Trendwende bei der Bewertung des Regierungshandelns: Relative Mehrheit fordert mehr Einsatz für Klimaschutz. Sind Hitzewellen nur ein Problem für wenige? Nein. 83 Prozent der Menschen in Deutschland berichten von mindestens einer gesundheitlichen oder alltäglichen Beeinträchtigung durch die Hitze der vergangenen Wochen. Darunter junge und ältere, vorerkrankte und gesunde, Menschen in der Stadt und auf dem Land. Alle bekamen die hohen Temperaturen zu spüren. Nur 17 Prozent beklagt keinerlei Auswirkungen in den Hitzewellen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts pollytix im Auftrag der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen (GEGM). Besonders häufig: Erschöpfung, körperlichem Unwohlsein und starke Schlafprobleme in den tropischen Nächten.
Ein weiteres Ergebnis: Mehr Menschen machen sich Sorgen vor den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels. Eine deutliche und parteiübergreifende Mehrheit hält die Anstrengungen der Bundesregierung beim Hitzeschutz für unzureichend. Die Ergebnisse im Einzelnen:
Hitze beeinträchtig Gesundheit und Produktivität
83 Prozent der Befragten berichten von mindestens einer gesundheitlichen oder alltäglichen Beeinträchtigung durch die Hitze der vergangenen Wochen. Neben Schlafproblemen und Erschöpfung (56 Prozent) nennen 38 Prozent Einschränkungen der Freizeitgestaltung, 36 Prozent geringere Produktivität und Konzentration bei der Arbeit – unter den unter 40-Jährigen sogar 46 Prozent. Jede fünfte befragte Person (20 Prozent) berichtet von Herz-Kreislauf-Problemen.
Sorge vor wirtschaftlichen Klimafolgen wächst deutlich
79 Prozent der Wahlberechtigten sorgen sich vor wirtschaftlichen Schäden durch gestörte Handelswege infolge des Klimawandels – ein Anstieg um 11 Prozentpunkte seit August/September 2025. Bemerkenswert: Der Anstieg fällt bei CDU/CSU- (+13) und AfD-Wählenden (+14) sogar noch deutlicher aus als im Bevölkerungsdurchschnitt (+11). Auch die Sorge vor einer Häufung von Hitzewellen (81 Prozent, +6) und vor Dürre und Wasserknappheit (82 Prozent, +4) ist spürbar gestiegen.
Mehrheit hält Regierungshandeln für unzureichend
64 Prozent der Befragten bewerten die Anstrengungen der Bundesregierung beim Schutz der Bevölkerung vor Hitze als zu gering – diese Einschätzung teilt eine Mehrheit über alle Parteigrenzen hinweg. Bei der Bewertung der Klimaschutzanstrengungen der Bundesregierung gibt es eine beachtliche Trendwende: 46 Prozent erachten die Anstrengungen als zu gering, ein Anstieg um 9 Prozentpunkte im Vergleich zu Juni 2026. Nur noch 31 Prozent und damit 10 Prozentpunkte weniger als im Juni 2026 halten die Anstrengungen für zu groß.
Stimmen zur Umfrage
Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Wissenschaftsjournalist und Gründer der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen: „Früher hat man sich auf den Sommer gefreut, heute freut man sich, wenn er endlich vorbei ist. Wir beklagen dieses Jahr in Deutschland laut Robert-Koch-Institut über 15.800 Hitzetote. Das sind alles Menschen, die vorzeitig versterben, weil wir sie nicht ausreichend schützen, rechtzeitig erkennen und behandeln. Hitze ist so gefährlich, weil sie „unsichtbar“ Menschen überall gleichzeitig belastet, lähmt und tötet. Hitze geht an die Substanz, auch bei gesunden Menschen die unsere Gesellschaft zusammenhalten wie Polizei, Feuerwehr, Landwirte, ambulante Pflegekräfte und Rettungsdienste. Da kann keiner ins Homeoffice. Unsere Aufgabe ist klar: Emissionen senken, den Hitzeschutz als Gesundheitsschutz ernst nehmen und Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas so ausstatten, dass sich dies Katastrophe nicht wiederholt. Die Umfrage zeigt: die Menschen haben das verstanden und wollen jetzt von den politisch Verantwortlichen in Bund, Land und Kommunen Taten sehen.“
Kerstin Blum, Geschäftsführerin der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen: „Der Klimawandel ist das größte Gesundheitsrisiko des 21. Jahrhunderts. Was bisher wie eine Prophezeiung klang, ist jetzt die nüchterne Beschreibung unserer Realität. Tausende Menschen sind durch die Hitzewelle gestorben, die Dürre vernichtet Ernten und Menschen leiden unter dem stark gesundheitsschädlichen Rauch der Waldbrände. Wir brauchen Klimaschutz als Gesundheitsschutz und ein Gesundheitswesen, das auf kommende Hitzewellen und Extremwetterereignisse vorbereitet ist.“
Rainer Faus, Geschäftsführer pollytix strategic research gmbh: „Vor allem Sorgen vor wirtschaftlichen Schäden durch gestörte Handelswege infolge von Klimawandelfolgen haben seit diesem Sommer deutlich zugenommen, besonders stark unter Wähler:innen der CDU/CSU und der AfD. Für die Zukunft wird von den Wähler:innen aller Parteien (außer AfD) mehrheitlich beides gewünscht: sowohl die Bekämpfung des Klimawandels als auch die Anpassung an die Folgen."
Über die Umfrage
- Auftraggeberin: Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen gGmbH; Durchführung: pollytix strategic research gmbh
- Erhebungszeitraum: 12.–17.08.2026; Methode: repräsentative bundesweite Online-Befragung
- Stichprobe: n = 1.276 Wahlberechtigte in Deutschland ab 18 Jahren, gemäß amtlicher Statistik gewichtet
- Fehlertoleranz: max. +/– 2,8 Prozentpunkte bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall