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Frauen in der Arbeitswelt – Eine Herausforderung für die Gleichstellung

Die Gleichstellung der Geschlechter in der Arbeitswelt ist ein entscheidender Faktor für die Schaffung einer gerechten und inklusiven Gesellschaft. Frauen werden oft mit Vorurteilen und Stereotypen konfrontiert und haben daher in vielen Bereichen Schwierigkeiten, sich zu behaupten und Karriere zu machen. Dabei ist es gerade für Unternehmen und Organisationen sinnvoll, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um eine inklusive Arbeitsumgebung zu schaffen. Dazu gehören beispielsweise die Implementierung von Diversity- und Inklusionsprogrammen sowie die Förderung einer Kultur, die Unterschiede und Vielfalt wertschätzt. Denn die Gleichstellung der Geschlechter in der Arbeitswelt ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Unternehmen und Organisationen, die Vielfalt und Inklusion fördern, sind in der Lage, bessere Ergebnisse zu erzielen und ihre Innovationsfähigkeit zu steigern. Warum dauert es dann so lange?

Frauen brauchen auf dem Weg zur Gleichstellung – nicht nur in der Arbeitswelt – viel Geduld. Im Jahr 1949 wurde im Grundgesetzt festgelegt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Erst 1957 beschloss der Deutsche Bundestag das „Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts“, das sogenannte Gleichberechtigungsgesetz. Es dauerte 20 Jahre, bis 1977 eine Frau ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes arbeiten durfte. Laut dem Global-Gender-Gap-Bericht des Weltwirtschaftsforums braucht es bei dem aktuellen Tempo in Westeuropa voraussichtlich noch rund 50 Jahre, bis Frauen und Männer gleichgestellt sind. Baustellen auf diesem langen Weg sind unter anderem die Förderung von Frauen in Führungspositionen, die Bekämpfung von Lohndiskriminierung, der Kampf gegen Sexismus und die Unterstützung von Frauen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Einige Baustellen werden im vorliegenden Heft adressiert. Die langjährige Leiterin des der Abteilung Arbeitsschutz im Hessischen Sozialministerium Marianne Weg gibt einen Einblick in den Arbeitsschutz und die betriebliche Gesundheitsförderung aus der Frauenperspektive. Hier besteht bezüglich Geschlechtergerechtigkeit und Diversity-Sensibilität noch Nachholbedarf. Frau Weg schildert die aktuelle Situation und nennt Argumente, warum eine Verbesserung auf diesen Gebieten auch für Unternehmen attraktiv ist.

Die beruflichen Auswirkungen der Familiengründung für Frauen beschreibt Silke Raab vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie fokussiert auf den Mutterschutz, dessen praktische Umsetzung Optimierungspotenzial birgt und nicht zum Nachteil der schwangeren/stillenden Frauen gehandhabt werden darf.

Eine der größten Herausforderungen für Frauen in der Arbeitswelt ist nach wie vor die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Viele
Frauen haben Schwierigkeiten, eine Balance zwischen ihrer beruflichen Karriere und ihren familiären Verpflichtungen zu finden. Finja Carstensen vom Deutschen Gewerkschaftsbund geht auf die zugrunde liegende Problematik sowie den Gender Care Gap ein. Sie zeigt aber auch Möglichkeiten, wie betriebliche Rahmenbedingungen die Vereinbarkeit verbessern können.

Sexuelle Belästigung ist ein absolutes No Go und hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Arbeitsfähigkeit von Betroffenen und erfordert ein entschlossenes Eingreifen von Arbeitgebern und Akteuren im beruflichen Umfeld, um sie zu verhindern und zu bekämpfen. Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Charité Sabine Jenner und ihre Koautorin Sabine Oertelt-Prigione stellen die Studie der Charité zu diesem Thema im klinischen Bereich und daraus abgeleitete Präventionsstrategien vor.

Die Fachärztin für Arbeitsmedizin Christine Kallenberg diskutiert in ihrem Beitrag Aspekte, die die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland beeinflussen. Dazu gehören unter anderem die nach wie vor vorhandenen Rollenstereotypen, horizontale und vertikale Segregation oder der Androzentrismus im Berufskrankheitenrecht.

Interessanterweise deuten Längsschnittstudien darauf hin, dass das Risiko für depressive Symptomatik bei prekärer Beschäftigung bei Männern höher ist als bei Frauen. Herrmann Burr, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, untersucht im wissenschaftlichen Teil diesen Zusammenhang in einer Kohorte der „Studie Mentale Gesundheit bei der Arbeit“ (S-MGA).

Albert Nienhaus und seine Koautorin Madeleine Dulon von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) analysieren in ihrer Arbeit, ob Frauen bei den Berufskrankheiten wegen COVID-19 überrepräsentiert sind. Zwar ist bekannt, dass der Anteil der Frauen bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen hoch ist, allerdings ist nicht bekannt, wie das Verhältnis von Frauen und Männern bei den Versicherten der BGW ist. Ihre Auswertung ergab eine geringfügig niedrigere Infektionsrate
bei exponierten Männern als bei exponierten Frauen.

Es ist an der Zeit, dass wir uns alle für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt einsetzen und gemeinsam eine gerechtere und inklusivere Gesellschaft schaffen.

Ihre Simone Schmitz-Spanke

Chefredakteurin

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