Gibt es ein typisches belastungskonformes Schädigungsbild des Kniegelenks?
Erste Erfahrungen in der Beurteilung der Gonarthrose als mögliche Berufskrankheit

Einleitung und Zielsetzung: Die berufsbedingte Gonarthrose ist neu in das Berufskrankheitenverzeichnis (BK 2112) aufgenommen worden. Bislang liegen diesbezüglich keine Erfahrungen in der Begutachtung von Versicherten vor, die einen Anerkennungsanspruch geltend machen. Es fehlt eine spezifische, allgemein akzeptierte Beschreibung des schadenkonformen Krankheitsbilds. Die Berücksichtigung konkurrierender Faktoren führt zu einer erheblichen Bewertungsunschärfe.
In vorliegender Arbeit wird versucht, ein belastungskonformes Schädigungsbild zu beschreiben und damit einen Beitrag zur Entwicklung von Begutachtungsempfehlungen zur BK Gonarthrose zu leisten.

Kollektiv und Methodik: In einem Zeitraum von 18 Monaten stellte die BG Bauwirtschaft insgesamt 97 Versicherte an unserer Klinik zur Begutachtung im BK-Verfahren 2112 vor. Nach Überprüfung der Eingangsvoraussetzungen und Anamneseerhebung (modifizierter KOOS-Score) wurden beide Kniegelenke klinisch, projektionsradiographisch und mittels MRT untersucht. Zusätzlich wurde Serum gewonnen. Alle Parameter wurden numerisch gewichtet und gegeneinander korreliert. Zur Auswertung diente die Software SPSS 11.5.1 auf einem PC. Zusammenhänge wurden unter Verwendung des Korrelationskoeffizienten nach Kendall-τ für Rangdaten ermittelt.

Ergebnisse: In 10 Fällen waren zwar die Eingangsvoraussetzungen nicht erfüllt. Bei weiteren 15 Patienten war das betreffende Kniegelenk bereits endoprothetisch ersetzt. Dennoch wurden, soweit möglich, auch diese Probanten in die Korrelationsanalyse miteinbezogen, um eine möglichst breite Datenbasis zu erhalten. Die einzige stark signifikante Korrelation (p = 0,00001) fand sich zwischen den Veränderungen in der Projektionsradiographie und dem MRT. Mittlere Korrelationen zeigten sich zudem zwischen den KOOS-Werten einerseits und den Veränderungen in der Projektionsradiographie sowie im MRT andererseits. Die konkurrierenden Faktoren korrelierten hingegen nur schwach mit Veränderungen in der Projektionsradiographie und im MRT; der BMI darüber hinaus mit dem KOOS-Score. Dagegen fanden sich für die kniebelastenden Tätigkeiten (kumulative Stundenzahl) keine Korrelationen mit den anderen untersuchten Parametern.

Schlussfolgerungen: Eine allgemeine Begutachtungsempfehlung kann für die Anwendung der MRT im Verdachtsfall formuliert werden. In jedem Falle ist jedoch für die sichere Beurteilung einer BK 2112 eine Gesamtschau von Anamnese, klinischem Befund, Projektionsradiographie und MRT unumgänglich. Unter kritischer Wertung unseres Gesamtkollektivs kommt der MRT eine Schlüsselrolle zur Detektion initialer Knorpelveränderungen zu und damit die Stellung eines Verdachtskriteriums zu.
Introduction and aim of investigation: Osteoarthritis (OA) of the knee joint(s) as a consequence of occupational factors has recently been defined as an occupational disease in Germany (BK 2112). To date only limited experience is available for the evaluation of patients who claim to suffer from this occupational disease. A specific, commonly accepted clinical picture for this occupational disease does not exist. Concomitant factors affecting development of OA complicate decision finding. This leads to considerable uncertainty in the process of acceptance or rejection of an occupational cause of OA in any specific case. In this paper we have attempted to design an algorithm for the examination of patients and a description of the relationship between the clinical picture and the physical strain and so to provide a basis for decision finding.

Collective and method: Within a period of 18 months, 97 men with different jobs in construction work were evaluated for occupational disease BK 2112. Every single case had to fulfil the criterion of having worked for 13 000 hours in knee flexion under conditions of physical stress during their life-time, at least 1 hour per day. Anamnestic data (family and personal history, KOOS score) were recorded and physical and serological examination as well as radiographs of both knees in three views were performed. In addition all knees were examined by means of MRI scans. Correlation analysis was carried out for all parameters (software SPSS 11.5.1, Kendall rank correlation coefficient).

Results: In 10 cases the formal preconditions were not fulfilled (less than 13000 hours). In 15 cases the knee joints had already been replaced by total arthroplasty. Nevertheless all probands were included in the correlation analysis as far as possible. The only highly significant correlation (p = 0.00001) found was between radiological and MRI findings. Slight correlation was found between the KOOS score and alterations seen in conventional X-rays and MRI. Also concomitant factors showed weak correlations with these alterations in X-rays and MRI, the body mass index moreover correlated with the KOOS score. Despite this, no correlation could be demonstrated between occupational parameters (cumulative hours of activity involving strain on the knees) and any other factors.

Conclusion: A general recommendation can be formulated for the use of MRI when occupational osteoarthritis is suspected. In any case, for the assessment of the existence of occupational disease OA (BK 2112), occupational anamnesis, clinical analysis of knee joint symptoms, radiological and MRI findings must all be taken into account. Critical analysis of all the data suggests that MRI plays a key role in the detection of initial cartilaginous changes. At the moment it is difficult to define a specific combination of findings which would indicate the existence of occupational disease OA (BK 2112) beyond any reasonable doubt.

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