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Ökonomische Effekte einer ­wirksamkeitsorientierten arbeits­medizinischen Betreuung

Economic effects of effectiveness-oriented occupational medical care

The world of work is constantly evolving; modern occupational medicine dynamically supports and shapes this transformation. Preventing health impairment caused by work-related hazards and strains remains a central pillar of occupational medical practice. At the same time, the scope of occupational medicine extends far beyond this: existing hazards must be systematically addressed, new risks identified at an early stage, and viable solutions developed for future challenges.

Ökonomische Effekte einer wirksamkeitsorientierten ­arbeitsmedizinischen Betreuung

Die Arbeitswelt wandelt sich kontinuierlich; moderne Arbeitsmedizin begleitet und gestaltet diesen Wandel dynamisch mit. Der klassische Arbeitsschutz bleibt mit der Vermeidung gesundheitlicher Schäden durch tätigkeitsbedingte Gefährdungen und Belastungen eine zentrale Säule ­betriebsärztlichen Handelns. Zugleich reicht das arbeitsmedizinische ­Wirkungsspektrum weit darüber hinaus: Bestehende Gefährdungen müssen systematisch adressiert, neue Risiken früh erkannt und tragfähige Antworten auf künftige Herausforderungen entwickelt werden.

Kernaussagen

  • Eine wirksamkeitsorientierte arbeitsmedizinische Betreuung geht über klassischen Arbeitsschutz hinaus und leistet einen relevanten Beitrag zur Gesundheit, Leistungsfähigkeit und langfristigen Erwerbsfähigkeit von Beschäftigten.
  • Evidenz aus Studien und betrieblichen Projekten zeigt, dass zielgerichtete arbeitsmedizinische Interventionen krankheitsbedingte Fehlzeiten reduzieren, Arbeitsfähigkeit verbessern und betriebswirtschaftlich relevante Effekte erzielen können.
  • Für Unternehmen entstehen Vorteile durch geringere Ausfallzeiten, stabilere Einsatzfähigkeit, höhere Bindung und eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
  • Gesamtgesellschaftlich kann eine konsequent genutzte Arbeitsmedizin zur Entlastung des Gesundheitssystems, zur besseren Prävention und zur Reduktion sozialer Ungleichheiten beitragen.
  • Erforderlich ist eine stärkere, evidenzbasierte und sektorenübergreifend eingebundene ­Arbeitsmedizin, die Prävention, Versorgung und Reintegration wirksam miteinander verbindet.

Einleitung

In einer zunehmend ökonomisierten Gesundheits- und Arbeitswelt gewinnen Kosten, Nutzen und Effizienz auch für die Bewertung arbeitsmedizinischer Leistungen an Bedeutung. Notwendig sind evidenz­basierte Ansätze, breitenwirksame Forschung und interdisziplinäre Zusammenarbeit, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und Ressourcen verantwortungsvoll einsetzen. Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit arbeitsmedizinischer Interventionen ist daher legitim und notwendig. Compliance und Rechtssicherheit allein werden künftig nicht ausreichen, um betriebsärztliche Tätigkeit umfassend zu begründen. Moderne Arbeitsmedizin leistet mehr und sollte diesen Mehrwert belastbar nachweisen.

Ein Blick in die Studienlage

National und international liegen zahlreiche Studien zur Arbeitsmedizin und zum betrieblichen Gesundheitsmanagement vor. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht stehen häufig Fehlzeiten im Vordergrund; ebenso relevant sind Produktivität, Bindung, Zufriedenheit und Fluktuation. Der Return on Investment (ROI) ist eine legitime Kenngröße, um die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in Mit­arbeitergesundheit und Prävention messbar zu machen. Die Reports 28 und 40 der Initia­tive Gesundheit und Arbeit zeigen auf Basis zahlreicher Evaluationen und Metaanalysen, dass betriebliche Interventionen – je nach den vorliegenden Bedingungen – krankheitsbedingte Fehlzeiten zum Beispiel um 27 % und Krankheitskosten um 26 % reduzieren können. Baxter et al. (2014) ermittelten in ihrer Metaanalyse über 39 Studien mit 47 ROI-Werten einen mittleren ROI von 1:2,7. Diese Angabe spiegelt den Brutto-Rückfluss wider, bei dem jeder eingesetzte Euro die Programmkosten amortisiert und eine zusätzliche Netto-Ersparnis von 1,70 Euro generiert. Diese Befunde stützen die Wirtschaftlichkeit betrieblicher Gesundheitsförderung, bleiben für einzelne Präventionsfelder jedoch oft unspezifisch. Deshalb sind eva­luierte Einzelmaßnahmen und gut dokumentierte Praxisbeispiele wertvoll.

In ASU 08/2025 wurde eine „Ökonomische Bewertung der Grippeschutzimpfung am Arbeitsplatz in Deutschland“ veröffentlicht (Schwander u. Zöllner 2025). Die Analyse zeigte eindrucksvoll, dass bereits bei einer Impfquote von 20 % nachweisbare Effekte auf die Reduktion von Arbeitsunfähigkeitstagen sowie ein sehr hoher ROI von 1:4,35 erzielt wurden. Zudem führten die Autoren eine Hochrechnung auf ein bundesweites Szenario durch, die auf ein erhebliches gesamtwirtschaftliches Einsparpotenzial hinweist.

Die vom Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss geförderte Studie „BGM innovativ“ des BKK Dachverbandes (2017–2021) untersuchte unter anderem eine betriebsärztlich begleitete neue Versorgungsform bei Muskel-Skelett-Erkrankungen. Im Schwerpunkt „Arbeitsplatzbezogene Medizinische Trainingstherapie (aMTT)“ wurde ein koordiniertes Fallmanagement mit sporttherapeutisch begleiteter aMTT mit unterstütztem Selbstmanagement durch einmalig angeleitete und zur regelmäßigen Anwendung empfohlene TheraBand-Übungen verglichen. Die Zuteilung erfolgte randomisiert, die Statistik universitätsbasiert. Evaluiert wurden unter anderem Arbeits­unfähigkeitstage aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen sechs Monate vor und nach der Intervention sowie Schmerz­intensität, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination. Zwischen den Studienarmen zeigte sich bei den Arbeitsunfähigkeitstagen ein statistisch signifikanter Unterschied von 28,32 % zugunsten der aMTT.

Eigene Projekte

Gemeinsam mit der Betriebskrankenkasse und unserem arbeitsmedizinisch betreuten Werksstandort wurden mehr als 110 Mitarbeitende in die Studie „BGM innovativ“ eingeschlossen. Aufgrund der Ergebnisse wurde die aMTT in angepasstem Setting nach Studienende weitergeführt. Eine interne Kalkulation auf Basis der BGM-Innovativ-Studiendaten zeigt bereits im ersten Jahr bezüglich der Fehlzeiten einen ROI von 1:2,23. Rechnerisch führt somit jeder investierte Euro zu einer krankheitsbedingten Brutto-Einsparung von 2,23 Euro, wodurch die Maßnahme bereits im ersten Jahr vollumfänglich amortisiert ist. Eine weitere Verstetigung positiver Effekte ist plausibel, da das Training stabilisiert und die erlebte Selbstwirksamkeit die eigenständige Fortführung unterstützt. Am Werksstandort setzen mehr als 70 % der Mitarbeitenden nach Abschluss der werksärztlich verordneten aMTT ihr Training im werkseigenen Fitness- und Therapiezentrum auf eigene Kosten fort. Durch den Wegfall betrieblich finanzierter Therapiekosten bei fortbestehenden therapeutischen Effekten steigt der ROI anschließend nochmals deutlich. Therapeutische Ziele bleiben Schmerzlinderung sowie Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer, funktioneller Leistungsfähigkeit und Koordination. Diese Ziele stehen nicht im Widerspruch zu betriebswirtschaftlichen Effekten, sondern zeigen, dass bedarfsgerechte betriebliche Gesundheitsförderung Mitarbeitenden und Unternehmen gleichermaßen zugutekommt (➥ Abb. 1).

Nach Abschluss der Studie und interner Analyse wurde die aMTT an allen deutschen Werksstandorten unseres Unternehmens etabliert. Sie wird bei entsprechender Indikation werksärztlich verordnet und intern umgesetzt. Die Effekte werden jährlich evaluiert und zeigen eine dauerhaft hohe Effektstärke. Die standortübergreifende Auswertung 2025 (N = 122) ergab im Mittel einen Rückgang der Schmerzintensität um 2,36 Punkte auf der visuellen Analogskala (VAS) sowie eine Zunahme der Leistungsfähigkeit um 12,48 Punkte im Performance Assessment Capacity Test (PACT); diese Werte sind über die zurückliegenden Jahre hoch konsistent.

Eine weitere arbeitsplatzbezogene Intervention betrifft psychische Erkrankungen. Diese wurde 2017 am Werksstandort etabliert und wird ebenfalls jährlich evaluiert. Im Rahmen eines integrierten Versorgungsvertrags können Versicherte der Betriebskrankenkasse auf werksärztliche Verordnung psychotherapeutische Diagnostik und Beratung erhalten; bei entsprechender Indikation wird der Zugang zu notwendigen therapeutischen Optionen ermöglicht. Von 2017 bis 2025 wurden 183 Personen in das Projekt eingesteuert. Evaluiert wird mit Beck-Depressions-Inventar (BDI-II), Symptom-Checkliste 90 (SCL-90) und Work Ability Index (WAI). Die aktuellen Mittelwerte zeigen vor und nach der Intervention deutliche Veränderungen: BDI-II von 21,4 Punkten auf 6,25 Punkte, SCL-90 von 62,25 auf 46,10 Punkte und WAI von 32 auf 37,5 Punkte. Auch die AU-Daten weisen auf relevante Effekte hin: 2025 entfielen bei BMW BKK versicherten Mitarbeitenden des Werkes (N = 2384), denen die Intervention offensteht, 1,85 AU-Tage pro Versicherten auf psychische Erkrankungen. Bei der nächstgrößeren gesetzlichen Krankenversicherung (N = 1475), deren Versicherten diese Intervention nicht verfügbar ist, waren es 3,14 AU-Tage. Damit sind die AU-Tage bei BMW BKK-Versicherten für den Bereich der psychischen Erkrankungen um 41,1 % niedriger. Die Daten stammen aus den jeweiligen Gesundheitsberichten 2025. Bei ähnlichen soziodemografischen Daten und sonst weitgehend gleichen betrieblichen Rahmenbedingungen liefert die zusätzliche werksärztliche Interventionsmöglichkeit einen plausiblen Erklärungsansatz für die Differenz zwischen den Gruppen. Confounder wie zum Beispiel Selektionseffekte bei der Krankenkassenwahl, eine abweichende Krankheitslast oder Unterschiede im Kodierverhalten wurden dabei nicht kontrolliert, was die Belastbarkeit des Vergleichs einschränkt.

Ergänzend sei auf den Beitrag „Interdisziplinäre Versorgung psychisch erkrankter Arbeitnehmer“ von Kröger und Leineweber (2018) verwiesen. Das dort beschriebene und wissenschaftlich evaluierte Modellprojekt war impulsgebend für unsere eigene Projektarbeit.

Machbarkeit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit betrieblicher Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Arbeitsfähigkeit werden in vielen Unternehmen sichtbar und lassen sich auch studienbasiert belegen. Die Effekte sind messbar; ihre individuelle, betriebliche und gesellschaftliche Relevanz ist erheblich.

Bedeutung für Mitarbeitende

Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind ­Voraussetzungen für Wohlbefinden, finan­zielle Sicherheit, Zukunftsvorsorge, Sinnstiftung, soziale Teilhabe und Anerkennung. ­Eigenverantwortung bildet dabei eine wichtige, oft unterschätzte Grundlage. Zwar bestehen individuelle Grenzen, etwa durch genetische Disposition, Umweltfaktoren oder arbeitsbedingte Belastungen; dennoch beeinflusst der persönliche Lebensstil Erkrankungsrisiken und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen erheblich. Gesundheitskompetenz aufzubauen, Eigenverantwortung zu fördern, gesundheitsbewusstes Verhalten zu unterstützen und niederschwellige Präventionsangebote bereitzustellen, ist eine große Chance der Arbeitsmedizin für Mitarbeitende, nicht nur mit Blick auf arbeitsbedingte Risiken, sondern auch für Lebensqualität, Vitalität und einen solidarischen Umgang mit den Ressourcen des Gesundheitssystems.

Bedeutung für Unternehmen

Rechtssicherheit, Compliance und Risiko­minimierung durch eine umfassende arbeitsmedizinische Betreuung sind betriebswirtschaftlich relevant, da Verstöße finanzielle Folgen, Haftungsrisiken und Reputationsschäden verursachen können. Darüber hinaus kann hochwertige arbeitsmedizinische Betreuung wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen. Im Fokus stehen nicht allein die Vermeidung von Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Erkrankungen, sondern ebenso der Erhalt von Arbeitsfähigkeit und die Reduktion krankheitsbedingter Fehlzeiten – besonders angesichts des demografischen Wandels. Die arbeitsmedizinische Vorsorge bietet hierfür einen besonderen Zugang. Sie berücksichtigt konkrete arbeitsplatzbezogene Risiken, Erwerbsbiografie und individuelle Gesundheitsrisiken. Mit rund 46 Mio. Erwerbstätigen (Statistisches Bundesamt 2026) ist die Arbeitswelt das größte gesellschaftliche Präventionsfeld, da sie den direkten Zugang zum Großteil der erwachsenen Bevölkerung ermöglicht, die dort zudem einen signifikanten Teil ihrer Lebenszeit verbringt.Daraus resultiert ein wirkungsvoller Zugang zum Aufbau von Gesundheitskompetenz, für motivierende ärztliche Gespräche und arbeitsplatznahe Versorgungskonzepte. Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Erkrankungen, aber auch Erkrankungen ohne unmittelbaren Arbeitsbezug verursachen Kosten durch Entgeltfortzahlung, Produktionsausfälle, Ersatzpersonal und Sozialversicherungsbeiträge. Zukunftsorientierte Unternehmen nutzen ganzheitliche arbeitsmedizinische Betreuung daher nicht nur zur Rechtskonformität, sondern auch zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

Gesamtgesellschaftliche und ­gesundheitspolitische Bedeutung

Arbeitsmedizinische Betreuung und betriebliche Prävention können dazu beitragen, Entstehung und Chronifizierung von Erkrankungen zu verhindern – bei Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Erkrankungen ebenso wie bei lebensstilassoziierten Risiken. Viele Unternehmen bieten Präventionsprogramme über die Anforderungen von Arbeitsschutzgesetz und Sozialgesetzbuch (SGB) VII hinaus an, etwa zu Muskel-Skelett-Gesundheit, mentaler Gesundheit, Herz-Kreislauf-
Gesundheit, Unfallprävention, Infektionsschutz und Früherkennung onkologischer Erkrankungen. Der Arbeitsplatz bietet hierfür einen niederschwelligen Zugang, bei dem der soziale Gradient der Inanspruchnahme geringer ausfallen kann (vgl. GKV-Spitzenverband 2025). Dies gilt insbesondere dann, wenn die gesetzlich verankerte arbeitsmedizinische Vorsorge ohnehin den strukturellen Anlass für eine individuelle und vertrauliche Beratung bietet (vgl. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2024) Wirksame sekundärpräventive Früh­interventionen sind betrieblich oft leichter zu vermitteln, da Beschwerden oder die Sorge vor Chronifizierung stärker motivieren als ein abstrakter Wunsch nach Gesundheit. Die Maßnahmen sind konkreter erlebbar und besser evaluierbar. Auch tertiärpräventive Maßnahmen wie arbeitsmedizinisch initiierte medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) mit werksärztlichem Befundbericht und Arbeitsplatzprofil zeigen positive Effekte auf Fehlzeiten und Einsatzfähigkeit, werden jedoch noch zu selten und oft zu spät genutzt.

Ein effizientes Gesundheitssystem sollte betriebliche Prävention systematischer einbeziehen, um Erwerbstätige gezielt zu erreichen und Fachdisziplinen besser zu verzahnen. Das Präventionsgesetz von 2015 war ein wichtiger Schritt, betriebsärztliche Prävention aufzuwerten und Schnittstellen zum hausärztlichen System zu schaffen. In der Praxis blieb die Umsetzung jedoch vielfach hinter den Möglichkeiten zurück: Verwaltungshemmnisse, Verteilungskonflikte und unklare Umsetzungswege erschwerten wirksame Prävention trotz hohen Engagements betriebsärztlicher Akteure. Erforderlich ist eine konsequentere gesundheits­politische Initiative für sektorenverbindende Zusammenarbeit, wirksamere Prävention und höhere Kosteneffizienz durch mehr Gesundheit. Andere Länder nutzen Public Health und Prävention systematischer. In Deutschland liegt der Schwerpunkt weiterhin zu stark auf der Behandlung Erkrankter und zu wenig auf der Verhinderung von Erkrankungen; auch die ärztliche Profession sollte ihre Rolle dabei kritisch reflektieren. Angesichts zunehmender Versorgungsengpässe gewinnt diese Perspektive an Bedeutung. In einer ­repräsentativen Allensbach-Studie von 2026 gaben 36 % der Befragten an, in ihrer Region Ärztemangel zu spüren, in Ostdeutschland 57 %. Unternehmen werden entscheiden müssen, ob sie innerbetrieb­liche arbeitsmedizinische Expertise stärken oder Versorgungslücken, lange Wartezeiten und daraus resultierende Abwesenheiten einkalkulieren. Prävention, Unterstützung bei Krankheit und Reintegration funktionell eingeschränkter Mitarbeitender werden daher wichtiger. Die größten Synergien liegen in fehlzeitenrelevanten und betrieblich beeinflussbaren Erkrankungsfeldern, insbesondere Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychischen Erkrankungen, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch eine Verknüpfung der Arbeitsunfallprävention mit Wege-, Haushalts- und Freizeitunfallprävention ist sinnvoll und schafft Bewusstsein für die Risiken. Gute, ganzheitliche Arbeitsmedizin kann helfen, dauerhaft eine gute Gesundheitsversorgung zu sichern, Ressourcen zu schonen und individuell, betrieblich sowie gesellschaftlich wirksam zu sein. Gesundheit zu fördern kann vielfach weniger kostenintensiv sein als Krankheiten zu behandeln. Dieses Wissen muss konsequenter in Handeln übersetzt werden.

Zusammenfassung und Ausblick

Arbeitsmedizin und zielgerichtete betriebliche Gesundheitsförderung bieten wirksame Ansatzpunkte zur Förderung von Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Anwesenheit und langfristiger Erwerbsfähigkeit. Neben rechtssicherer Betreuung zur Reduktion spezifischer Arbeitsplatzrisiken eröffnen Aufbau von Gesundheitskompetenz, Motivation zu gesundheitsförderlichem Verhalten und wirksame Präventions­angebote substanzielle Möglichkeiten, den individuellen Gesundheitszustand und betriebswirtschaftliche Kennzahlen positiv zu beeinflussen. Je nach Kontext der betriebs- und werksärztlichen Betreuung können spezifische Zusatzangebote noch höhere Effekte erzielen, sofern gesellschaftliche und betriebliche Rahmenbedingungen dies ermöglichen. Dass qualitativ hochwertige Arbeitsmedizin und zielgerichtete betriebliche Gesundheitsförderung wesentliche Einflussgrößen zur Vermeidung krankheitsbedingter Abwesenheiten und zur erfolgreichen Reintegration sind, lässt sich in zahlreichen Studien zeigen. Die ­Effekte sind reproduzierbar und können Unternehmen Vorteile bei Finanzkennzahlen, Bindung und Zufriedenheit von Mitarbeitenden verschaffen. Gesamtgesellschaftlich leistet konsequent gedachte und ganzheitlich umgesetzte arbeitsmedizinische Betreuung einen Beitrag zur Kostenstabilität im Gesundheitswesen, zur Entlastung von Sozialsystemen, zur Reduktion von betrieblichen Krankheitskosten und zur Förderung chancenverbessernder Teilhabe. Und nach Überzeugung des Autors lassen sich diese Effekte auch in kleinen und mittleren Unternehmen erzielen und sind nicht per se auf Großunternehmen beschränkt. Erforderlich ist nicht weniger Arbeitsmedizin, sondern mehr qualitativ hochwertige, wirksame und engagierte Arbeitsmedizin.▪

Interessenkonflikt: Der Autor gibt an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Literatur

Baxter S, Sanderson K, Venn AJ, Blizzard CL, Palmer AJ: The relationship between return on investment and quality of study methodology in workplace health promotion programs. Am J Health Promot 2014; 28: 347–363. doi:10.4278/AJHP.130731-LIT-395.

BMW Group Werk Leipzig, Gesundheitsmanagement, BMW BKK und Institut für Psychologische Therapie Leipzig e. V.: Interne Auswertungen zur arbeitsplatzbezogenen Medizinischen Trainingstherapie und zu arbeitsplatzbezogenen Interventionen bei psychischen Erkrankungen; 2017–2025.

Gemeinsamer Bundesausschuss, Innovationsfonds: BGM-innovativ – Arbeitsplatznahes, trägerübergreifendes Versorgungsmanagement der Betriebskrankenkassen. Förderkennzeichen 01NVF16027; Projektlaufzeit 04/2017–03/2021; Beschlussdatum 12.05.2022.

Initiative Gesundheit und Arbeit (iga): iga.Report 28 – Wirksamkeit und Nutzen betrieblicher Prävention. Dresden, Berlin: iga; 2015.

Initiative Gesundheit und Arbeit (iga): iga.Report 40 – Wirksamkeit und Nutzen arbeitsweltbezogener Gesundheitsförderung und Prävention. Dresden, Berlin: iga; 2019.

Kröger C, Leineweber B: Interdisziplinäre Versorgung psychisch erkrankter Arbeitnehmer. ASU Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 2018; 53: 771–773.

Schwander B, Zöllner Y: Ökonomische Bewertung der Grippeschutzimpfung am Arbeitsplatz in Deutschland – Eine Analyse der Grippesaison 2024/2025 aus betrieblicher Perspektive. ASU Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 2025; 60: 483–493. doi:10.17147/asu-1-464338 (Open Access).

Die komplette Literaturliste mit allen Quellen steht auf der Homepage beim Beitrag zur Verfügung
(asu-arbeitsmedizin.com).

Online-Quelle

Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der DAK-Gesundheit: DAK-Gesundheitsmonitor 2026: Zusammenfassung der Kernergebnisse. Allensbach: DAK-Gesundheit
https://caas.content.dak.de/caas/v1/media/169160/data/17ca1df0829da1e10…

Kontakt

Dr. med. Guido Engelhardt
Leitung Gesundheitsmanagement BMW Group Werk Leipzig, ­Berlin, Eisenach; BMW Allee 1, 04349 Leipzig

Foto: privat

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