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Summer holidays in Germany and Europe: How climate change is changing travel
Tropical infectious agents in Europe, a rapidly changing Alpine region, and the ongoing warming of the Baltic Sea: climate change is transforming the European continent. According to analyses by the EU’s Copernicus Earth
observation programme, Europe has been warming at roughly twice the global average rate since the 1980s. This makes it the fastest-warming continent. This has consequences: travellers within Germany and across Europe must be prepared for new health risks. The German Society for Travel Medicine (DFR) has drawn attention to this.
Sommerurlaub in Deutschland und Europa: Wie der Klimawandel das Reisen verändert
Tropische Infektionserreger in Europa, ein sich rasch verändernder Alpenraum, eine fortschreitende Erwärmung der Ostsee: Der Klimawandel verändert den europäischen Kontinent. Gemäß Auswertungen des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus erwärmt sich Europa seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Er ist damit der sich am schnellsten erwärmende Kontinent. Das hat Auswirkungen: Reisende innerhalb Deutschlands und Europa müssen sich auf neue Gesundheitsrisiken einstellen. Darauf weist die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) hin.
Kernaussagen
- Mückenschutz muss bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich werden wie Sonnenschutz.
- Bei Badeurlauben an Ost- und Nordsee muss die Gefahr von Vibrionen beachtet werden.
- Ein erhöhtes Gefahrenpotenzial besteht beim sommerlichen Bergsteigen im Alpenraum.
- Städtereisen im Sommer sind für Ältere, Kranke und Schwangere riskant.
Mittelmeer-Reisen: Mückenschutz muss so selbstverständlich werden wie Sonnenschutz
Chikungunya-, Dengue-, und West-Nil-Virusinfektionen galten lange als Gesundheitsrisiken der Tropen und Subtropen – inzwischen dringen sie in rascher Geschwindigkeit auch in Europa vor. „Auffällig war im vergangenen Sommer 2025 ein erster Chikungunya-Fall im Elsass – dieser markiert die bislang nördlichste dokumentierte lokale Übertragung von Chikungunya in Europa“, sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Tropenmediziner und Präsident der DFR. „Ob es sich dabei um einen Ausreißer oder einen Vorboten für anhaltende Übertragungen in der Region handelt, ist noch unklar.“ Zurückzuführen ist die Entwicklung auf die rasante Ausbreitung invasiver Stechmückenarten, die als Überträger fungieren – allen voran Aedes albopictus, die Asiatische Tigermücke. Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten CDC ist Aedes albopictus inzwischen in 16 europäischen Ländern und 369 Regionen heimisch – vor einem Jahrzehnt waren es nur 114 Regionen. Das spiegelt sich auch in den Fallzahlen wider: 2025 meldete das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) Rekordzahlen von Chikungunya-Fällen in Frankreich (788 Fälle) und Italien (384 Fälle). Beim West-Nil-Virus verzeichnete das ECDC die vierthöchste jährliche Zahl von Infektionen seit Beginn der Überwachung im Jahr 2008. „Sorgfältiger Mückenschutz als Gesundheitsvorsorge muss vor allem bei Mittelmeerreisen so selbstverständlich werden wie die Verwendung von Sonnencreme zur Vorbeugung von Hautkrebs“, betont Jelinek. Auch wichtig: Reisende sollten sich auch nach der Rückkehr weiter schützen – mindestens 14 Tage lang, wenn sie aus Regionen mit mückenübertragenen Infektionen kommen. Denn Aedes-Mücken kommen bereits in Teilen Deutschlands vor, übertragen hier aber bislang keine Krankheiten. „Nimmt eine Mücke bei einem infizierten Reiserückkehrer das Virus auf, kann es auch innerhalb Deutschlands zu Übertragungen kommen“, so Jelinek.
Badeurlaub an Ost- und Nordsee: Achtung Vibrionen!
Die Ostsee ist eines der sich weltweit am schnellsten erwärmenden Meeresökosysteme. Sie bietet daher ideale Bedingungen für die Verbreitung von Vibrionen. Diese Bakterien bevorzugen einen niedrigen Salzgehalt und vermehren sich bei Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius besonders stark – in langen, heißen Sommern sind diese Bedingungen in immer mehr Bereichen der Ost- und teils auch Nordsee gegeben. Eine längere Badesaison kann zudem die Zeit verlängern, in der vulnerable Menschen mit den Erregern in Kontakt kommen. Vor allem bei älteren Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen können Vibrionen Wundinfektionen und sogar Blutvergiftungen auslösen, wenn sie über kleine Wunden in den Körper eindringen. „Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sollten vor Ort immer auf Vibrionen-Warnungen der lokalen Behörden zu belasteten Küstenabschnitten achten und das Schwimmen dort meiden“, empfiehlt Jelinek. Für gesunde Menschen ist das Risiko einer Vibrionen-Infektion in der Regel gering.
Städtereisen im Sommer: für Ältere, Kranke und Schwangere riskant
In Europäischen Metropolen werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten in den Sommermonaten häufiger extreme Hitzeereignisse auftreten. Durch dichte Bebauung, versiegelte Flächen und wenig Vegetation kommt es zum sogenannten Hitzeinseleffekt: Die Städte heizen stark auf und kühlen nachts wenig herunter. Prognosen zufolge könnten bei den Hauptstädten vor allem Madrid, Valletta, Lefkosia, Ljubljana, Rom, Sofia, Athen, Bukarest, Budapest sowie Zürich zunehmend von erheblichen Hitzeereignissen betroffen sein. Belastend und teils gesundheitsgefährdend ist Hitze vor allem für ältere Menschen sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes, neurologischen Erkrankungen oder eingeschränkter Nierenfunktion. Auch Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder benötigen besonderen Schutz. „Für Risikogruppen kann es sinnvoll sein, Reisezeit und Reiseziel anzupassen, also beliebte Städtereisen außerhalb der Hochsommermonate zu legen“, so Jelinek.
Alpenraum: erhöhtes Gefahrenpotenzial beim sommerlichen Bergsteigen
Das Abschmelzen von Gletschern, das Auftauen von Permafrostböden mit der Folge von instabileren Bergflanken und Felswänden sowie häufigere und intensivere Hitzeperioden oder Starkniederschläge: Die Alpen verändern sich rasant. „Die Verhältnisse in großen Höhen werden insgesamt unberechenbarer, Jahreszeiten folgen weniger dem bekannten Muster früherer Jahrzehnte“, so Jelinek. Dem Deutschen Alpenverein (DAV) zufolge weisen Touren, die üblicherweise im Sommer gemacht wurden, zunehmend nur noch im Frühjahr oder Herbst sichere Verhältnisse auf. Das erfordert von Bergurlaubern eine sorgfältigere Tourenplanung und Risikoabschätzung. Lokale Wetter- und Warninformationen sollten engmaschig verfolgt werden.
„Insgesamt sind Urlaube in Europa auch in Zeiten des Klimawandels mit der richtigen Vorbereitung sehr sicher. Gleichzeitig hat das Reisen selbst eine erhebliche Klima- und Umweltbelastung – deren Folgen vor allem jene tragen, die sich gar keine Reisen leisten können. Urlauber sollten deshalb immer auch überlegen, was sie dazu beitragen können, die Klima- und Umweltbelastung ihrer Reise so gering wie möglich zu halten“, so Jelinek.
Literatur
Khatib AN: Climate change and travel: harmonizing to abate impact. Curr Infect Dis Rep 2023; 25: 77–85. doi:10.1007/s11908-023-00799-4. Epub 2023 Mar 1. PMID: 36987459; PMCID: PMC9975868 (Open Access).
Smid M, Russo S, Costa AC et al.: Ranking European capitals by exposure to heat waves and cold waves. Urban Climate 2019; 27: 388–402. https://doi.org/10.1016/j.uclim.2018.12.010 (Open Access).
Online-Quellen
European Commission: Europe’s warming accelerates beyond global trend, new Copernicus data shows. News-Artikel April 2026
https://defence-industry-space.ec.europa.eu/europes-warming-accelerates…
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): Seasonal surveillance for chikungunya virus disease in the EU/EEA for 2025
https://www.ecdc.europa.eu/en/chikungunya-virus-disease/surveillance-an…
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): Seasonal surveillance in humans and animals in 2025 – West Nile virus infections
www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/Communicable-disease-t…
Robert Koch-Institut (RKI): FAQ zu Nicht-Cholera-Vibrionen. Stand: 01.08.2025
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Vibrionen/FAQ-Liste.html?utm_sour…
Robert Koch-Institut: Vibrionen in Gewässern Deutschlands. Epid Bull 27/2025
https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/12804/EB-27-2025_10-25646-1…
Deutscher Alpenverein DAV. Veränderte Bedingungen in den Alpen. Juli 2023
https://www.alpenverein.de/artikel/klimawandel-bedingungen-in-den-alpen…
Checkliste
Europa-Reisen im Klimawandel
- Vor Reisen Standard- und ggf Reiseimpfungen auffrischen lassen
- Auf sorgfältigen Mückenschutz vor tagaktiven Aedes-Mücken achten, vor allem bei Reisen
in Mittelmeerländer. Sinnvoll sind Repellentien mit DEET, helle, lange Kleidung und die Verwendung von Moskitonetzen. - Stets lokale Wetter- und Behördenwarnungen aktuell verfolgen, etwa zu Waldbrandgefahren oder Vibrionen in Gewässern.
- Städtereisen je nach Zielort und individuellem Gesundheitszustand ggf.
außerhalb der Sommersaison planen. - Beim sommerlichen Bergsteigen Maßnahmen und Tipps des Deutschen
Alpenvereins beachten: https://www.alpenverein.de/artikel/klimawandel-bedingungen-in-den-alpen_ 139e3058-dba7-4e3e-91f4-a6f09de24b1f - Versicherungsschutz prüfen – welche Gefahren (Extremwetter, Reiseabbruch, medizinische Versorgung im Ausland, Rücktransport) sind abgedeckt?