ASU Ausgabe: Sonderheft-2018

F黨rung und psychische Gesundheit

F. Pundt1

B. Thomson1

D. Montano2

A. Reeske3

Abstract deutsch

F黨rung und psychische Gesundheit

Zielstellung: Auf Basis neuerer Forschungsliteratur wird ein 躡erblick 黚er den Zusammenhang zwischen F黨rungsverhalten und psychischer Gesundheit der Besch鋐tigten gegeben.

Methode: Eine systematische Literaturrecherche (Scoping Review) in den einschl鋑igen Datenbanken PubMed, PsycINFO, PsycARTICLES, PSYNDEX und WISO wurde durchgef黨rt. Der Suchstring umfasste die Themenbereiche 凢黨rung“, 凙rbeitsplatzkontext“ und 刾sychische Gesundheit“. F黵 F黨rung werden folgende Merkmale betrachtet: 1) transformationale F黨rung, 2) mitarbeiterorientierte F黨rung, 3) aufgabenorientierte F黨rung, 4) ethische/authentische F黨rung, 5) destruktive F黨rung sowie 6) interaktionale F黨rung. Die in den Prim鋜studien gefundenen Zusammenh鋘ge zwischen den einzelnen Merkmalen von F黨rung und verschiedenen Aspekten psychischer Gesundheit wurden extrahiert und aggregiert.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 217 Studien eingeschlossen und 703 Zusammenhangma遝 extrahiert. Die Studien stammen 黚erwiegend aus den Forschungsbereichen der Organisationspsychologie und des betrieblichen Managements. Es wurden kleine bis mittlere Effektst鋜ken f黵 den Zusammenhang einzelner F黨rungsstile mit der psychischen Gesundheit der Besch鋐tigten gefunden. F黨rung als Ressource schlie遲 insbesondere positive Auspr鋑ungen transformationaler und mitarbeiterorientierter F黨rung sowie eine hohe Qualit鋞 der F黨rungskraft-Mitarbeiter-Interaktion ein. Im Gegensatz dazu zeigen negative Auswirkungen destruktiver F黨rung auf die Gesundheit der Besch鋐tigten, dass F黨rung auch als Stressor wirken kann.

Schlussfolgerungen: Trotz kleiner oder mittlerer statistischer Zusammenh鋘ge spielt F黨rung eine wichtige Rolle f黵 die psychische Gesundheit der Besch鋐tigten. Insbesondere zeigt sich, dass die gesundheitsgerechte Gestaltung von F黨rung auch eine Vielzahl weiterer Aspekte der Arbeitsgestaltung (Aufgabengestaltung, Arbeitszeit, Unsicherheitserleben, Gerechtigkeitsempfinden etc.) beeinflussen kann.

Schl黶selw鰎ter: F黨rung – Management – Gesundheit – Scoping Review

Abstract English

Leadership and psychological health

Objective: Based on recent research literature, the associations between leadership behaviour and the psychological health of employees are reviewed.

Method: A systematic scoping review of the literature was conducted using several databases (PubMed, PsycINFO, PsycARTICLES, PSYNDEX, WISO). The search string combined the issues “leadership”, “workplace context”, and “psychological health”. The following leadership concepts were examined: 1) transformational leadership, 2) employee-oriented leadership, 3) task-oriented leadership, 4) ethical/authentic leadership, 5) destructive leadership, and 6) leader-employee-interaction. The relationships between these leadership styles and several aspects of psychological health, as reported in the primary studies, were extracted and aggregated.

Results: Overall, 217 studies were examined and 703 associations were extracted. The studies were mainly conducted in the fields of organisational psychology or management research. Small to moderate effects were found for the relationship between leadership and psychological health. Leadership as a resource includes high levels of transformational and employee-oriented leadership as well as a high quality of leader-employee interaction. In contrast, the negative effects of destructive leadership on employees’ health imply that leadership can also take the effect of a stressor.

Conclusions: Despite statistical effects being small or moderate, leadership plays a significant role in employees’ psychological health. In particular, it becomes evident that a health-promotive design of leadership affects further aspects of work design (e.g. task design, working time, perceived uncertainty, perceived organisational justice).

Keywords: leadership – management – health – scoping review

Einleitung

Angesichts zunehmender Arbeitsunf鋒igkeitstage und Fr黨verrentungen aufgrund psychischer Beeintr鋍htigungen wurden die Bem黨ungen um eine nachhaltige Pr鋠ention in den letzten Jahren erh鰄t. So wurde beispielsweise die Ber點ksichtigung psychischer Belastungen als Komponente der Gef鋒rdungsbeurteilung in das Arbeitsschutzgesetz (Ё񂠈 ArbSchG) aufgenommen. Dabei r點kte auch die Bedeutung der F黨rungskr鋐te f黵 eine gesunde und sichere Arbeitsgestaltung in den Mittelpunkt. So wird beispielsweise im Leitfaden Pr鋠ention der Gesetzlichen Krankenversicherung GKV (2014) betont, dass F黨rungskr鋐te einen erheblichen positiven wie negativen Einfluss auf die Gesundheit der Besch鋐tigten haben. Auch im Kontext von Digitalisierung und Arbeiten 4.0 wird F黨rung als ein wichtiges Element in der Gestaltung agiler Arbeitsbedingungen gesehen und die Notwendigkeit neuer F黨rungskulturen betont (BMAS 2017). Insofern haben F黨rungskr鋐te eine 剒entrale Rolle bei der Pr鋠ention (psychischer) Gesundheitsbeeintr鋍htigungen in der komplexen und dynamischen Arbeitswelt (Rothe et al. 2017, S.86).

Im Rahmen des Projekts 凱sychische Gesundheit in der Arbeitswelt Wissenschaftliche Standortbestimmung wurde vor dem beschriebenen Hintergrund auch ein Scoping Review zum Zusammenhang von F黨rung und psychischer Gesundheit angefertigt (Montano et al. 2016), das im vorliegenden Artikel zusammenfassend dargestellt wird. Aus dem Scoping Review resultierte auch eine Metaanalyse mit einem etwas engeren Zuschnitt der Fragestellung (Montano et al. 2017). F黨rung wird f黵 den Zweck unserer Analysen im Review definiert als die Beeinflussung der Einstellungen und des Verhaltens von Mitarbeitern in Organisationen sowie die Steuerung und Koordination von Mitarbeitern in und zwischen Gruppen zum Zwecke der Erreichung organisationaler Ziele (Felfe 2009; Yukl 2013). Es wird untersucht, inwieweit F黨rungsverhalten im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit steht. Psychische Gesundheit wird dabei sehr breit, mittels positiver und negativer Indikatoren erfasst. Die positiven Indikatoren beinhalten Wohlbefinden und psychische Funktionsf鋒igkeit. Wohlbefinden beschreibt das Erleben positiver Gef黨le wie Gl點k und Zufriedenheit mit der pers鰊lichen Entwicklung (McDowell 2010; Ryff 1989). Psychische Funktionsf鋒igkeit (刦unctioning) beschreibt die positiven Aspekte der Interaktion zwischen psychischen Gesundheitszust鋘den und den Bedingungen der sozialen Partizipation sowie des Handelns in der Gesellschaft (WHO 2002, 2013) und beinhaltet Aspekte wie Empowerment, Selbstwert, Selbstwirksamkeit und Selbstentfaltung. Die negativen Indikatoren umfassen affektive Symptome, Burnout, arbeitsbezogenen Stress sowie gesundheitliche Beschwerden. Die affektiven Symptome beinhalten Aspekte wie Angst, 膔ger, Depression, Frustration und 鋒nliche St鰎ungen. Arbeitsbezogener Stress ist hier definiert als Zustand neuroendokriner Hyperaktivierung des Organismus, ausgel鰏t durch das Einwirken von Stressoren, der mit erh鰄ter Wachsamkeit und affektiven/neurotischen Symptomen einhergeht (Contrada 2010; Dallmann u. Hellhammer 2010). Gesundheitliche Beschwerden beinhalten Aspekte der subjektiven Gesundheit wie beispielsweise psychosomatische Symptome, Vitalit鋞, M黡igkeit bzw. Gesamtbewertungen der eigenen Gesundheit.

Relevante F黨rungskonzepte

Die F黮le der wissenschaftlichen Literatur zu F黨rung machte es notwendig, im Scoping Review auf wesentliche F黨rungskonzepte zu fokussieren. Die Mehrheit der Studien betrachtete einen der folgenden F黨rungsstile:

  1. transformationale F黨rung,
  2. mitarbeiterorientierte F黨rung,
  3. aufgabenorientierte F黨rung,
  4. ethische/authentische F黨rung,
  5. destruktive F黨rung sowie
  6. interaktionale F黨rung.

Transformationale F黨rungskr鋐te k鰊nen ihren Besch鋐tigten 黚erzeugend Visionen vermitteln (inspirierende Motivation), werden selbst als glaubw黵dig und vorbildlich wahrgenommen (idealisierte Beeinflussung), regen zu unabh鋘gigem Denken an (intellektuelle Inspiration) und unterst黷zen die pers鰊liche Entwicklung ihrer Besch鋐tigten (individualisierte Beachtung) (Bass u. Riggio 2005). Sie beeinflussen (transformieren) damit vor allem die Werte und Motive der Besch鋐tigten, so dass langfristige, 黚ergeordnete Werte und Ideale an Bedeutung gewinnen gegen黚er kurzfristigen, materiellen Zielen (Felfe 2015). W鋒rend bei transformationaler F黨rung die Pers鰊lichkeit der F黨rungskraft (Charisma) besonders hervorgehoben wird, steht bei der mitarbeiterorientierten, aufgabenorientierten, ethischen/authentischen und destruktiven F黨rung das Verhalten der F黨rungskraft im Vordergrund. Mitarbeiterorientierte F黨rung ist gekennzeichnet durch ein freundschaftliches und hilfsbereites Verhalten und eine offene Kommunikation, bei der aufgabenorientierten F黨rung stehen hingegen die Verteilung und die Strukturierung der Arbeitsaufgaben im Mittelpunkt (Franke et al. 2011). Ethische bzw. authentische F黨rungsans鋞ze betonen die Humanverantwortung von F黨rung und beinhalten allgemein das Ausrichten des F黨rungshandelns an 黚ergeordneten moralischen Werten, die Sorge um andere, die Einhaltung und F鰎derung ethisch-moralischer Standards, Integrit鋞 bzw. die Funktion der F黨rungskraft als moralisches und authentisches Rollenvorbild (Kehrschreiter u. Eisenbeiss 2015; Peus et al. 2015). F黵 die bisher beschriebenen F黨rungsans鋞ze wird angenommen, dass das F黨rungsverhalten f鰎derlich f黵 die Gesundheit der Besch鋐tigten ist. F黵 das Konzept der destruktiven F黨rung gilt das Gegenteil. Es beschreibt verbales und nonverbales feinseliges und/oder als hinderlich betrachtetes F黨rungsverhalten, das 黚er einen l鋘geren Zeitraum wiederholt bei der F黨rungskraft zu beobachten ist (Schyns u. Schilling 2013). Es wird angenommen, dass destruktives F黨rungsverhalten der Gesundheit der Besch鋐tigten abtr鋑lich ist. Interaktionale F黨rungsans鋞ze unterscheiden sich von den bisher genannten F黨rungskonzepten, indem sie die Interaktions-, Austausch- und Kommunikationsprozesse zwischen F黨rungskraft und Besch鋐tigten betrachten und nicht die Pers鰊lichkeit oder das Verhalten der F黨rungskraft im Fokus haben. Die bekannteste F黨rungstheorie ist hierbei der Leader-Member-Exchange (LMX, Graen u. Uhl-Bien 1995), der die Beziehungsqualit鋞 der F黨rungskraft-Mitarbeiter-Dyade in den Mittelpunkt stellt und betont, dass die F黨rungskraft zu ihren diversen Besch鋐tigten je unterschiedliche Beziehungen aufbaut. F黵 eine hohe Beziehungsqualit鋞 zwischen F黨rungskraft und Besch鋐tigten wird angenommen, dass sie sich gesundheitsf鰎derlich auswirkt.

Methode/Literaturrecherche

Die Literatursuche erfolgte in den einschl鋑igen Datenbanken PubMed (PMC), PsycINFO, PsycARTICLES, PSYNDEX (EBSCO Host) und WISO. Die Suchstrings umfassten drei Schlagwortkategorien, die die Themenbereiche 凢黨rung, 凙rbeitsplatzkontext und 刾sychische Gesundheit abdeckten. Die wichtigsten Einschlusskriterien waren die explizite Untersuchung von F黨rung im Arbeitskontext nach obiger Definition, die Fokussierung auf psychische Gesundheit und das Format der gefunden Literatur (Journal-Artikel). Von den insgesamt zu sichtenden 6985 Abstracts verblieben nach Ausschluss von Arbeiten, die den obigen Kriterien nicht gen黦ten, 217 zur weitergehenden Analyse. Aus diesen Studien wurden 703 Zusammenhangsma遝 extrahiert. F黵 eine ausf黨rlichere Beschreibung der Literaturrecherche und -extraktion (inkl. Suchstrings und Flow-Diagramm) sei auf Montano et al. (2016) verwiesen. Die Mehrheit der einbezogenen Studien sind Querschnittsstudien (81%) aus Deutschland (16%), den USA (30%) und anderen europ鋓schen L鋘dern (29%), die in Fachzeitschriften (87%) ver鰂fentlicht wurden. Am h鋟figsten wurden transformationale und verhaltensbezogene Theorieans鋞ze von F黨rung zugrunde gelegt.

Ergebnisse

In  Tabelle1 sind die Ergebnisse des Scoping Reviews zusammengefasst. Je F黨rungsmerkmal sind der niedrigste und der h鯿hste Wert der gewichteten Durchschnittskorrelationen angegeben, sowohl f黵 die positiven Gesundheitsindikatoren (Wohlbefinden, psychische Funktionsf鋒igkeit) als auch f黵 die negativen Gesundheitsindikatoren (affektive Symptome, Burnout, arbeitsbezogener Stress, gesundheitliche Beschwerden). Da die Mehrheit der Studien bivariate Korrelationen berichtete, wurden die gewichteten Durchschnittskorrelationen je F黨rungsmerkmal und je Gesundheitsindikator (gewichtet f黵 die Stichprobengr鲞e der zugrunde liegenden Studie) nach Viechtbauer (2005) berechnet. Die St鋜ke des Zusammenhangs kann auf Grundlage der Durchschnittskorrelationen als klein (Korrelationen zwischen 0,10 und 0,30), mittel (Korrelationen zwischen 0,30 und 0,50) oder gro (Korrelationen 黚er 0,50) interpretiert werden (Effektst鋜ke nach Cohen 1992). Die Bewertung der methodologischen Qualit鋞 der eingeschlossenen Studien orientiert sich an den Empfehlungen der GRADE-Arbeitsgruppe (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation; Atkins et al. 2004; Canfield u. Dahm 2011). Zur Beurteilung der methodologischen Qualit鋞 wurden folgende Kriterien herangezogen: Stichprobengr鲞e, Studiendesign (Quer- oder L鋘gsschnitt oder Experiment), Validierung von Pr鋎iktoren und Outcomes sowie Aufnahme wichtiger Kontrollvariablen in die statistischen Analysen. Insgesamt betrachtet, zeigen die gefundenen Zusammenh鋘ge sowohl in den Querschnittsstudien als auch in den L鋘gsschnittstudien f黵 alle F黨rungsmerkmale ein 黚erwiegend konsistentes Bild. So lassen sich f黵 transformationale, mitarbeiterorientierte und interaktionale F黨rung und in einem schw鋍heren Ausma auch f黵 aufgabenorientierte F黨rung positive Zusammenh鋘ge mit Wohlbefinden und psychischer Funktionsf鋒igkeit sowie negative Zusammenh鋘ge mit affektiven Symptomen, Burnout, arbeitsbezogenem Stress und gesundheitlichen Beschwerden zeigen. Das gegenteilige Effektmuster zeigt sich f黵 destruktive F黨rung. Sie h鋘gt konsistent negativ mit Wohlbefinden und psychischer Funktionsf鋒igkeit zusammen und positiv mit affektiven Symptomen, Burnout, arbeitsbezogenem Stress und gesundheitlichen Beschwerden. Auch die wenigen Studien, die ausschlie遧ich Regressionskoeffizienten aus multivariaten Regressionen enthalten, berichten vergleichbare Ergebnisse. Insgesamt bewegen sich die Effektgr鲞en im kleinen bis mittleren Bereich. Da die Mehrzahl der Studien Querschnittsstudien ohne Kontrollgruppen sind, ist die methodologische Qualit鋞 eher mittelm溥ig bis niedrig einzustufen.

Zusammenfassung

Ziel dieser systematischen Literaturrecherche war es, den Zusammenhang zwischen F黨rung und psychischer Gesundheit umfassend auf Basis der Forschungsliteratur zu untersuchen. Auch wenn die methodologische Qualit鋞 der eingeschlossenen Studien niedrig bis mittelm溥ig ausgepr鋑t ist, wurden statistisch signifikante Zusammenh鋘ge zwischen den verschiedenen F黨rungskonzepten und psychischer Gesundheit konsistent best鋞igt. Die (wenigen) verf黦baren L鋘gsschnittstudien weisen zudem darauf hin, dass diese Zusammenh鋘ge auch mittelfristig bestehen. Aus der Perspektive des Arbeits- und Gesundheitsschutzes implizieren die gefundenen Zusammenh鋘ge, dass F黨rung je nach Auspr鋑ung als Ressource oder als Gef鋒rdung wirken kann. F黨rung als Ressource beinhaltet demnach hohe Auspr鋑ungen transformationaler, mitarbeiterorientierter, ethischer/authentischer und interaktionaler F黨rung sowie auch eine gewisse Aufgabenorientierung der F黨rungskraft. F黨rung als Gef鋒rdung bezieht sich auf die destruktive F黨rung. Aber auch mangelnde F黨rungskompetenzen wie passive F黨rung, niedrige Konfliktl鰏ef鋒igkeiten oder h鋟fige Unerreichbarkeit haben ein Gef鋒rdungspotenzial.

Gestaltungsempfehlungen und Ausblick

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass F黨rung bei der Gestaltung von Arbeitsbedingungen und mit Blick auf die Gesundheit der Besch鋐tigten eine zentrale Bedeutung hat. F黨rungskr鋐te sind in der Art und Weise, wie sie die Besch鋐tigten unterst黷zen, auf sie eingehen, sie respektvoll behandeln oder auch f黵 Anforderungsklarheit sorgen, bedeutsam f黵 die hier untersuchten Wohlbefindens- und Gesundheitsvariablen. Dies haben wir als zentrales Ergebnis des Reviews zu F黨rung und Gesundheit zeigen k鰊nen. Aber auch in der Gesamtschau dieser Arbeit mit den 躡ersichtsarbeiten zu anderen Arbeitsbedingungsfaktoren (etwa atypische Besch鋐tigung, Arbeitsplatzunsicherheit, organisationale Gerechtigkeit, soziale Unterst黷zung; siehe Projekt 凱sychische Gesundheit in der Arbeitswelt) bezogen sich die Empfehlungen in den eingeschlossenen Studien auf Aspekte, die eng mit dem F黨rungsverhalten im Zusammenhang stehen (Dr鰏sler et al. 2016; Haupt et al. 2016; H黱efeld 2016; K鰌er u. Gerstenberg 2016). Das zeigte sich etwa in Bezug auf die Art und Weise der Kommunikation, Schaffung von Transparenz der Beteiligung von Besch鋐tigten, den respektvollen Umgang. Dar黚er hinaus sind F黨rungskr鋐te auch ganz direkt in die Gestaltung von Arbeitsbedingungen etwa die Aufgabengestaltung und -strukturierung, die Regelung von Arbeitszeiten, von Aspekten zur Work-Life-Balance etc. involviert (Amlinger-Chatterjee 2016; Bradtke et al. 2016; Ducki u. Nguyen 2016; Rosen 2016; W鰄rmann 2016). Bei all diesen Aspekten sind F黨rungskr鋐te vermittelnde Instanzen im Hinblick auf die Erreichung organisationaler Ziele oder in der Umsetzung von Organisationsleitlinien und -prozessen. Dies bedeutet auch, dass sie mit ihrem Verhalten und ihren Gestaltungs- bzw. Handlungsoptionen immer auch im organisationalen Kontext gesehen werden m黶sen. Die Ressourcen (zeitlich, finanziell, im Hinblick auf Personalausstattung, im Hinblick auf Qualifikation) werden letztlich von der Organisation, den strategischen Entscheidungen und deren Umsetzung determiniert. Dies bedeutet, das Ph鋘omen F黨rung darf in Forschung und Gestaltung nicht nur als Interaktion zwischen F黨rungskraft und Besch鋐tigten gesehen werden. Eher muss es darum gehen, die Bedingungen, unter denen die F黨rungskraft transformational, mitarbeiterorientiert, ethisch etc. agieren soll, unter Ber點ksichtigung der organisationalen Rahmenbedingungen zu betrachten und zu optimieren. Was die konkreten Arbeitsbedingungen der F黨rungskr鋐te betrifft und wie Organisationsstruktur und -kultur auf diese Arbeitsbedingungen sowie das konkrete F黨rungsverhalten der F黨rungskraft wirken dar黚er bestehen in der Literatur indes gro遝 L點ken.

Vor dem Hintergrund dieser Defizite verfolgt die BAuA das Thema 凢黨rung und Organisation weiter. Dabei interessiert insbesondere der Zusammenhang organisationaler Aspekte mit F黨rungsbedingungen und F黨rungsverhalten. Dar黚er hinaus ist auch den Kausalwirkungen von F黨rungsverhalten und Wohlbefinden bzw. Gesundheit der Besch鋐tigten nachzugehen. Daneben sollte weiterhin der Gesundheit der F黨rungskr鋐te sowie den Wirkungen des Verhaltens der Besch鋐tigten auf die F黨rungskraft nachgegangen werden.

Interessenkonflikt: Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Literatur

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H黱efeld L: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. Atypische Besch鋐tigung. Dortmund: Bundesanstalt f黵 Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2016.

Kehrschreiter R, Eisenbeiss SA: Ethische F黨rung. In: Felfe J (Hrsg.): Trends der psychologischen F黨rungsforschung Neue Konzepte, Methoden und Erkenntnisse. G鰐tingen: Hogrefe, 2015, S. 2737.

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Montano D, Reeske-Behrens A, Franke F: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. F黨rung. Dortmund: Bundesanstalt f黵 Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2016.

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Peus C, Wesche JS, Braun S: Authentic Leadership. In: Felfe J (Hrsg.): Trends der psychologischen F黨rungsforschung Neue Konzepte, Methoden und Erkenntnisse. G鰐tingen: Hogrefe, 2015, S. 1526.

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Rothe I, Adolph L, Beermann B, Sch黷te M, Windel A, Grewer A, Lenhardt U, Michel J, Thomson B, Formazin M: Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt Wissenschaftliche Standortbestimmung. Dortmund: Bundesanstalt f黵 Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2017.

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Schyns B, Schilling J: How bad are the effects of bad leaders? A meta analysis of destructive leadership and its outcomes. The Leadership Quarterly 2013; 24: 138158.

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Yukl G: Leadership in organisations. Essex: Pearson, 2013.

F黵 die Verfasser

Dr. phil. Franziska Pundt

Bundesanstalt f黵 Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Friedrich-Henkel-Weg 125

44149 Dortmund

pundt.franziska@baua.bund.de

ASU Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 2018; 53 (Sonderheft): 1519

Literatur

Fussnoten

1Bundesanstalt f黵 Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund

2Leadership Personality Center Ulm

3Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen, Bochum

  • Gute F黨rung ist im Kontext von Digitalisierung und Arbeiten 4.0 ein wichtiges Element in der Gestaltung agiler Arbeitsbedingungen

  • Tabelle 1: Zusammenfassung der Ergebnisse des Reviews

Foto: BartekSzewczyk / Thinkstock

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