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Digitale Prävention und Gesundheitsförderung

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Das aktuelle Schwerpunktheft präsentiert Projekte, die aktuellen Herausforderungen begegnen und unpopuläre, zeitintensive Routinen automatisieren – unter anderem Dokumentation, Terminerinnerungen und standardisierte Auskünfte. Dadurch kann Fachpersonal sich stärker auf komplexe Aufgaben und Versorgungsschwerpunkte fokussieren. Die Beiträge zeigen, dass Digitalisierung nicht nur Defizite kompensieren, sondern die Versorgungsqualität prospektiv erhöhen kann.

Auch aus Patientensicht eröffnen sich Perspektiven: Robotische Systeme könnten mehr Zeit für Anliegen von Patientinnen und Patienten schaffen und als individuell zugewiesene Ansprechpersonen dienen. Automatisierte Verfahren adressieren zunehmend differenzierte Bedürfnisse in Prävention und Intervention. Vor dem Hintergrund demografischer und ökonomischer Trends erscheint ein strategischer Ausbau digitaler Infrastruktur zentral. Voraussetzungen, die notwendigen Veränderungen einzuleiten, sind vorhanden.

Markus Frühwein richtet in seinem Artikel den Blick auf die Impfprävention und zeigt auf, wie digitalisierte Prozesse bestehende Abläufe nicht nur vereinfachen, sondern qualitativ weiterentwickeln können. Der Einsatz digitaler Impfpässe, automatisierter Terminerinnerungen und effizienter Dokumentationssysteme führt in verschiedenen Studien zu einer Verbesserung der Durchimpfungsraten, einer spürbaren Reduktion organisatorischer Aufwände und einer deutlichen Zeitent­lastung sowohl für Gesundheitsfachkräfte als auch für Patientinnen und Patienten.

Ein weiterer Themenschwerpunkt liegt auf dem Einsatz sozial assistiver Technologien. Claude Toussaint beleuchtet die Entwicklung rund um den Pflegebegleiter „Navel“, einen sozialen Roboter, der sowohl verbal als auch nonverbal kommunizieren und dabei einfache Routineaufgaben in der Pflege übernehmen kann. In verschiedenen Studien stellt der Autor vor, wie Navel bereits heute das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten fördert, indem der Roboter zum Beispiel die kognitiven Fähigkeiten bei Menschen mit Demenz verbessert. Der Beitrag eröffnet zudem Perspektiven für den Einsatz solcher Systeme in weiteren sozialen Kontexten wie Schulen und Kindertagesstätten und zeigt damit, wie breit das Spektrum potenzieller Einsatzfelder bereits heute ist.

Chris Maaß und Annie Werner stellen in ihrem Forschungsprojekt KI-GesKom vor, wie KI bei der Aufbereitung wissenschaftlicher Texte in einfacher Sprache helfen kann. In dem Projekt, das in Kooperation mit dem Wort & Bild Verlag entwickelt wurde, wurden verschiedene KI-Modelle und menschliches Fachpersonal dabei verglichen, medizinische Fachtexte in Laiensprache zu übersetzen und dadurch adressatengerechter und barriereärmer zu machen. Eine zentrale Herausforderung stellt dabei die Einhaltung der Genauigkeit dar, in der KI-Modelle immer noch viel Verbesserungsbedarf zeigen.

Florian Götting, Thomas Liebe und Martin Walter präsentieren den smarten Stress Coach „CELLO“. Auf Grundlage etablierter Smartwatch-Technologien soll CELLO einen Beitrag zur psychischen Gesundheitsförderung leisten, indem Belastungsmuster frühzeitig erkannt und personalisierte Hinweise zur Stressreduktion gegeben werden. Damit erweitert das System das Spektrum digitaler Gesundheitsanwendungen.

Die Beiträge dieser Ausgabe machen deutlich, dass digitale Innovationen in der Gesundheitsversorgung längst keine Zukunftsvision mehr sind, sondern die Versorgungspraxis bereits heute prägen. Gleichzeitig wird sichtbar, dass eine sorgfältige wissenschaftliche und ethische Begleitung unabdingbar bleibt, um Nutzenpotenziale sicher auszuschöpfen und Risiken zu begrenzen. Die vorgestellten Arbeiten geben hierfür wichtige Impulse und zeigen Wege auf, wie digitale Lösungen zu einer gesundheitsförderlichen und verantwortungsvoll gestalteten Versorgung beitragen können.

Ihre Susanne Völter-Mahlknecht

Institut für Arbeits-, Sozial- und Präventivmedizin
Universitätsmedizin Göttingen

Prof. Dr. med. Susanne Völter-Mahlknecht

Foto: Scherer/DGAUM

Prof. Dr. med. Susanne Völter-Mahlknecht

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