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Berufliche Auslandsreisen

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Business trips abroad – risk assessment, occupational health care and psychological stress in an international context

Business travel abroad can present specific risks. These risks must be assessed from a somatic, psychological, infectious disease, and healthcare system perspective. The legal framework in Germany is clearly defined by a number of specific regulations. International frameworks, such as the ISO 31030 guideline, provide additional professional guidance. Company occupational health advisors will need a comprehensive overview on these regulations.

Berufliche Auslandsreisen – Gefährdungsbeurteilung, ­arbeitsmedizinische Vorsorge und psychische Belas­tungen im internationalen Kontext

Berufliche Auslandsreisen können besondere Gefährdungen darstellen. Diese Gefährdungen müssen beurteilt werden, aus somatischer, infektiologischer und Gesundheitssystem-Sicht. Die gesetzlichen Grundlagen sind in Deutschland mit der EU-Direktive 89/391/EWG, dem Arbeitsschutzgesetz und der Arbeitsmedizinischen Vorsorge klar. Internationale Grundlagen, wie die ISO31030 Leitlinie, nennen weitere fachliche Prämissen.

Kernaussagen

  • Berufliche Reisen und Auslandseinsätze stellen ein besonderes Risiko im Arbeitsumfeld dar.
  • Häufig werden nur infektiologische Risiken betrachtet.
  • Psychologische Aspekte, die Struktur des Gesundheitswesens und des Rettungsdienstes am Zielort sowie die Verkehrssicherheit stellen aber fast größere Risiken dar. Besondere Beachtung muss auch die kardiovaskuläre Gesundheit der Reisenden finden.
  • Viele medizinisch begründeten Evakuierungen finden nach Verkehrsunfällen und Herzinfarkten statt.
  • Die Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung beschreibt die Vorsorge in Bezug auf den ein­zelnen Reisenden, betriebsärztliche Beratung muss aber auch die Fürsorgepflicht des Arbeit­gebers im Ganzen umfassen.

Einleitung

Die zunehmende Internationalisierung wirtschaftlicher Aktivitäten deutscher Unternehmen führt zu einer signifikanten Zunahme beruflich veranlasster Auslandsreisen. Mitarbeitende werden in unterschiedlichste Regionen mit teils erheblich divergierenden Umwelt-, Sicherheits- und Arbeitsbedingungen entsandt. Je nach Größe der Unternehmen sind die Vorbereitungen zu solchen Reisen sehr unterschiedlich. Während große und sehr große internationale Unternehmen ihren Mitarbeitenden vor solchen Reisen oft detaillierte Unterweisungen, Trainings und umfangreiche Informationen zum Zielort zur Verfügung stellen, fordern andere Unternehmen ihre Beschäftigten oft sehr unvorbereitet und unerwartet innerhalb weniger Tage zu Dienstreisen auf.

Vor diesem Hintergrund gewinnt der Hinweis auf eine systematische und korrekt durchgeführte Gefährdungsbeurteilung zu den Risiken einer beruflichen Reise je nach Zielort sowie die Sicherstellung notwendiger und sinnvoller präventiver Maßnahmen zur Absicherung der physischen und psychischen Gesundheit an Bedeutung.

Gefährdungsbeurteilung bei beruflichen Auslandsreisen

Die Gefährdungsbeurteilung ist gemäß EU-Direktive 89/391/EWG und ihren §§ 6 und 9 sowie dem daraus in Deutschland resultierenden § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) verpflichtend und umfasst alle arbeitsbedingten Gefährdungen, einschließlich solcher im Ausland. Genau wie Hitze, Lärm, Staub und Schadstoffe am inländischen Arbeitsplatz beurteilt werden müssen, gilt dies auch für Gefährdungen einer beruflichen Auslandsreise. Im internationalen Umfeld konkretisiert seit 2021 auch die Leitlinie ISO 31030 der International Standardisation Organisation (ISO) die Anforderungen an ein strukturiertes Reiserisikomanagement.

Typische Gefährdungen bei beruflichen Reisen umfassen biologische (Infektionen), physische (Unfälle, Verletzungen, Klima), sicherheitsbezogene (Überfälle, Kriminalität, Gewalt) sowie psychische Belastungen, die häufig gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken. Auch ein fehlendes Rettungssystem und schlechte medizinische Infrastruktur sowie fehlender Zugang zu Arzneimitteln kann eine Gefährdung darstellen. Die fachlichen Grundlagen hierfür sind vielfältig, mannigfaltig und oft für kleine und mittelständische Unternehmen schwer zu überschauen und in ihrer Komplexität zu erfassen.

Arbeitsmedizinische Vorsorge bei klimatischen Belastungen

Die betriebsärztliche Betreuung von Unternehmen sollte daher die Unternehmensführung auf Gefährdungen im Zusammenhang mit beruflichen Reisen hinweisen und die Sicherstellung von Gegenmaßnahmen zur Reduzierung von Risiken unterstützen. Für die individuelle Betreuung der Reisenden selbst gibt die Arbeitsmedizinische Vor­sorgeverordnung Hinweise und schreibt die sogenannte Pflichtvorsorge bei Reisen in Länder mit besonderen hygienischen und klimatischen Bedingungen vor.

Relevante Faktoren sind Hitze, Kälte, ­UV-Strahlung, Höhenlage sowie Luftqualität. Die Vorsorge umfasst Beratung und Aufklärung und bei Bedarf auch weitere Untersuchungen. Auch kann die Bereitstellung und Verabreichung von Schutzimpfungen dazu gehören.

Immer wieder wird diskutiert, welche Länder bei beruflichen Reisen dorthin eine Arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge auslösen. Die von der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) und International SOS ausgearbeitete und publizierte sogenannte „Länderliste“ unterstützt Unternehmen dabei, Vorsorge- und Impfanforderungen bei beruflichen Reisen korrekt einzuschätzen. Sie ist kostenlos im Internet verfügbar (s. Online-Quellen).

Physische und psychische Belas­tungen im internationalen Kontext

Auf die physischen und infektiologischen Belastungen und Risiken im Zusammenhang mit beruflichen Reisen wird in diesem Heft in mehreren Artikeln verwiesen. Internationale Einsätze sind aber auch mit besonderen psychischen Belastungen verbunden, darunter Unsicherheit, Angst, Informationsmangel oder -überlastung, soziale Isolation und ­interkulturelle Herausforderungen. Hierauf hat nicht zuletzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hingewiesen.

Diese können sich in Stressreaktionen, Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit äußern und stellen sowohl für Mitarbeitende als auch Unternehmen ein relevantes Risiko dar. International SOS erlebt nicht selten, dass berufliche Reisen wegen psychischer Probleme abgebrochen werden müssen, oftmals auch als Folge mangelnder Vorbereitung. Für kleine und mittelständische Unternehmen ohne entsprechende Inhouse-Kapazität können sowohl die physische als auch die psychische Gefährdungsbeurteilung eine fachliche Herausforderung darstellen. Zusammen mit Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen der Arbeitsmedizin und des Arbeitsschutzes hat International SOS dazu Leitfäden entwickelt, die fachliche Unterstützung und Checklisten anbieten (s. Online-Quellen).

Integration in die Gefährdungs­beurteilung

Während die oben erwähnte Trennung physischer und psychischer Gefährdungen historisch und didaktisch begründet ist, integriert eine moderne Gefährdungsbeurteilung physische, psychische und klimatische Faktoren. Präventionsmaßnahmen umfassen Trainings, Akklimatisation, psychologische Unterstützung, arbeitsmedizinische Vorsorge, klare Kommunikationsstrukturen und die Bereitstellung einer rund um die Uhr verfügbaren Hotline für alle medizinischen und sicherheitsrelevanten Probleme während der Reise.

Rolle des Unternehmens

Unternehmen haben bei beruflichen Reisen eine erweiterte Fürsorgepflicht, da die Mitarbeitenden sich aus ihrem gewohnten Umfeld herausbewegen müssen. Diese umfasst die Risikoaufklärung und Ermittlung der zu erwartenden Gefährdungen und Schutzmaßnahmen. Vor allem müssen aber auch die medizinische Versorgung am Zielort und die Verfügbarkeit eines Rettungssystems evaluiert werden. Viele Länder der Welt haben überhaupt kein öffentliches oder privates Rettungssystem (➥ Abb. 1).

Die Reiserichtlinien der Unternehmen sollten die Aspekte Gefährdungsbeurteilung, Training, Unterweisung und Vorsorge vor Auslandsreisen umfassen. Auch wird in der modernen Welt mit all ihren Kommunikationsmöglichkeiten erwartet, dass beruflich Reisenden rund um die Uhr eine Hotline (medizinische und sicherheitsrelevante Assistance) zur Verfügung steht, die bei entsprechenden Problemen helfen kann, sowie ein funktionierendes Krisenmanagement mit klaren Zuständigkeiten und schneller Reaktionsfähigkeit innerhalb des Unternehmens (➥ Abb. 2).

Fazit

Berufliche Auslandsreisen sind mit komplexen Gefährdungen verbunden. Diese umfassen physische und psychische Risiken.

Eine integrative Gefährdungsbeurteilung sowie Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge sind entscheidend, um Sicherheit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit nachhaltig zu gewährleisten. Die betriebsärztlichen Dienste der Unternehmen müssen sowohl die Unternehmensführung hinsichtlich der Gefährdungen bei beruflichen Reisen beraten als auch den Reisenden selbst je nach Destination arbeitsmedizinische Vorsorge zur Verfügung stellen.

Leitfäden und ISO-Richtlinien können dabei sehr praxisnah und pragmatisch unterstützen.

Interessenkonflikt: Der Autor gibt an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Literatur

Eßer S: Risikomanagement im Kontext beruflicher Auslandsaufenthalte. Arbeit und Arbeitsrecht 2024; 2: 38–39. https://www.arbeit-und-arbeitsrecht.de/sites/default/files/public/data-… (abgerufen am 24.04.2026)

Online-Quellen

European Union (EU):Direktive 98/391
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/ALL/?uri=celex%3A31989L0391

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchutzG): §5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen
https://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/__5.html

Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV)
https://www.gesetze-im-internet.de/arbmedvv/

International Organization for Standardization: ISO 31030: Travel risk management (nur teilweise frei zugänglich). 2021
https://www.iso.org/obp/ui/#iso:std:iso:31030:ed-1:v1:en

World Health Organization (WHO): Guidelines on mental health at work. Genf: WHO, 2022.
https://www.who.int/publications/i/item/9789240053052

Länderliste zur arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Auslandsreisen – frisch aktualisiert
https://www.internationalsos.de/insights/arbeitsmedizinische-vorsorge

Gefährdungsbeurteilung für berufliche Auslandsaufenthalte gemäß ISO 31030 Travel Risk Management
https://www.internationalsos.de/insights/leitfaden-gefaehrdungsbeurteil…

Leitfaden zur Beurteilung psychischer Belastungen im internationalen Umfeld
https://www.internationalsos.de/insights/gefaehrdungsbeurteilung-psychi…

Abb. 2:  Moderne Assistance Center können rund um die Uhr Reisende unterstützen

Foto: International SOS

Abb. 2: Moderne Assistance Center können rund um die Uhr Reisende unterstützen

Kontakt

Dr. med. Stefan Eßer, M.P.H.
Regional Medical Director International SOS Deutschland und Zentraleuropa
Stefan.esser@­internationalsos.com

Foto: privat

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