ihrer Einbindung in betriebliche Abläufe. Vor der Einführung sollte daher geprüft werden, welches Kühlprinzip für die konkrete Tätigkeit geeignet ist. Während Verdunstungskühlwesten insbesondere bei geringer Luftfeuchtigkeit und ausreichender Luftbewegung wirksam sind, bieten Kühlwesten mit Phasenwechselmaterial eine von diesen Umgebungsbedingungen weitgehend unabhängige Kühlung. Dafür erfordern diese wiederum geeignete Möglichkeiten zur Lagerung und Aktivierung der Kühlpacks. Soll die Kühlwirkung über längere Zeiträume aufrechterhalten werden, müssen zudem organisatorische Voraussetzungen für die Reaktivierung der Kühlweste oder den Austausch von Kühlpacks geschaffen werden.

Für eine erfolgreiche Anwendung in der Praxis sollten Beschäftigte zudem über Funktionsweise, Möglichkeiten und Grenzen der Kühlwesten informiert werden. Hinweise zur Aktivierung, Tragedauer und hygienischen Aufbereitung können dazu beitragen, die Wirksamkeit und Akzeptanz im Arbeitsalltag zu erhöhen.

Insgesamt können Kühlwesten an Hitzetagen einen Mehrwert bieten, wenn sie gezielt ausgewählt und in die organisatorischen Rahmenbedingungen eingebunden werden. Technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz vor Hitzebelastungen haben aber weiterhin Vorrang. Kühlwesten eignen sich aber dort als Ergänzung, wo andere Schutzmaßnahmen nur eingeschränkt umsetzbar sind oder die verbleibende Hitzebelastung nicht ausreichend reduzieren können. Hier können Kühlwesten dazu beitragen, die Belastung an heißen Arbeitstagen zu reduzieren und die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten zu unterstützen.

Interessenkonflikt: Die Autorin gibt an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Literatur

Hutchins KP, Maley MJ, Bach AJE, Stewart KL, Minett GM, Stewart IB: Ice vests extend physiological work time while wearing explosive ordnance disposal protective clothing in hot and humid conditions. Appl Ergon 2025; 122: 104388. doi:10.1016/j.apergo.2024.104388 (Open Access).

Ibenthal E, Ellegast R: Studie zur Effektivität und Akzeptanz einer hybriden Kühlweste bei Kurierfahrenden von Schnelllieferdiensten. Z Arbeitswiss 2026; 80: 463–474. doi:10.1007/s41449-026-00541-5.

Mangelsdorf S, Meier KD: Der Einfluss von Temperatur auf das Arbeits- und Wegeunfallgeschehen in Deutschland. DGUV Forum 2025 (7): 31–33. https://forum.dguv.de/ausgabe-7-8-2025/der-einfluss-von-temperatur-auf-… (abgerufen am 31.08.2026).

Morrissey-Basler MC, Brewer GJ, Anderson T, Adams WM, Navarro JS, Marcelino M et al.: The effect of heat mitigation strategies on thermoregulation and productivity during simulated occupational work in the heat in physically active young men. Front Sports Act Living. 2023; 5: 1274141. doi:10.3389/fspor.2023.1274141 (Open Access).

Kontakt

Dr. Elisabeth Ibenthal
Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e. V. (DGUV); Alte Heerstraße 111; 53757 Sankt Augustin

Foto: privat

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