Arbeitsmedizinische Vorsorge bei Belastungen des Muskel-Skelett-Systems
Teil 1: Zielstellungen, Konzeption und Anamnese

Untersuchungen des Muskel-Skelett-Systems haben sich auf Grund des gewandelten Aufgabenprofils als medizinischer Fachberater und Case-Manager in einem betrieblichen Gesundheitsmanagement zunehmend zu einer wichtigen Arbeitsaufgabe des Betriebsarztes entwickelt. Dem muss durch eine Strategie der Arbeitsplatzbeurteilung und Anamnese, durch gestufte Verfahren der medizinischen Diagnostik gemäß dem Handlungsrahmen des Betriebsarztes und durch Vereinbarungen über die Ziele und Inhalte der abzuleitenden arbeitsmedizinischen Beratung entsprochen werden. Die Aufgabe des Betriebsarztes grenzt sich gegenüber den klinischen Fachdisziplinen durch ihren präventiven und belastungsorientierten Ansatz teilweise ab. Beschäftigte und Unternehmen erwarten Beurteilungen, Empfehlungen und Hilfen, die der Erhaltung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit dienen. Dazu müssen gesundheitliche Defizite mit drohendem Funktionsverlust erkannt werden, wenn der Beschäftigte ggf. noch keinen behandelnden Kassenarzt aufsuchen würde; bei Funktionsstörungen und Erkrankungen muss geklärt werden, inwieweit sie durch präventive Maßnahmen stabilisiert bzw. geheilt werden können, und bei erkannten Erkrankungen müssen berufliche Ursachen und Konsequenzen bezüglich der Belastbarkeit am Arbeitsplatz abgeleitet werden. Die Anamnese dient auch dazu, Befindlichkeitsstörungen und psychosoziale Störungen, die z. B. durch Schmerzen in das Muskel-Skelett-System hineinprojiziert werden, gegenüber somatischen Störungen abzugrenzen und damit zielgerichtete Maßnahmen abzuleiten. Die Untersuchung soll zwar keine schwerwiegenden Erkrankungen übersehen, sich aber v. a. auf die häufigsten Funktionsstörungen richten. Im Rahmen eines Konzepts für die arbeitsmedizinische Beurteilung des Muskel-Skelett-Systems wird in dieser Publikation die empfohlene Anamnese vorgestellt. Sie orientiert sich an Standards umfangreicherer Erhebungsinstrumente und ist in drei Teilen aufgebaut: Eine selbst ausgefüllte eigene Anamnese wird bei Auffälligkeiten durch eine ärztliche Anamnese ergänzt. Bei Erfordernis werden zusätzlich Angaben zu vibrationsspezifischen Symptomen der Arme und Hände erhoben.
As a result of the changed profile of the occupational physician to that of medical advisor and case manager within the field of company health management, examination of the musculoskeletal system has become an increasingly important task. It must be backed up by a strategy of workplace evaluation and anamnesis, graded medical diagnostic procedures in accordance with the activities of the occupational physician and agreements about the aims and content of the resulting occupational-medical advice. The task of the occupational physician differs somewhat from that of the clinical disciplines as a result of its preventive and exposure-oriented basis. Employees and companies expect assessments, recommendations and assistance which help to maintain working and earning capacity. Health deficits with a threatened loss of function must be recognised even when the employee might not yet consult his GP, and the extent to which functional disturbances and disease can be stabilised or healed by preventive measures must be clarified. In the case of recognised diseases, the occupational origins and consequences at the workplace must be evaluated. The anamnesis also serves to distinguish between disturbances in well-being and psychosocial disturbances, which e.g. as a result of pain are projected onto the musculoskeletal system, and somatic disturbances, and thus to develop specific measures of intervention. The examination should not ignore any severe diseases, but should concentrate in particular on the most frequent functional disturbances. A recommended anamnesis is presented in this publication as part of a concept for the occupational-medical assessment of the musculoskeletal system. It is based on the standards used in comprehensive anamnestic instruments and is divided into three sections: the anamnesis filled in by the patient is supplemented by a medical anamnesis if there are discrepancies. If necessary, additional data regarding vibration-specific symptoms of the arms and hands are collected.

Downloads:

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

ASU-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den ASU-Newsletter kostenlos abonnieren:

ASU-Jobbörse

An der richtigen Stelle suchen. Bei der reichweitenstärksten Stellenbörse für die Arbeitsmedizin.

Zur Jobbörse

Kostenloses Probe-Abo

Die aktuelle Ausgabe

Gratis
Probe-Lesen

Jetzt kostenlos testen

Testen Sie unverbindlich zwei Ausgaben „ASU –Arbeitsmedizin | Sozialmedizin | Umweltmedizin“