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Case study: Dog bite in Mexico – acute care, PEP and lessons learned for occupational travel medicine
In 2024, a 40-year-old employee of a technology company was bitten by a wild dog in Mexico while walking from the company bite site to the taxi. The professional support provided as part of company case management highlighted several challenges in obtaining acute medical treatment abroad and yielded important insights for occupational travel medical.
Fallbeispiel: Hundebiss in Mexiko – Akutversorgung, Postexpositionsprophylaxe (PEP) und Lessons Learned für die betriebliche Reisemedizin
Ein 40-jähriger Mitarbeitender eines Technologieunternehmens wurde 2024 in Mexiko auf dem Weg vom Firmengelände zu seinem Taxi von einem wildlebenden Hund gebissen. Die fachliche Betreuung im Rahmen des betrieblichen Case-Managements zeigte viele Herausforderungen bei einer ärztlichen Akutbehandlung im Ausland und ergab wichtige Erkenntnisse für die reisemedizinische Beratung.
Kernaussagen
- Ein Hundebiss im Ausland kann für Reisende mit besonderen medizinischen und organisatorischen Herausforderungen verbunden sein. Andere Versorgungsstrukturen im Gesundheitssystem im Ausland, Verzögerungen bei der Behandlung durch Nichtverfügbarkeit von Impfstoffen und Sprachbarrieren können bei Tierbissen zu erheblichem Stress und zu psychischen Belastungen bei den Patientinnen und Patienten führen.
- Eine Reiseberatung hat einen großen Mehrwert für Reisende. Die fachlich kundigen Ärztinnen und Ärzte können zielgerichtetes Hintergrundwissen vermitteln. Für geschäftlich Reisende bietet die Reiseberatung nach der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbmedVV) die gesetzliche Grundlage für eine betriebsärztliche Beratung.
- Das Thema Tollwut sollte immer Bestandteil einer reisemedizinischen Beratung bei Reisen in Risikogebiete sein. Neben Verhaltenshinweisen kann eine präexpositionelle Impfung im Falle eines Risikoereignisses eine effiziente Präventionsmaßnahme darstellen und bietet viele Vorteile für die Reisenden.
- Oft ist die reisemedizinische Beratung die einzige Aufklärung über Risiken in den Reiseländern. In diesem Rahmen können auch erste Hinweise zur Reisesicherheit (Travel Security) adressiert werden. Übersetzungs-Apps sollten installiert sein und funktionieren. Die Absicherung bei Business-Trips sollte im Rahmen der Beratung immer mit thematisiert werden. Vorsorgevollmachten, Patientenverfügung sowie ein Testament sind in allen Lebenslagen sinnvoll.
- Betriebsärztinnen und -ärzte können sich im Rahmen des Case-Managements als verlässliche Ansprechpartner für die Reisenden bei Akutereignissen und der Nachbehandlung präsentieren. Hierfür müssen sie die spezifischen Situationen in den Reiseländern kennen und sich
regelmäßig fortbilden.
Einleitung
Im März 2024 wurde ein 40-jähriger Mitarbeiter unseres Unternehmens während eines Auslandsaufenthalts in Mexiko von einem wildlebenden Hund gebissen. Der Vorfall ereignete sich, als der Mitarbeiter auf dem Weg vom Firmengelände zu seinem Taxi war. Trotz seiner umfangreichen Reiseerfahrung und regelmäßiger betriebsärztlicher Vorsorgen mit reisemedizinischen Beratungen nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbmedVV) stellte dieser Vorfall eine erhebliche Herausforderung für alle Beteiligten dar. Die nachfolgende Analyse der Ereignisse bietet wertvolle Erkenntnisse für die betriebliche Reisemedizin und die Notwendigkeit einer umfassenden Vorbereitung auf solche Notfälle.
Arbeitsmedizinische Vorsorge bei geschäftlichen Auslandsreisen
Mitarbeitende mit regelmäßigen Auslandstätigkeiten und Auslandsaufenthalten mit besonderer klimatischer Belastung und Infektionsgefährdung erhalten eine reisemedizinische Beratung nach ArbmedVV, Anhang Teil 4. Im Rahmen der Vorsorge wird der Gesundheitsstatus der oder des Beschäftigten erhoben, zu den gesundheitlichen Risiken mit Blick auf die Reiseumstände beraten, Impfempfehlungen ausgesprochen und auch zahlreiche organisatorische Hinweise, zum Beispiel zur Notfallnummer und der Auslandskrankenschutzversicherung, gegeben.
Serviceauftrag in Mexiko
Die berufliche Auslandsreise des betroffenen Mitarbeiters umfasste 2024 eine Maschinenintegration in Saltillo (Mexiko) mit einem geplanten Aufenthalt von vier Wochen. Saltillo liegt im Nordosten Mexikos und hat mit etwa 720.000 Einwohnern eine beachtliche Größe, wie die meisten Städte in Mexiko. Der Mitarbeiter und sein Vorgesetzter hatten im Voraus alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Hierzu gehört vor allem in Mexiko der Blick auf die Sicherheitslage, die Reise- und Flugbuchungen und eine adäquate Unterbringung. Auch eine arbeitsmedizinische Vorsorge mit einer ausführlichen Impfberatung wurde im Vorfeld im Unternehmen durchgeführt.
Für den Transfer vom Hotel zum Kunden benutzte der Mitarbeiter täglich ein Ruftaxi, das ihn direkt zum Firmengelände brachte. Lediglich die letzten Meter musste er regelmäßig bis zum Werksgelände zu Fuß zurücklegen. In dieser Gegend sind wildlebende Hunde alltäglich und gehörten zum Stadtbild (➥ Abb. 1).
Der Hundebiss
Der Vorfall ereignete sich auf einem unbefestigten Weg, der an einem Schuppen vorbeiführte, wo sich regelmäßig wildlebende Hunde aufhielten. Am Tag des Ereignisses kam der Hund direkt auf den Mitarbeiter zu, der an diesem Tag in Eile sein Taxi erreichen wollte. Der Hund biss ihn kurz und heftig in den linken Unterschenkel und ließ dann erschrocken ab. Nachträglich berichtete der Mitarbeiter, dass sich die Ereignisse in der hektischen Situation so schnell und unerwartet abspielten, dass er die stark blutende Wunde am Unterschenkel erst bemerkte, als er schon im Taxi saß (➥ Abb. 2, Bild links).
Foto: Carl Zeiss AG
Tollwut
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursacht Tollwut weltweit ca. 60.000 Tote pro Jahr, wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird. Mit 95 % treten die meisten Tollwutfälle in den Regionen Afrika und Asien auf. Das Tollwutvirus gehört zu den Rhabdoviren (Genus Lyssaviren), wobei das Rabiesvirus bei den Hundebissen mit über 99 % der Übertragungen das höchste Risiko besitzt. Oftmals sind für die Übertragung des Tollwutvirus wild- und freilebende Hunde verantwortlich, wobei alle Arten und Varianten von Hunden das Virus übertragen können und nicht per se verdächtig aussehen müssen. Obwohl Deutschland als tollwutfrei gilt, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass in Osteuropa terrestrische Tollwutfälle (v. a. bei Wildtieren wie Füchsen) vorkommen. Importierte Fälle nach Hundebissen betrafen in den letzten Jahren vor allem Reiseländer in Nordafrika oder Asien (z. B. Marokko, Indien). Die Inkubationszeit bei Tollwut beträgt wenige Tage bis mehrere Monate, in seltenen Fällen Jahre betragen. Da bei einer Tollwutinfektion das zentrale Nervensystem betroffen ist, hat die Erkrankung eine sehr hohe Mortalität.
Tollwutrisiko in Mexiko
Das Tollwutrisiko in Mexiko ist gemäß WHO als moderat einzustufen (s. ➥ Abb. 3). Speziell in Lateinamerika trugen nationale Kampagnen in den letzten Jahren dazu bei, das Risiko für die Bevölkerung und Reisende deutlich zu verringern. In Anbetracht der Gesamtsituation, der Erregerpathologie und im Fall des deutlichen Bisses muss das Risiko jedoch ernst genommen werden und eine Postexpositionsprophylaxe wird empfohlen.
Erste Schritte und Akutbehandlung
Nach seiner Rückkehr ins Hotel versorgte sich der Mitarbeiter selbst mit Materialien aus der vom Unternehmen bereitgestellten Reiseapotheke. Er verband die Wunde steril mit einem Druckverband. Der Kontakt zu einem einheimischen Mitarbeitenden des Kunden führte ihn zunächst in ein nahes Krankenhaus, das für die chirurgische Versorgung der Bisswunde einen chirurgischen Spezialisten aus dem 90 km entfernten Monterrey kommen ließ. Der Chirurg reinigte die Wunde und nähte sie zu (s. Abb. 2, Bild Mitte). Wunden bei Tierbissen werden oftmals nicht komplett verschlossen, um den Abfluss von Wundsekret und Keimen zu ermöglichen. Der Impfpass des Mitarbeiters wies einen guten Tetanusschutz aus, trotzdem erhielt er ergänzend eine passive Tetanusimpfung (humane Tetanus-Immunglobuline). Zusätzlich erhielt der Patient Antibiotika sowie eine schriftliche Anleitung zu den nächsten Schritte auf Spanisch. Die Gesamtkosten der chirurgischen Behandlung beliefen sich auf über 10.000 Pesos (ca. 500 Euro), die sofort per Kreditkarte beglichen werden mussten.
Die Sprachbarriere, die separate Anforderung eines chirurgischen Arztes und die fremden Abläufe im mexikanischen Gesundheitswesen führten zu erheblichem Stress und Unsicherheit beim Patienten, der sich Sorgen um seine gesundheitliche Situation machte.
Während der Wartezeit auf die Behandlung informierte er, wie in der Reiseberatung besprochen, den 24/7 verfügbaren externen Dienstleister (medizinische Assistance) des Unternehmens über den Vorfall und gab die ersten Angaben zum Ereignis zu Protokoll.
Dienstleister, Auslandskrankenversicherung und Kreditkarte
Neben der reisemedizinischen Beratung ist für die Auslandsreise eine gute Absicherung der Reisenden wichtig. Hierfür hat unser Unternehmen, wie auch viele andere große Unternehmen, eine 24/7 Medical und Security Hotline mit einer einheitlichen Notrufnummer für alle Probleme der Reisenden beauftragt. Eine gute Auslandskrankenversicherung leistet im Notfall sofort und unkompliziert Hilfe und sollte in der Ausrichtung der Versicherungsleistungen gut mit den Bedarfen abgestimmt sein. Aufgrund zahlreicher unterschiedlicher Abrechnungssituationen wird Reisenden geraten, mehrere Kreditkarten mit auf die Reise zu nehmen, was sich auch im vorliegenden Fall als wichtig und richtig herausgestellt hat.
Tollwut-Postexpositionsprophylaxe in Mexiko
Zurück im Hotel erinnerte sich der Mitarbeiter an die Reiseberatung und das Risiko einer Tollwutinfektion im Ausland. Er kontaktierte erneut den 24/7-Dienstleister, der eine zeitnahe aktive und passive Impfung und einen Kontakt zu einem weiteren Krankenhaus empfahl. Allerdings stellte sich nun die Herausforderung, bei Anbruch der Nacht ein Taxi zu finden, um in ein anderes Krankenhaus zu gelangen. In Mexiko wird den Reisenden empfohlen, sich nachts außerhalb des Hotels nicht länger allein aufzuhalten, da die Sicherheitslage angespannt ist. Trotz aller Bemühungen war es in der Nacht nicht möglich, einen Impfstoff zu organisieren, so dass der Mitarbeiter ohne Impfung wieder ins Hotel zurückkehrte.
Am nächsten Morgen gelang es mit Hilfe des Dienstleisters und einheimischer Kontakte, das Tollwut-Zentrum der Stadt zu finden und aufzusuchen. Dort wurde das Risiko aufgrund nationaler Kampagnen zur Eindämmung des Tollwutrisikos als gering eingeschätzt, jedoch wurde auch hier eine Postexpositionsprophylaxe als Impfserie empfohlen. Das Tollwutzentrum bat um eine Beschreibung des Hundes. Man werde dann den Hund aufsuchen und sich nochmals beim Patienten melden, wenn er keine Impfung brauche. Die Kommunikation wurde durch Sprachbarrieren erschwert, und auch in diesem Tollwut-Zentrum war es nicht möglich, die notwendigen Impfstoffe zu erhalten. Insbesondere die Unterscheidung zwischen aktivem und passivem Impfstoff konnte immer wieder nicht klar kommuniziert werden.
Nach viel Aufwand und zahlreichen Kontakten gelang es schließlich, am ersten Tag nach dem Biss einen aktiven Impfstoff zu erhalten. Erst durch die Unterstützung des externen Dienstleisters und von deutschen Betriebsärzten konnte der Patient die notwendige fachliche Beratung und Erläuterung zu den weiteren Schritten erhalten. Es stellte sich heraus, dass das Impfschema in Mexiko von den bekannten europäischen Standards abwich (➥ Abb. 4). Obwohl eine passive Impfung im ursprünglichen Plan nicht vorgesehen war, erhielt der Patient am vierten Tag nach dem Biss nach der Impfung versehentlich eine unterdosierte passive Impfung (2 ml Berirab i.m.) im mexikanischen Krankenhaus, die dann auf Nachfrage des Patienten mit einer aktiven Impfung ergänzt wurde. In Deutschland ergänzten die Betriebsärzte nach dem Essener Impfschema noch eine weitere Impfung i.m. (s. ➥ Abb. 5). Das Ereignis wurde bereits zeitnah nach dem Tierbiss durch den Vorgesetzten als Arbeitsunfall an die Berufsgenossenschaft gemeldet.
Fazit und Lessons Learned
Die Gesamtsituation führte den Patienten durch mehrere Krankenhäuser, in Kontakt mit ausschließlich spanischsprachigen Krankenhausmitarbeitenden sowie zu fachlichen Diskussionen über Impfstoffe und verschiedene Impfschemata. Die zahlreichen frustranen Kontakte auf der Suche nach dem passenden Impfstoff, Sprachbarrieren und die hohen Kosten für medizinische Leistungen führten zu erheblicher Verunsicherung und Angst vor einer möglichen Tollwutinfektion.
Am Ende halfen sichere und verständliche Kommunikationswege, die Behandlung des Patienten vor Ort erfolgreich abzuschließen, ohne dass er seinen Heimflug antreten musste.
Zwei Jahre nach dem Vorfall steht der Mitarbeiter weiterhin in regelmäßigem Kontakt zu seinen Betriebsärzten und hat wertvolle Erkenntnisse aus seinen Reiseerfahrungen gewonnen, die er gerne an zukünftige Reisende weitergibt. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Gesundheitsstrukturen im Ausland von den deutschen abweichen, dass Sprachbarrieren in medizinischen Kontexten oft größer sind als im Alltag und dass eine Auslandsreisekrankenversicherung sowie Kreditkarten von mehreren Anbietern aufgrund der hohen Kosten medizinischer Behandlungen von großem Wert sind. Direkte, verlässliche Kontakte zu Dienstleistern, Betriebsärztinnen und -ärzten sowie einheimische Kontakte vor Ort sind unerlässlich, um im Notfall schnell und effektiv handeln zu können.
Im Rahmen des internen Case-Managements wurde auch diskutiert, ob die schnelle Repatriierung nach Deutschland und die Applikation der aktiven und passiven Immunisierung in Deutschland Kosten und Aufwand vor Ort gespart hätte. Der aktuelle Israel-Iran-Konflikt (03/2026) verdeutlicht aber wieder, dass nicht immer schnelle Rückflüge zur Verfügung stehen. In diesem Fall konnte der Arbeitsauftrag vor Ort aufgrund der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten erfolgreich beendet werden, wobei die Gesundheit immer im Vordergrund stand.
Interessenkonflikt: Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.
Online-Quellen
World Health Organization (WHO): Rabies
https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/rabies
Robert Koch-Institut (RKI): Ratgeber Tollwut, Stand 05.02.2026
https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Rat…