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Biodiversität in Textilstandards stärken: Neuer Leitfaden mit Fokus auf Pflanzenfasern

Wie freiwillige Standards dazu beitragen können, Biodiversität wirksamer zu schützen, zeigt eine neue Publikation des Projekts „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ mit Fokus auf Pflanzenfasern – der „Easy Guide: Biodiversitätskriterien in Standards der Textil- und Bekleidungsindustrie“. Die Publikation wurde vom Global Nature Fund und der Bodensee-Stiftung erarbeitet. Sie analysiert erstmals systematisch, wie Biodiversität bislang in relevanten Textilstandards und -zertifizierungen berücksichtigt wird und zeigt konkrete Ansatzpunkte auf, wie bestehende Systeme weiterentwickelt und wirksamer gestaltet werden können.

Biodiversitätskriterien in Textilstandards: Status quo und Handlungsfelder
Die Textil- und Modebranche zählt zu den weltweit bedeutenden Treibern des Biodiversitätsverlusts. Gleichzeitig ist sie in hohem Maße auf intakte Ökosysteme und natürliche Ressourcen angewiesen. Besonders in der Rohstoffproduktion, insbesondere beim Anbau von Baumwolle, bestehen erhebliche Biodiversitätsrisiken, etwa durch intensive Landnutzung, hohen Wasser- und Chemikalieneinsatz und die Lage vieler Anbaugebiete in Biodiversitäts-Hotspots.

Viele Unternehmen setzen deswegen auf freiwillige Nachhaltigkeitsstandards, um Umwelt- und Sorgfaltspflichten entlang ihrer Lieferketten umzusetzen. Der Leitfaden untersucht neun verbreitete Textilzertifizierungen auf ihre Biodiversitätsrelevanz und zeigt auf, welche Kriterien helfen, Biodiversität künftig strategischer, einheitlicher und wirksamer zu verankern.

Fokus auf Pflanzenfasern: Baumwolle als zentraler Hebel
Der „Easy Guide: Biodiversitätskriterien in Standards der Textil- und Bekleidungsindustrie“ legt den Schwerpunkt auf Pflanzenfasern, insbesondere Baumwolle. Sie sind nach synthetischen Fasern die weltweit zweitwichtigste Textilfaser und zugleich einer der wirkungsvollsten Ansatzpunkte für Unternehmen, Biodiversität entlang ihrer Lieferketten aktiv zu schützen.

Auf Basis der Analyse sowie zahlreicher Fachgespräche und Runder Tische mit Standardorganisationen und Unternehmen gibt die Publikation praxisnahe Empfehlungen für Standardsetzer, zertifizierte Unternehmen und Produktionsbetriebe.

Konkrete Empfehlungen für wirksamere Standards
Zu den zentralen Empfehlungen zählen unter anderem:
• klar definierte Biodiversitätsziele, die überprüft werden,
• die konsequente Anwendung der Vermeidungshierarchie,
• die Einführung von Biodiversitäts-Managementplänen,
• verbesserte Schulungs- und Unterstützungsangebote sowie
• eine stärkere finanzielle Unterstützung der Produzent:innen bei der Umsetzung von Maßnahmen vor Ort.
Ziel ist es, bestehende Standards gezielt weiterzuentwickeln und ihre tatsächliche Wirkung auf die biologische Vielfalt zu erhöhen.

Orientierung unter weiterentwickelten Berichtspflichten
Vor dem Hintergrund neuer und sich weiterentwickelnder Due Diligence, etwa im Rahmen von Lieferkettensorgfaltspflichten oder der CSRD und dem Berichtsstandard ESRS E4, bietet dieser Leitfaden eine fachliche Orientierung und unterstützt dabei, Biodiversität systematisch und glaubwürdig in Beschaffungs- und Nachhaltigkeitsprozesse zu integrieren.
Der Easy Guide versteht sich als praxisorientierter Leitfaden. Er bündelt bestehende Ansätze, denkt sie weiter und macht sie anschlussfähig – für eine Textilwirtschaft, die Biodiversität nicht nur berücksichtigt, sondern aktiv schützt.
Die Publikation richtet sich vorrangig an Standardorganisationen, aber auch Marken, Händler:innen, Auditor:innen und Produktionsbetriebe, und bietet ihnen eine fachlich fundierte Orientierung für die Weiterentwicklung bestehender Systeme.

Der „Easy Guide: Biodiversitätskriterien in Standards der Textil- und Bekleidungsindustrie – mit Fokus auf Pflanzenfasern” kann unter folgendem Link kostenlos heruntergeladen werden: https://www.unternehmen-biologische-vielfalt.de/wp-content/uploads/2026/02/Easy-Guide-Biodiversitaetskriterien-Textilstandards-und-zertifizierungen-2025.pdf