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Arbeitsmedizin in China: Medizinische Betreuung vor, während und nach Entsendungen

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Occupational health in China: medical support before, during and after assignments

Which medical steps are critical for assignments to China? This article outlines a practical, end-to-end approach to occupational health support – before departure, throughout the stay, and after return – covering preventive screenings and immunization status, insurance coverage, emergency and medical provider networks, and structured follow-up for employees and, where applicable, their families.

Arbeitsmedizin in China: Medizinische Betreuung vor, während und nach Entsendungen

Welche medizinischen Schritte sind bei Entsendungen nach China wichtig? Dieser Beitrag zeigt praxisnah, wie Mitarbeitende – und bei Bedarf auch ihre Familien – vor der Ausreise, während des Aufenthalts und nach der Rückkehr arbeitsmedizinisch begleitet werden: von Vorsorge und Impfstatus über Versicherung, Notfall- und Versorgungsnetzwerke bis zur strukturierten Nachbetreuung.

Kernaussagen

  • Internationale Entsendungen nach China erfordern eine ganzheitliche, kontinuierliche ­medizinische Betreuung, die weit über eine einmalige Vorbereitung hinausgeht.
  • Von der verpflichtenden reisemedizinischen Vorsorge über eine strukturierte Versorgung ­während des Aufenthalts bis hin zur systematischen Nachbetreuung nach der Rückkehr ­übernimmt der Arbeitgeber eine zentrale Rolle im Rahmen seiner Fürsorgepflicht.
  • Unterschiedliche regionale Versorgungsstrukturen, sprachliche und kulturelle Barrieren sowie besondere organisatorische Rahmenbedingungen machen klare Prozesse, verlässliche medizinische Netzwerke und jederzeit verfügbare Unterstützungsangebote unerlässlich.
  • Durch Versicherungsschutz, Notfall‑ und Assistance-Strukturen, präventive Maßnahmen, ­psychosoziale Angebote und eine enge Begleitung auch der mitreisenden Familien wird die Gesundheit der Entsandten nachhaltig geschützt und die erfolgreiche Durchführung inter­nationaler Einsätze unterstützt.

Einleitung

Weltweit agierende Unternehmen mit einem globalen Netzwerk aus Produktionsstätten, Entwicklungszentren und Vertriebsgesellschaften sind auf internationale Entsendungen von Fach- und Führungskräften angewiesen.

In einer zunehmend vernetzten Wirtschaftswelt ist der persönliche Austausch von Fachwissen und die direkte Steuerung internationaler Projekte von zentraler Bedeutung. Auch wenn digitale Kommunikationsmittel in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen haben, können sie den physischen Einsatz vor Ort nicht immer vollständig ersetzen. Gerade bei komplexen Projekten oder dem Aufbau neuer Standorte ist die Präsenz vor Ort unerlässlich. Während der COVID‑19‑Pandemie brach die Anzahl internationaler Entsendungen stark ein (Benton et al. 2024), im Volks­wagen‑Konzern 2020/2021 um rund 36 %, mit einem Tiefpunkt 2021. Seit 2022 erholt sich die Entsendetätigkeit deutlich. Für die kommenden Jahre wird mit weiter steigenden, jedoch flexibler und strategischer gestalteten Auslandseinsätzen gerechnet. Mit der erneuten Zunahme internationaler Entsendungen rückt auch deren strukturierte Begleitung wieder stärker in den Fokus. Ein zentraler Baustein ist die medizinische Betreuung, so dass Entsandte gesundheitlich auf die spezifischen Anforderungen des Ziellandes vorbereitet sind.

Im Folgenden wird die praktische Umsetzung exemplarisch anhand der firmeninternen Standards bei Entsendungen nach China aufgezeigt. Vom Assignment-Start über den Aufenthalt vor Ort bis zur Rückkehr und Wiedereingliederung in die Heimat werden die Mitarbeitenden kontinuierlich Schritt für Schritt begleitet.

Der Arbeitgeber hat gegenüber entsandten Mitarbeitenden eine umfassende Fürsorgepflicht, die im deutschen Recht (u. a. § 618 Bürgerliches Gesetzbuch [BGB], Arbeitsschutzgesetz [ArbSchG]) sowie auf europäischer Ebene insbesondere durch die EU‑Arbeitsschutz‑Rahmenrichtlinie 89/391/EWG verankert ist und ihn zur Umsetzung geeigneter Maßnahmen zum Schutz von ­Sicherheit und Gesundheit verpflichtet.

Für die Betreuung von entsandten Arbeitnehmern im Auslandseinsatz besteht ein durchgehend etablierter Betreuungsprozess, der im Erkrankungsfall eine optimale und zugleich kosteneffiziente Versorgung im Sinne eines „Duty‑of‑Care“-Ansatzes sowie der Arbeitgeberattraktivität sicherstellt.

Quelle: Generalkonsulat der Volksrepublik China in München

Medizinische Betreuung vor der Entsendung

Vor der Entsendung nach China erfolgt - soweit die Voraussetzungen der arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) erfüllt sind – eine reisemedizinische Pflichtvorsorge. In diesem Rahmen erfolgt auch die Überprüfung und Aktualisierung des Impfstatus. Zudem wird den Mitarbeitenden eine Reiseapotheke für leichtere gesundheitliche Beschwerden bereitgestellt. Auch die Mitnahme persönlicher Dauermedikamente sowie der dazugehörigen mehrsprachigen Bescheinigungen wird thematisiert.

Die ArbMedVV findet ausschließlich auf Beschäftigte Anwendung. Die medizinische Betreuung von mitentsandten Partnerinnen/Partnern und Kindern ist daher gesondert in einer internen Richtlinie für Auslandseinsätze geregelt, um dieselben Standards auch für Familienangehörige sicherzustellen.

Die Anforderungen können je nach Ort sehr unterschiedlich sein. So kann zum Beispiel für die Beantragung des Arbeitsvisums, der Arbeitserlaubnis oder der Aufenthaltserlaubnis ein medizinischer Untersuchungsnachweis erforderlich werden. Für das chinesische Arbeitsvisum (Kategorie Z) können zum Beispiel umfangreiche ärztliche Untersuchungen erforderlich sein, die im sogenannten „Physical Examination Record for Foreigner“ (➥ Abb. 1a und b, siehe auch Online-Quelle) dokumentiert und für das Visum beziehungsweise die Aufenthaltserlaubnis bei den chinesischen Behörden eingereicht werden müssen.

Die Anforderungen variieren je nach Provinz und aufnehmender Gesellschaft. In einigen Fällen ist eine Apostillierung (= Bestätigung der Echtheit der Herkunft öffentlicher Urkunden für die Verwendung im Ausland) der Unterlagen erforderlich, in anderen nicht. Auch die medizinischen Untersuchungen unterscheiden sich: Für bestimmte Provinzen ist beispielsweise eine Röntgen-Aufnahme des Thorax vorgeschrieben, während diese in anderen Regionen nicht verlangt wird. Unser Gesundheits­wesen unterstützt bei allen Nachweisen, stellt mehrsprachige Atteste aus und koordiniert bei Bedarf Facharztuntersuchungen.

Vorab erfolgen Aufklärungsgespräche zum Versicherungsumfang und zum Leistungskatalog der Auslandskrankenversicherung. Hierfür besteht eine Gruppenversicherung, die telemedizinische Leistungen sowie eine externe Assistance in Not‑ und Sonderfällen einschließlich einer 24/7‑Hotline und App‑Anbindung umfasst.

Abb. 1b:  Protokoll der ärztlichen Untersuchung für Ausländer (Seite 2)

Quelle: Generalkonsulat der Volksrepublik China in München

Abb. 1b: Protokoll der ärztlichen Untersuchung für Ausländer (Seite 2)

Medizinische Betreuung während der Entsendung

Während des Auslandseinsatzes trägt der Arbeitgeber weiterhin Verantwortung für die gesundheitliche Betreuung der Mitarbeitenden. Dabei treffen die aus Deutschland bekannten unternehmenseigenen medizinischen Standards, an die die Entsandten gewöhnt sind, auf die Strukturen und Versorgungsrealitäten des chinesischen Gesundheitssystems.

Je nach Standort der Entsendung unterscheiden sich dabei die Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung erheblich. In Metropolen wie Peking, Shanghai oder Guang­zhou, den sogenannten First-Tier-Cities, stehen internationale Krankenhäuser sowie VIP‑Abteilungen öffentlicher Kliniken zur Verfügung, deren Versorgungsstandard westlichen Maßstäben sehr nahekommt (➥ Abb. 2). Viele Ärztinnen und Ärzte verfügen dort über gute Englischkenntnisse, zudem ist teilweise eine direkte Abrechnung mit der Auslandskrankenversicherung möglich. Aufgrund des hohen medizinischen und organisatorischen Service-Niveaus sowie der durchgehenden Verfügbarkeit werden diese Angebote von Entsandten besonders häufig genutzt.

In chinesischen öffentlichen Krankenhäusern müssen Patientinnen und Patienten in der Regel zunächst selbst zahlen („Vorkasse“) und erhalten dann eine Erstattung der Versicherung. Der Arbeitgeber trägt die Versicherungsprämien und stellt sicher, dass auch Mitreisende (Ehepartner, Kinder) im Versicherungsschutz inkludiert sind.

Außerhalb der First‑Tier‑Cities stehen häufig keine oder nur wenige internationale Privatkliniken zur Verfügung, so dass Entsandte auf ausgewählte lokale öffentliche Krankenhäuser angewiesen sind (Abb. 3). Aufgrund bestehender sprachlicher Barrieren sind hierfür unternehmensspezifische Lösungen erforderlich, um einen sicheren und angemessenen Zugang zur medizinischen Versorgung zu gewährleisten. An allen Produktionsstandorten stehen Sanitätsstellen beziehungsweise Gesundheitszentren zur Verfügung, die neben der medizinischen Basisversorgung von Entsandten auch koordinierende Funktionen übernehmen. Zur Unterstützung werden Übersetzungsdienste sowie Begleitungen durch lokale „Medical Coordinators“ oder zweisprachige Kolleginnen und Kollegen organisiert. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen an ausgewählten Standorten eigene internationale hausärztliche Praxen, die fachlich und organisatorisch in lokale Krankenhäuser integriert sind. Diese gewährleisten eine kultursensible und sprachlich barrierefreie medizinische Versorgung für Entsandte und deren Familienangehörige.

Die landesweite Notrufnummer für den Rettungsdienst in China ist die 120. Rettungswagen transportieren Patientinnen und Patienten in der Regel in das nächstgelegene öffentliche Krankenhaus, dessen Struktur und Versorgungsniveau sich deutlich von den in Deutschland etablierten Standards unterscheidet. Die öffentliche Notfallversorgung vor Ort verfügt oftmals nicht über ein mit westlichen Standards vergleichbares Notarztsystem; zudem sind Rettungswagen teilweise nur rudimentär ausgestattet.

Für medizinische Notfälle steht dem Entsandten deshalb zusätzlich eine 24/7-Notfall-Hotline mit deutsch- oder englischsprachigen Mitarbeitenden zur Verfügung. Diese berät die Patientin oder den Patienten zum Beispiel zur Auswahl geeigneter Krankenhäuser. Sollte die Behandlung vor Ort bei schweren Erkrankungen unzureichend sein, kann in Zusammenarbeit mit der reisemedizinischen Abteilung unseres Unternehmens außerdem eine medizinische Evakuierung oder Repatriierung organisiert werden.

Der Arbeitgeber schafft auch organisatorisch Rahmenbedingungen, um die Gesundheit der Entsandten zu schützen. Im Folgenden dafür einige Beispiele:

Entsandte können regelmäßig Heimreisen nach Deutschland durchführen. Es wird erwartet, diese Aufenthalte zur Teilnahme an den weiteren arbeitsmedizinischen Vorsorgen zu nutzen. Während des Heimataufenthalts bietet das Gesundheitswesen den Entsandten zudem Check‑ups, sowie Komplettierung und Auffrischungen des Impfstatus an.

Die reisemedizinische Abteilung informiert die Mitarbeitenden regelmäßig über aktuelle medizinische Themen. Speziell für China-Entsandte gibt es einen halbjährlichen „Assignee-Newsletter“ mit Hinweisen zum Beispiel zu neuen Impfempfehlungen, zur Grippesaison, telemedizinischen Kinderarzt-/Hausarzt-Sprechstunden sowie Kontakte und Veränderungen im medizinischen Netzwerk.

Ein wichtiger Aspekt der Fürsorge ist der Zugang zu psychosozialer Betreuung. Leben und Arbeiten in China kann durch kulturelle Anpassung, Familienintegration und Isolation belasten. Entsandten wird daher der Zugang zu geeigneten Beratungsangeboten ermöglicht, etwa über Expat-Familiennetzwerke oder psychologische Telemedizinangebote eines EAP-(Employee Assistance Program-)Dienstleisters, um psychische Belastungen zu reduzieren und die Resilienz zu stärken.

Abb. 2:  VIP-Department, Stationsstützpunkt

Foto: Kai Sickmann

Abb. 2: VIP-Department, Stationsstützpunkt

Medizinische Betreuung nach der Entsendung

Nach der Rückkehr aus dem Auslandseinsatz endet die Verantwortung des Unternehmens nicht abrupt. Vielmehr wird großer Wert auf Nachbetreuung und Reintegration gelegt, um eventuelle gesundheitliche Folgen der Entsendung festzustellen und zu behandeln.

Nach Rückkehr aus dem Auslandseinsatz wird den Mitarbeitenden – abhängig von den konkreten Gefährdungen während des Auslandseinsatzes – eine umfassende arbeitsmedizinische Vorsorge gemäß ArbMedVV angeboten.

Diese umfasst auch unter anderem einen allgemeinen Gesundheitscheck, Überprüfung und Vervollständigung von Impfserien oder Spezialuntersuchungen, falls im Ausland relevante Expositionen bestanden (z. B. Lungenfunktion, tropenmedizinische Stuhlparasiten-Untersuchung nach langfristigem Aufenthalt in ländlichen Gebieten Südchinas usw.).

Sollte während der Entsendung eine Krankheit oder eine psychische Belastungsreaktion aufgetreten sein, sorgt der Arbeitgeber anschließend für eine nahtlose Weiterbehandlung in Deutschland. Auch die mitausgereisten Familienmitglieder (Partnerin/Partner und Kinder) können nach der Rückkehr untersucht und beraten werden.

Interessenkonflikt: Das Autorenteam gibt an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Literatur

Benton M, Huang L, Batalova J, Tirado T: The state of global mobility in the aftermath of the COVID 19 pandemic. International Organization for Migration & Migration Policy Institute, 2024.

Online-Quelle

Physical Examination Record for Foreigner
https://munich.china-consulate.gov.cn/ger/lsfw/fd/202205/t20220517_1068…

Abb. 3:  Anmeldung Outpatient Department

Fot: Kai Sickmann

Abb. 3: Anmeldung Outpatient Department

Lesetipp


Schwerpunktheft „Arbeitsmedizinische Reisemedizin“

Ausgabe 6/2026

Erhältlich unter:
www.asu-arbeitsmedizin.com/heftarchiv/ausgabe-06-2026

Koautorin

Larissa Berneis
Gesundheit International, Konzern Gesundheitswesen und Arbeitsschutz, Volkswagen AG, Wolfsburg

Kontakt

Dr. med. Kai Sickmann
Leitung Gesundheit ­International; Konzern Gesundheitswesen und Arbeitsschutz; Volkswagen AG; 38436 Wolfsburg

Foto: VW

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