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Das Pflegepraxiszentrum Hannover – Innovation für die Pflege von morgen

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The Hanover Nursing Practice Center – Innovation for the nursing care of tomorrow

The Hannover Centre of Nursing Practice combines research and practice to bring technological innovations directly into fields of nursing care. The focus is on how technology can make day-to-day nursing easier and improve the quality of care. The Centre’s experimental room allows visitors to experience innovations first-hand and enhances the skills of nursing professionals.

Das Pflegepraxiszentrum Hannover – Innovation für ­Pflege von morgen

Das Pflegepraxiszentrum Hannover verbindet Forschung und Praxis, um technologische Innovationen gezielt in die pflegerische Versorgung zu übertragen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Technik den Pflegealltag erleichtern und die Versorgungsqualität verbessern kann. Der Experimentierraum des Pflegepraxiszentrums Hannover macht Innovationen direkt erlebbar und stärkt die Kompetenzen von Pflegefachpersonen.

Kernaussagen

  • Technologische Innovationen können Pflegequalität und Effizienz deutlich verbessern.
  • Der Experimentierraum ermöglicht praxisnahe Erprobung und fördert Akzeptanz.
  • Digitale Kompetenz ist ein Schlüssel für erfolgreiche Implementierung.
  • Partizipation von Pflegefachpersonen erhöht die Wirksamkeit von Innovationen.
  • Strukturelle Rahmenbedingungen bleiben eine zentrale Herausforderung.

Pflege befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Demografischer Wandel, Pflege­personalmangel und steigende Anforderungen an die Versorgungsqualität fordern neue Antworten. In diesem Kontext nimmt das Pflege­praxiszentrum (PPZ) Hannover als praxis- und forschungsorientierte Einrichtung eine Schlüsselrolle ein. Als Teil des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Clusters „Zukunft der Pflege“ gestaltet es aktiv den Transfer technologischer Innovationen in die pflegerische Versorgung und denkt Pflegearbeit dabei weiter.

Konzept und Zielsetzungen des PPZ: Technik, Mensch und Praxis zusammendenken

Das Pflegepraxiszentrum Hannover versteht sich als Transfer- und Innovationszentrum, das wissenschaftliche Kompetenz und pflegepraktische Expertise verbindet, um technologische Lösungen für die Pflegepraxis zu entwickeln, zu evaluieren und zu verbreiten. Im Zentrum steht die Frage: Wie können technologische Innovationen dazu beitragen, den Pflegealltag zu erleichtern, Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten und gleichzeitig die Versorgung der zu pflegenden Menschen zu verbessern? Der Fokus des PPZ liegt dabei nicht allein auf Technologie, sondern auf dem integrativen Denken von Technik, Mensch und Pflegepraxis.

Experimentierraum: Technologien zum Anfassen

Ein zentrales Element des PPZ Hannover ist der sogenannte Experimentierraum auf dem Campus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Hier werden neue Technologien nicht nur vorgestellt, sondern gemeinsam mit Pflegefachpersonen, pflege­bedürftigen Personen und weiteren Akteurinnen und Akteuren direkt erprobt und erlebt. Dieser Ansatz folgt dem Leitsatz: „Pflegetechnologien sollten erlebt werden“ – denn nur durch unmittelbare Erfahrung lassen sich Potenziale und Grenzen für den Pflegealltag realistisch einschätzen. Bei der Auswahl, Erprobung und Bewertung technologischer Lösungen arbeitet das Pflegepraxiszentrum Hannover eng mit Pflegeexpertinnen und -experten zusammen, um die Alltagstauglichkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit der Technologien in unterschiedlichen Versorgungssettings zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

Praxisnahe Entwicklung und erste Projektergebnisse

Im PPZ Hannover wurden dazu in der ersten Projektphase (2018–2024) auf einer unfallchirurgischen Pilotstation die Bedarfe der Pflegeempfängerinnen und -empfänger sowie der Pflegefachpersonen erfasst. Neben dem herausfordernden Verhalten von Menschen mit Demenz wurden unter anderem eine hohe Dekubitus-Inzidenz, körperliche Belastungen wie Rückenschmerzen und die häufige Nutzung der Rufanlage durch die Pflegeempfängerinnen und -empfänger genannt. In der anschließenden Produkt­recherche wurde national und international nach innovativen Produkten gesucht, die nach Vorstellung im Projektteam in Innovationsworkshops den Pflegefachpersonen präsentiert wurden. Hier hatten die Pflegefachpersonen die Möglichkeit, die Produkte intensiv kennenzulernen, sie praktisch auszuprobieren und den voraussichtlichen Nutzen zu bewerten.

Im Experimentierraum des PPZ Hannover findet sich daher eine umfassende Zusammenstellung von Technologien zu den Themenschwerpunkten:

  • Demenz,
  • Arbeitsorganisation/Arbeitserleichterung,
  • Sturzprävention,
  • Dekubitusprävention,
  • Arbeitsbelastung,
  • Kommunikation sowie
  • Virtual-Reality-Anwendungen und Gamification-Lösungen.

In Schulungsmodulen und Fortbildungen hatten Pflegefachpersonen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen die Möglichkeit, die Technologien kennenzulernen und ihre Anwendbarkeit zu erproben. Zusätzlich boten speziell entwickelte Online-Lerneinheiten Gelegenheit, das erworbene Wissen zu vertiefen und bereits Gelerntes zu wiederholen. Nach Abschluss der Module konnten die teilnehmenden Pflegefachpersonen diese evaluieren, wobei die Auswertung der Frage­bögen zeitnah erfolgte, um im folgenden Schulungsmodul die Wünsche entsprechend berücksichtigen zu können. Auch wenn die finanziellen und strukturellen Probleme noch heute bestehen, so ist es doch gelungen, einige der Technologien erfolgreich in die Pflegepraxis zu integrieren.

Cluster „Zukunft der Pflege 2.0“: Transfer und Skalierung

Neben der angewandten Forschung steht im aktuellen Projektverbund „Cluster Zukunft der Pflege 2.0“ (Förderphase 2024–2029) die Verbreitung und Implementierung der gewonnenen Erkenntnisse in neue Versorgungsfelder im Fokus. Hierbei werden technologische Innovationen nicht nur im akutstationären Kontext getestet, sondern auch in einer ambulanten Pflegeeinrichtung sowie in einer frührehabilitativen Einrichtung. Zu den zentralen Säulen dieses Transfers gehört die digitale Kompetenzentwicklung aller Stakeholder. Hierzu zählen neben Pflegefachpersonen zu pflegende Personen, Zu- und Angehörige, Dozierende sowie weitere medizinische und therapeutische Berufsgruppen. Daher werden Qualifizierungs- und Schulungskonzepte entwickelt, die den Umgang mit Pflegetechnologien adressatengerecht stärken sollen.

Forschungsschwerpunkte des
PPZ Hannover

Die wissenschaftliche Arbeit des PPZ Hannover ist breit angelegt und umfasst aktuell mehrere Schwerpunkte, die sich entlang der Herausforderungen der digital zu unterstützenden Pflegepraxis orientieren.

1. Transfer und Kompetenzentwicklung

Im Jahr 2023 wurden in der ersten Förderphase acht Schulungen durchgeführt und von insgesamt 42 teilnehmenden Pflegefachpersonen evaluiert. Alle gaben an, dass sie neben den guten und verständlichen Erklärungen der Technologien ausreichend Zeit hatten, diese auszuprobieren und dass sie
ihren Wissensstand erweitern konnten. Ablehnende Bewertungen wurden im Freitextfeld überwiegend damit begründet, dass einige der vorgestellten Technologien für die jeweilige Station oder Einrichtung nicht finanzierbar seien oder dass die vorherrschende Infrastruktur, wie beispielsweise fehlendes WLAN, den Einsatz der Technologien unmöglich machen. Die Ergebnisse zeigen im Allgemeinen deutliche Kompetenzzuwächse und eine hohe Akzeptanz von Technologien bei Pflegefachpersonen.

Fortführend zu den Schulungen der ersten Förderphase, wurden in der zweiten Förderphase bislang ausschließlich Öffentlichkeitsveranstaltungen durchgeführt. Diese unterscheiden sich deutlich von den Schulungen, da sie sich nicht nur an eine beruflich geschulte Zielgruppe richteten und vor allem der Information, Sensibilisierung und niedrigschwelligen Erprobung dienten. Das Feedback der Öffentlichkeitsveranstaltungen bis September 2025 (n = 43 vollständig ausgefüllte Fragebögen) bestätigt diese Befunde: Besonders hervorgehoben wurden hier:

  • die empathische Atmosphäre,
  • die praxisnahe Vorstellung innovativer Technologien (z. B. Virtual-Reality-Anwendungen, robotische Assistenzsysteme) sowie
  • die Möglichkeit zum eigenständigen Ausprobieren,
  • die große Produktvielfalt und
  • die kompetente Moderation.

Die interaktive Gestaltung wurde wiederholt positiv bewertet. Als Entwicklungsimpuls wurde vor allem ein erhöhter Zeitbedarf für praktische Übungsphasen genannt.

Insgesamt belegen die Evaluationsergebnisse beider Projektphasen den deutlichen Mehrwert von Experimentierräumen für Kompetenzentwicklung, technologische Handlungssicherheit und organisationsbezogenes Lernen. Der Experimentierraum des PPZ Hannover erweist sich damit als wirksames Instrument zur nachhaltigen Innovationsimplementierung und zur Stärkung einer zukunftsfähigen Pflegepraxis.

2. Evaluation technologischer ­Innovationen im Versorgungsalltag

Ein zentrales Forschungsfeld des PPZ ist die systematische Bewertung innovativer Technologien im realen Pflegealltag. Ziel ist es, ihre Wirksamkeit, Akzeptanz und Integration in bestehende Arbeitsprozesse empirisch fundiert zu untersuchen. Solche Evaluationen liefern Erkenntnisse für die Entscheidung von Pflegeeinrichtungen, welche Technologien sinnvoll implementiert werden können. So sorgte unter anderem ein hybrides Matratzensystem, das automatische Positionie­rungen vornimmt (Active Mobilisation System [AMS]), zur Verringerung1 der Dekubitusrate. Zudem berichteten die Pflegefachpersonen von weniger Rückenschmerzen.

3. Partizipation im Implementierungsprozess

Die aktive Einbindung von Pflegefachpersonen in den Prozess der Technologieimplementierung ist ein weiterer zentraler Forschungsfokus. Untersuchungen beleuchten, wie die Wahrnehmung, die Bedürfnisse und die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Pflege­fachpersonen den Erfolg technologischer Innovationen beeinflussen. Diese partizipativen Ansätze stellen sicher, dass die Lösungen nicht an der Praxis vorbei, sondern gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren entwickelt werden.

4. Ökonomische Evaluation und Versorgungsforschung

Das Gesundheitssystem steht unter dem Druck begrenzter Ressourcen. Vor diesem Hintergrund untersucht das Team des PPZ auch ökonomische Aspekte digitaler Technologien, mit Fokus auf die Kosten-Nutzen-Dimensionen und Outcomes (Versorgungseffekte) solcher Lösungen im ambulanten Setting.

5. Unterstützung der Arbeits­bedingungen in der Pflege

Neben technologischen Evaluationsfragen untersucht das PPZ Hannover auch Arbeitsbedingungen und arbeitsorganisatorische Auswirkungen neuer Technologien. Ein Beispiel aus der jüngeren Forschung beschäftigt sich mit biodynamischem Licht, das Beschäftigte im Schichtdienst in ihrem natürlichen Biorhythmus unterstützen soll – mit Blick auf Wohlbefinden, Konzentration und Schlafqualität.

Wirkung und Bedeutung für die Pflegepraxis

Die Forschung und Transferarbeit des PPZ Hannover hat weitreichende Bedeutung für die pflegerische Versorgung und die Arbeitsbedingungen der Pflegefachpersonen. Dies zeigt sich insbesondere in folgenden zen­tralen Wirkungsbereichen:

  • Qualitätssteigerung der Versorgung: Durch technologische Innovationen können pflegerische Prozesse sicherer, effizienter und individueller gestaltet werden.
  • Entlastung von Pflegefachpersonen: Technologien, die zum Beispiel körperlich
    belastende Tätigkeiten unterstützen oder Routineprozesse vereinfachen, schaffen Ressourcen, die für die direkte patientennahe Versorgung genutzt werden können.
  • Weiterbildung und Technikkompetenz: Die Förderung digitaler Kompetenzen stärkt die Handlungssicherheit der Pflegefachpersonen und trägt zu einer positiven Einstellung gegenüber digitalen Lösungen bei – ein entscheidender Faktor für den erfolgreichen Einsatz von Technologien in der Versorgungspraxis.
  • Transfer in neue Versorgungsfelder: Die systematische Begleitung von Implementierungsprozessen in ambulanten wie stationären Kontexten ermöglicht eine breitere Anwendung gut evaluierter Innovationen und hilft, die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen der Pflege aktiv anzugehen.

Das Pflegepraxiszentrum Hannover steht exemplarisch für eine kooperative, praxisnahe und zukunftsorientierte Pflegeforschung. Durch seine Rolle im Cluster „Zukunft der Pflege 2.0“ wirkt es weit über den eigenen Standort hinaus: Es verknüpft Wissenschaft, Praxis sowie Anwenderinnen und Anwender und schafft damit tragfähige Grundlagen für eine technologisch unterstützte, menschenzentrierte Pflege von morgen. Die gezielte Forschung zu Implementierungsprozessen, ökonomischen Aspekten und Arbeitsbedingungen sichert evidenzbasierte Wege in einen pflegewissenschaftlich fundierten, innovationsgestützten Pflegealltag. Darüber
hinaus unterstützen digitale Pflege- und Assistenztechnologien nicht nur pflegebedürftige Menschen und professionelle Akteure, sondern auch An- und Zugehörige,
indem sie Transparenz, Sicherheit und Teilhabe im Pflegealltag fördern. So ermöglichen beispielsweise Systeme wie NOX einen kontrollierten und nachvollziehbaren Wohnungszutritt für Pflege- und Rettungsdienste, während Anwendungen wie Veli oder die VIVI-App relevante Informationen zum Alltag und Wohlbefinden bereitstellen und dadurch eine frühzeitige Reaktion auf mögliche Unterstützungsbedarfe erleichtern.

Interessenkonflikt: Die Autorinnen geben an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Koautorin

Dr. Regina Schmeer-Oetjen
Medizinische Hochschule Hannover, Pflegewissenschaft OE 3010

Kontakt

Brit Rebentisch-Krummhaar
Medizinische Hochschule Hannover; Pflegewissenschaft OE 3010; Carl-Neuberg-Str. 1; 30625 Hannover

Foto: Gabriele Legros

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