Der leise Confounder – Armut macht krank
Gesundheitliche Ungleichheit in der geburtshilflichen Versorgung

Publikationen mit empirischen Ergebnissen zu gesundheitlichen Ungleichheiten haben in den letzten Jahren an Häufigkeit zugenommen, dennoch fehlen Analysen der Ungleichheitsproblematik in den verschiedenen Versorgungsbereichen der Medizin. Anhand der Inanspruchnahme von Schwangerschaftsvorsorge ging die Untersuchung der Frage nach, ob sich Unterschiede im Vorsorgeverhalten zwischen sozialen Gruppen erkennen lassen und Effekte auf Häufigkeit und Ausmaß von Komplikationen zeigen. Zugrunde lagen die Perinataldaten von Baden-Württemberg (556 948 Geburten, 1998–2003). Angemessene Inanspruchnahme der Schwangerenvorsorge führt zu signifikanten Vorteilen beim Outcome von Mutter und Neugeborenem. Unzureichende Vorsorge war bei psychosozial belasteten Schwangerschaften signifikant häufiger als im Gesamtkollektiv anzutreffen. Für Schwangere mit besonderer sozialer Belastung ergab sich die höchste Risikoerhöhung gegenüber dem Gesamtkollektiv [RR 11,69 (95 % CI 8,77–15,58)]. Das Inanspruchnahmeverhalten entwickelte sich zu Ungunsten psychosozial belasteter und Kollektive mit ungünstigerem Bildungsprofil. Analysen zu Wochenbettkomplikationen und Kaiserschnittentbindungen ergaben Anhalt für eine Zunahme des mütterlichen Risikos, insbesondere für bestimmte Kollektive. Gruppenspezifische Barrieren und Belastungen tragen offenbar dazu bei, dass selbst bei einem standardisierten Versorgungsangebot nicht in jedem Einzelfall eine ausreichende Betreuung erfolgt. Die Identifikation von Ungleichheiten schafft Ansatzpunkte für Interventionen.
Publications with empirical findings on health inequality have become more frequent in recent years, but an analysis of health inequality in the various fields of medicine is still lacking. Focussed on the utilization of antenatal care, the present study has investigated whether differences in preventive behaviour exist between social groups and whether such differences affect the frequency and severity of complications. The database was the Baden-Wuerttemberg perinatal survey (556,948 births, 1998–2003). Appropriate use of antenatal care leads to significant advantages in the outcome for the mother and the newborn child. Inadequate use of antenatal care was encountered significantly more frequently in psychosocially disadvantageous pregnancies. Pregnant women with particular social disadvantages had the highest increase in risk compared with that for the overall group of pregnant women [RR 11.69 (95 % CI 8.77–15.58)]. Lack of utilization of antenatal care had detrimental effects on psychosocially disadvantaged groups and collectives with lower levels of education. Analysis of puerperal complications and caesarean deliveries showed an increase in maternal risk, especially for certain groups. Groupspecific barriers and disadvantages seem to persist and prevent adequate care being provided in individual cases even though standardized medical care is available. The identification of disparities provides access points for intervention.

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