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Arbeitshistorische Fundstücke (Teil 3)

Work history artifacts (Part 3): Cologne Cathedral

Numerous museums provide extensive insight into the history of work environment and occupational safety and health. Sometimes, however, historical work equipment can still be found at its original place. There, it usually remains hidden from visitors, even in popular tourist destinations. Three such very different “hidden places” were presented in a series in ASU: The Königspesel on Hallig Hooge, a private villa in Großhansdorf and – as a final example for now – Cologne Cathedral.

Arbeitshistorische Fundstücke (Teil 3): Der Dom zu Köln

Zahlreiche Museen geben einen umfassenden Einblick in die Historie des Arbeitslebens und des Arbeitsschutzes. Manche Zeugnisse vergangener Arbeitswelten finden sich aber auch unverändert an ihren originalen Standorten. Dort bleiben sie selbst an touristisch viel besuchten Orten den Besuchern meist verborgen. Drei derartige, sehr unterschiedliche „Hidden Places“ wurden in einer Serie in der ASU vorgestellt: Der Königspesel auf Hallig Hooge, eine Privatvilla in Großhansdorf und – als vorerst letztes Beispiel – der Dom zu Köln.

Seit Jahrhunderten prägt der Dom als Wahrzeichen Kölns das Panorama der Stadt. Das Unesco-Welterbe gilt als eine der weltweit bekanntesten gotischen Kathedralen (➥ Abb. 1 und ➥ Abb. 2).

Jährlich besuchen etwa sechs Millionen Menschen den Dom [3] und lassen sich nicht nur von der imposanten Architektur und Größe des Bauwerks beeindrucken, sondern besichtigen auch zahlreiche sakrale Kunstschätze, insbesondere den Drei­königsschrein oder die wertvollen Reliquiare und liturgischen Geräte in der Domschatzkammer.

Eine Domschatzkammer der anderen Art befindet sich auf dem Dachboden des Doms, wo sie den meisten Besucherinnen und Besuchern nicht zugänglich ist: In 45 Metern Höhe befinden sich Werkstätten und Depots der Dombauhütte. Während der Dom schon bis zu seiner vorläufigen Fertigstellung 1880 auf eine 600-jährige Bauhistorie zurückblickte [6], bleibt er wegen Schäden durch Krieg, Witterung, Umwelt und Alterung weiterhin eine Dauerbaustelle. So haben sich unter dem Dach des Doms im Laufe der verschiedenen Bauphasen zahlreiche histo­rische Arbeitsgeräte angesammelt, von denen nachfolgend einige beschrieben werden.

Bandsäge

Die Bandsäge wurde von der „Maschinenbauanstalt Kirchner & Co. Aktiengesellschaft Leipzig“ hergestellt [4], die bereits in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts jährlich über 10.000 Holzbearbeitungsmaschinen produziert hat und mit ihren ca. 1000 Beschäftigten weltweit aktiv war (➥ Abb. 3).

Die Bandsäge dürfte weitgehend der „durch motorische Kraft zu bewegende[n] gesetzlich geschützte[n] Tischler-Bandsäge nach Modell HNA“ entsprechen, wie sie in verschiedenen Varianten im „Haupt-Katalog“ des Herstellers aus dem Jahr 1911 angeboten wird [2]. Darin ist ein „Protokoll“ abgedruckt, in dem die Königliche Gewerbe-Inspektion im Jahr 1903 die Wirksamkeit bestimmter Schutzvorrichtungen des Gerätetyps attestiert (➥ Abb. 5). Zwei der sechs Schutzvorkehrungen wurden freilich „extra berechnet“.

Es wird auch angemerkt, dass die Bandsäge trotzdem „ihr gefälliges, schönes Aussehen“ bewahrt. Eine derart ausgestattete Bandsäge könne „ohne weiteres und unter größtmöglichster [sic!] Sicherstellung des sie bedienenden Arbeiters in Gebrauch genommen werden“ [2].

Fahrkörbe

Wenn im Dom kein Gerüst aufgebaut werden konnte, um schwer zugängliche Baustellenabschnitte zu erreichen, wurden die Arbeiten aus Fahrkörben heraus verrichtet, die von oben hinabgelassen wurden [7]. Der hölzerne „Einmannhängestuhl“ wurde an vier Seilen aufgehängt, die mit Kauschen (Metallringe zur Verstärkung eines Seilauges) an eisernen Beschlägen der Eckpfosten befestigt und durch eckige Metallfassungen am oberen Ende der Eckpfosten geführt wurden (Abb. 6). Während Handwerker in diesem Hängestuhl stehend arbeiten mussten, kamen auch „Sitzhängestühle“ zum Einsatz, wie sie weiterent­wickelt auch heute noch beispielsweise als Bootsmannsstuhl genutzt werden. Aus der Sitzfläche sind halbrunde Öffnungen für die Beine ausgespart, an beiden Seiten der Sitzfläche sind Werkzeugkästen montiert (➥ Abb. 7).

Kabelwinde

Über Jahrhunderte mussten „Winden­knechte“ in großen Treträdern, um deren Achse sich das Seil wickelte [6], laufen, um Lasten zu bewegen [8]. Auch der Dom-Baukran, der vom 14. bis in das 19. Jahrhundert die Silhouette Kölns prägte, wurde durch Treträder angetrieben. Eine Erleichterung der erforderlichen körperlichen Arbeit stellten handbetriebene Kabelwinden mit zwei oder drei Getriebestufen dar, die später zum Einsatz kamen (➥ Abb. 8). Für die Kon­struktion der Winden war die Kraft, die zur Betätigung der Kurbel aufzubringen war, ein wesentlicher Faktor. Als das schwerste handbetriebene Hebezeug, das beim Dombau benutzt wurde, gilt die im Jahr 1863 von der Cölnischen Maschinenbau-Actien-­Gesellschaft hergestellte Winde [1].

Wenig später, im Jahr 1869, wurde Menschenkraft beim Dombau erstmals durch Dampfkraft ersetzt. Aus einem Kesselhaus am Fuße des Nordturms wurde der Dampf zu einer Winde in 48 Metern Höhe geleitet [1, 6], um die tonnenschweren Steine in die Höhe zu befördern.

Wasserwagen

Löscheinrichtungen für den Fall eines Dachstuhlbrandes unterlagen in der Geschichte des Dombaus einer fortlaufenden technischen Entwicklung. So wurden im Jahr 1883 zwei Wasserwagen für den Transport von Löschwasser auf dem Dachboden angeschafft (➥ Abb. 9) [7]. Hersteller war die Firma August Hönig in Köln (Inhaber ­August und Fritz Hönig), Kgl. Preuss. Hoflieferant für „Patenti[e]rte Saug- und Druckspritzen, Zubringer, Wasserwagen, Druckspritzen, Ausrüstungen für Feuerwehr“ (➥ Abb. 10) [5].

Der 300 Liter fassende halbrunde Wasserbehälter blieb beim Ziehen und Schieben in der Waage, so dass kein Löschwasser ­verschüttet wurde. Die Wasserwagen wurden aus acht eisernen Fässern befüllt, in denen je 950 Liter Löschwasser bevorratet wurden [7].

Fazit

Der Kölner Dom ist eine weltberühmte Attraktion für Touristen. Für Akteure des Arbeitsschutzes bietet sich auf dem Dachboden der Kathedrale zusätzlich ein Einblick in Technik und Konstruktion des Bauwerks und in die Historie beim Dombau verwendeter Arbeitsgeräte. Für deren Anschaffung waren Arbeitssicherheit und Ergonomie auch im 19. Jahrhundert wesentliche Kriterien.

Interessenkonflikt: Der Autor gibt an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Quellen

[1] Hardering K: Jenseits der Gewölbe. Ein Führer über die Dächer des Kölner Doms. 3. Aufl. Verlag Kölner Dom, 2010, ISBN 978-3-922442-36-6.

[2] Haupt-Katalog der Maschinenbauanstalt Kirchner & Co. Aktiengesellschaft: Repozytorium Politechniki Krakowskiej, https://repozytorium.biblos.pk.edu.pl/resources/35536 (abgerufen 12.08.2025).

[3] Kölner Dom Website: https://www.koelner-dom.de/erleben/der-dom-in-zahlen (abgerufen 11.08.2025).

[4] Museum-digital Sachsen-Anhalt: https://st.museum-digital.de/object/23381 (abgerufen 12.08.2025).

[5] Officieller Katalog für die Allgemeine Deutsche Ausstellung auf dem Gebiete der Hygiene, Gesundheitspflege und Gesundheitstechnik und des Rettungs­wesens. Berlin, 1882, S. 168.
https://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht?PPN=PPN856664472… (abgerufen 06.08.25).

[6] Schneider W: Der Kölner Dom. Wie die Deutschen zu ihrem Weltwunder kamen. Hamburg: Gruner + Jahr, 1991.

[7] Schumacher T: Großbaustelle Kölner Dom. Technik des 19. Jahrhunderts bei der Vollendung einer gotischen Kathedrale. Verlag Kölner Dom, 1993.

[8] Wikipedia.org/wiki/Tretmühle (abgerufen 21.08.2025).

Abb. 2:  Langhaus (Mittelschiff)

Foto: M. Albrod

Abb. 2: Langhaus (Mittelschiff)
Abb. 3:  Bandsäge

Foto: M. Albrod

Abb. 3: Bandsäge
Abb. 4:  Produktionshallen

Foto; Repozytorium Politechniki Krakowskiej

Abb. 4: Produktionshallen
Abb. 5:  Sicherheitszertifikat

Foto; Repozytorium Politechniki Krakowskiej

Abb. 5: Sicherheitszertifikat
Abb. 6:  Hängestuhl

Foto: M. Albrod

Abb. 6: Hängestuhl
Abb. 7:  Sitzhängestuhl

Foto: M. Albrod

Abb. 7: Sitzhängestuhl
Abb. 8:  Kabelwinde

Foto: M. Bastgen

Abb. 8: Kabelwinde
Abb. 9:  Wasserwagen

Foto: M. Albrod

Abb. 9: Wasserwagen
Abb. 10:  Hersteller

Foto: M. Albrod

Abb. 10: Hersteller

Kontakt

Dr. med. Manfred Albrod

Foto: privat

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