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Work history artifacts (Part 2): A private villa in Großhansdorf
Numerous museums provide extensive insight into the history of work environment and occupational safety and health. Sometimes, however, historical work equipment can still be found at its original place. There, it usually remains hidden from visitors, even in popular tourist destinations. Three such very different “hidden places” will be presented in a series in the next issues of the ASU: The Königspesel on Hallig Hooge, a private villa in Großhansdorf and Cologne Cathedral.
Arbeitshistorische Fundstücke (Teil 2): Eine Privatvilla in Großhansdorf
Zahlreiche Museen geben einen umfassenden Einblick in die Historie des Arbeitslebens und des Arbeitsschutzes. Manche Zeugnisse vergangener Arbeitswelten finden sich aber auch unverändert an ihren originalen Standorten. Dort bleiben sie selbst an touristisch viel besuchten Orten den Besuchern meist verborgen. Drei derartige, sehr unterschiedliche „Hidden Places“ werden in einer Serie in den nächsten Ausgaben der ASU vorgestellt: Der Königspesel auf Hallig Hooge, eine Privatvilla in Großhansdorf und der Dom zu Köln.
Im Nordosten Hamburgs liegt die kleine Waldgemeinde Großhansdorf, in Fachkreisen vielfach als Standort einer renommierten Lungenklinik bekannt. Da in dem Ort Gewerbebetriebe und größere Siedlungen nicht vorhanden sind, wird das Ortsbild neben seinem Waldbestand durch freistehende Einfamilienhäuser geprägt (➥ Abb. 1). So befindet sich hier auch eine unter Denkmalschutz stehende Villa aus dem Jahr 1910, die der Architekt August Nissen, der unter anderem am Bau des Hamburger Bahnhofs beteiligt war, für einen vermögenden Obsthändler erbaut hat (➥ Abb. 2).
Die Villa besticht nicht nur durch ihre Größe mit zwölf Zimmern, sondern vor allem durch ihre Architektur. Gäste beeindruckt besonders die vollständig im Jugendstil erhaltene Innenraumgestaltung mit Stuckdecken, Bibliothek, Keramik-Kacheln, Jugendstil-Fliesen und alten Holzdielen (➥ Abb. 3 und 4) [1].
Die Spitztüte
Selten gelangen Gäste dagegen in einen kleinen Seitenflur, in dem ein fremdartig erscheinender, weiß lackierter Metalltrichter in einer Wandhalterung befestigt ist. Dabei handelt es sich um eine „Spitztüte“ (➥ Abb. 5), wie aufgrund ihrer Form neuartige Feuerlöscher genannt wurden [4], die sich Wilhelm Graaff und Hans Mikorey im Jahr 1904 hatten patentieren lassen (➥ Abb. 6).
Der Feuerlöscher wurde als „ […] ein für den Handgebrauch bestimmter chemischer Feuerlöscher mit Griffhenkel an dem tragbaren Behälter, dessen flüssiger Inhalt durch ein inneres Ausflussrohr und eine Ausspritzdüse hindurch ausgespritzt wird […] “ angemeldet [2] und erhielt nach einem Preisausschreiben der Fabrik-Beschäftigten den Namen Minimax: ein Minimum an Preis, Gewicht und Größe, ein Maximum an Einfachheit und Leistungsfähigkeit [3].
Anders als bei dem Exemplar in der Villa sieht die Patentvorlage einen röhrenförmigen Henkel vor, der gleichzeitig als Leitung für das Löschmittel dient und dafür am vorderen Ende mit der Ausspritzdüse versehen ist (➥ Abb. 7).
Die Handhabung der Spitztüte war denkbar einfach und begünstigte ihre millionenfache Produktion bis 1960. Durch Aufschlagen eines Stoßknopfes auf den Untergrund wurde im Inneren der Spitztüte ein mit Salzsäure gefülltes Glasgefäß zertrümmert. Der Inhalt reagierte mit einer wässrigen Natriumhydrogencarbonat-Salzlösung und in zwei Sekunden erzeugte freiwerdendes Kohlenstoffdioxid einen Überdruck von vier bis fünf Atmosphären. Dieser trieb die Löschflüssigkeit durch die Ausspritzdüse mehrere Meter weit (➥ Abb. 8) [2–4].
Die weiße Lackierung der Spitztüte erklärt sich durch ihre Anbringung in einem privaten Wohnbereich. Jedoch ist auch im gewerblichen Bereich erst seit Einführung der DIN EN 03 im Jahr 1992 die rote Kennfarbe RAL 3001 für Feuerlöscher vorgeschrieben.
Fazit
Mangels rechtlicher Vorschriften für den privaten Wohnbereich hat offenbar eigenes Sicherheitsbewusstsein den Bauherrn veranlasst, die Villa mit einem Feuerlöscher auszustatten. Bemerkenswert ist diese Initiative auch, weil die Spitztüte erst wenige Jahre zuvor auf den Markt gekommen
war.
Interessenkonflikt: Der Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt vorliegt.
Quellen
(1) Lübecker Nachrichten, Stormarn, 16.01.2025: „Nord bei Nordwest“: Das „Nolden-Haus“ steht in Großhansdorf.
(2) Depatisnet, Deutsches Patent- und Markenamt, 1904. https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?action=pdf&docid=DE000… (abgerufen 24.06.2025).
(3) Minimax Mobile Services GmbH Website. https://www.minimax-mobile.com/unternehmen/historie/ (abgerufen 13.08.2025).
(4) Wikipedia, freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Spitzt%C3%BCte_%28Feuerl%C3%B6scher%29 (abgerufen 20.07.2025).
Foto: Manfred Albrod
Foto: Manfred Albrod
Foto: Manfred Albrod
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Quelle: Deutsches Patent- und Markenamt
Quelle: Deutsches Patent- und Markenamt
Foto: Minimax Mobile Services GmbH