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Arbeitsmedizin wirkt: Deutscher Betriebsärzte Kongress 2026

Wie wirkt Arbeitsmedizin – und wie lassen sich ihre bislang nicht ausgeschöpften Potenziale besser nutzen? Diesen Fragen widmet sich der 42. Deutsche Betriebsärzte Kongress vom 21. bis 24. Oktober 2026 in der Rheingoldhalle Mainz. Unter dem Motto „Arbeitsmedizin wirkt. Evidenz und Potenzial“ bringt der Kongress wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrungen aus der betriebsärztlichen Praxis und aktuelle gesundheitspolitische Herausforderungen zusammen, informiert der Verband deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. (VDBW).

Mit rund 46 Millionen Erwerbstätigen ist die Arbeitswelt das größte Präventionssetting Deutschlands. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte verbinden medizinische Expertise mit der Kenntnis konkreter Tätigkeiten, Belastungen und betrieblicher Gestaltungsmöglichkeiten. Sie helfen, gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen, Arbeit gesundheitsgerecht zu gestalten und Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.

„Arbeitsmedizin wirkt auf drei Ebenen zugleich: Sie schützt die Gesundheit der Beschäftigten, stärkt gesunde und leistungsfähige Unternehmen und trägt zur Stabilität unserer sozialen Sicherungssysteme bei“, erklärt VDBW-Präsidentin Susanne H. Liebe. „Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels müssen wir nicht nur darüber sprechen, wie Menschen länger arbeiten können, sondern vor allem darüber, wie sie länger gesund und gut arbeiten können.“

Wirkung sichtbar und wissenschaftlich greifbar machen

Für zahlreiche gesundheitliche Gefährdungen und arbeitsplatzbezogene Interventionen liegen belastbare Erkenntnisse vor. Komplexer ist es, die Wirkung der arbeitsmedizinischen Betreuung als Gesamtsystem abzubilden: von der kontinuierlichen Beratung eines Unternehmens über die Mitwirkung an Gefährdungsbeurteilungen und die arbeitsmedizinische Vorsorge bis zur frühzeitigen Unterstützung gesundheitlich gefährdeter Beschäftigter.

Erfolgreiche Prävention zeigt sich häufig gerade darin, dass Erkrankungen, Unfälle oder dauerhafte Einschränkungen nicht eintreten. Der Kongress nimmt deshalb auch den Bedarf an versorgungsnaher Forschung, geeigneten Qualitätsindikatoren und einer besseren datenschutzgerechten Nutzung arbeitsmedizinischer Routinedaten in den Blick.

„Unser Kongressmotto ist Feststellung und Prüfauftrag zugleich“, betonen die wissenschaftlichen Leiter Dr. med. Michael Drees und Stefan Linnig, MPH. „Wir wollen gemeinsam klarer beschreiben, was Arbeitsmedizin bereits nachweislich leistet, unter welchen Bedingungen sie besonders wirksam ist und welches Potenzial bislang noch nicht ausgeschöpft wird.“

Arbeitsmedizin als sektorenverbindende Partnerin

Ein besonderes Potenzial liegt in der besseren Verbindung von Arbeitsmedizin und Gesundheitsversorgung. Hausärztliche und fachärztliche Praxen, Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen kennen die Erkrankungen ihrer Patientinnen und Patienten. Betriebsärztinnen und Betriebsärzte kennen deren konkrete Arbeitssituation und die betrieblichen Möglichkeiten, Tätigkeiten gesundheitsgerecht anzupassen.

Strukturierte und einwilligungsbasierte Übergänge können dazu beitragen, Beschäftigte nach einer betriebsärztlichen Früherkennung gezielt in die weitere Diagnostik zu lotsen, ihre Rückkehr nach einer Erkrankung zu unterstützen und ihre Beschäftigungsfähigkeit langfristig zu sichern. Dafür braucht es klare Kommunikationswege, rechtssichere Verfahren und eine systematische Einbindung der Arbeitsmedizin in Präventions- und Versorgungsstrukturen.

Wissenschaft, Praxis und kollegialer Austausch

Das Kongressprogramm greift das Leitthema aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Zu den Schwerpunkten gehören:  

Evidenz und Potenziale arbeitsmedizinischen Handelns, digitale Anwendungen und künstliche Intelligenz, Diversität in der Arbeitswelt, die Beratung von Arbeitgebenden und Beschäftigten, aktuelle Fragen der betriebsärztlichen Praxis sowie Forschungsergebnisse und deren Übertragung in die Versorgung.  

Die Keynote zum Leitthema hält Prof. Dr. Susanne Moebus, Co-Vorsitzende des Expertenrates „Gesundheit und Resilienz“ der Bundesregierung. Ergänzt wird das Vortragsprogramm durch Seminare für Ärztinnen, Ärzte und arbeitsmedizinisches Assistenzpersonal, Exkursionen zu Unternehmen in der Region und zahlreiche Möglichkeiten zum fachlichen und persönlichen Austausch.

„Arbeitsmedizin ist kein Zusatzangebot, sondern eine zentrale Voraussetzung für gesunde Beschäftigte, leistungsfähige Unternehmen und eine zukunftsfähige Gesellschaft“, unterstreicht Susanne H. Liebe. „Wer Beschäftigungsfähigkeit, Wirtschaftskraft und stabile Sozialsysteme sichern will, muss Prävention und Arbeitsmedizin stärken.“

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