Die neue Studie geht über klassische Erklärungsansätze wie Einkommen, Parteipräferenz oder Sachwissen hinaus und beleuchtet die Rolle der moralischen Orientierung. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit einer stärker universalistischen Ausrichtung – wonach moralische Pflichten nicht nur für den engeren sozialen Kreis sondern für alle Individuen gleichermaßen gelten – ehrgeizige Klimamaßnahmen eher unterstützen. Das EPoS Economic Research Center der Universitäten Bonn und Mannheim veröffentlicht die Ergebnisse im Diskussionspapier „Morality and Climate Policy Attitudes“.
„In unserer Umfrage ordnen wir die moralische Orientierung der Teilnehmer zwischen zwei Polen ein“, sagt Florian Zimmermann vom EPoS Economic Research Center. „Für universalistisch denkende Menschen gelten moralische Pflichten für alle – nicht nur für diejenigen, die uns nahestehen, wie unsere Familie oder Nation. Am gegenüberliegenden Pol sind die sogenannten ‚Partikularisten‘. Sie geben der eigenen Gruppe moralisch eher den Vorrang.“
Zentrale Ergebnisse für den Klimaschutz
Die moralische Orientierung verknüpfen die Forscher anschließend mit den Ansichten zu bestimmten Klimamaßnahmen. Die Ergebnisse zeigen: Menschen, die eher universalistisch denken, neigen mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit dazu, konkrete klimapolitische Maßnahmen zu unterstützen. Dazu zählen beispielsweise eine nationale CO₂-Steuer oder ein Programm für grüne Infrastruktur. Dieses Ergebnis zeigt sich selbst dann, wenn Faktoren wie Einkommen, Parteizugehörigkeit oder Skepsis gegenüber dem Klimawandel herausgerechnet werden. Die Forscher schließen daraus, dass die moralische Vorstellung offenbar ein eigener wichtiger Faktor ist.
Grenzen des „Wir“ beim Klimaschutz
In der Umfrage war die Gruppe der Partikularisten weniger bereit, konkrete klimapolitische Maßnahmen zu unterstützen. Diese Teilnehmer nutzten in ihren schriftlichen Erklärungen überproportional häufig gruppen- oder ortsbezogene Argumente. Beispielsweise würden sie Hilfen für das eigene Land gegenüber Menschen in anderen Ländern priorisieren. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Einstellungen zur Klimapolitik nicht nur eine Frage von wirtschaftlichen Eigeninteressen oder Informationslücken sind – sie sind zum Teil in der moralischen Weltanschauung der Menschen verankert“, sagt Florian Zimmermann.
Allgemeine vs. konkrete Unterstützung für Klimaschutz
„Unsere Untersuchung bestätigt zudem das Muster, wonach die allgemeine Zustimmung zum ‚Kampf gegen den Klimawandel‘ zwar hoch ist, aber deutlich abnimmt, wenn es um die konkreten Maßnahmen geht“, ergänzt Prof. Zimmermann. „Politische Entscheidungsträger sollten diese Kluft berücksichtigen.“
Über die Umfrage
Die Forscher befragten rund 1.300 erwachsene US-Bürger über den Online-Umfrageanbieter Prolific. Die Stichprobe war hinsichtlich Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit auf die US-Bevölkerung zugeschnitten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden zu ihren Einstellungen zum Universalismus und ihrer Unterstützung für bestimmte klimapolitische Maßnahmen befragt. Sie lösten außerdem so genannte „Who should pay-Aufgaben“. Nach jeder Entscheidung erläuterten die Teilnehmer ihre Gründe in eigenen Worten.