Kritischer Kommentar zur Verwendung des Exzessrisikos in der Ableitung von gesundheitsbasierten Arbeitsplatzgrenzwerten

Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) hat im Rahmen einer gesellschaftspolitischen Setzung ein Gesamtkonzept zur Festlegung risikobasierter Grenzwerte für krebserzeugende Stoffe erarbeitet (sog. AGS-Leitfaden). Die dargelegte Vorgehensweise und entsprechende Beispielanwendungen enthalten einen wesentlichen methodischen Fehler: Die berechneten Sterbeexzessrisiken sind sinnlos, da jeder Mensch genau einmal stirbt und Zusatztodesfälle deshalb nicht existieren. Wenn der AGS-Leitfaden sich allerdings strikt auf Erkrankungen und nicht auf Todesursachen beziehen soll, sind die vom AGS konstant angesetzten Vergleichsrisikozahlen (tolerabel/akzeptabel) konsequent nach Schweregrad und Häufigkeit einer Erkrankung zu modifizieren. In jedem Fall ist eine Überarbeitung des AGS-Leitfadens angezeigt. Alternativ wird in diesem Beitrag die Bewertung von Schadstoffexpositionen über verlorene Lebenszeit („years of life lost“) vorgeschlagen. Dies vermeidet nicht nur die angesprochenen methodischen Probleme, sondern eröffnet durch den Bezug auf die persönliche Lebenserwartung eine gesellschaftspolitische Bewertung, die eine abstrakte Differenz von Wahrscheinlichkeitsprozentsätzen nicht bieten kann.
The German Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS: Committee for dangerous substances) has laid down a socio-political concept for the derivation of health-based occupational limit values for carcinogens (so-called AGSLeitfaden). The described procedure and the examples of its application suffer from an essential methodological error: the calculated excess risks of dying are meaningless because every human being must die once and there can be no “excess deaths due to exposure”. On the other hand, if the AGS-Leitfaden were to deal strictly with diseases and not with causes of death, the constant excess risk levels (“tolerable”, “acceptable”) set by the AGS would have to be varied with the severity and frequency of the diseases. In any case the AGS-Leitfaden should be revised. I recommend as an alternative method of evaluating exposure to dangerous substances the determination of „years of life lost“. This would not only solve the methodological problems mentioned above but would also open up a new perspective for evaluation. The personal life expectancy offers a realistic benchmark for the evaluation of potential effects of exposure reductions (“years of life saved”) whereas an abstract probability difference cannot be interpreted in a similar way.

Downloads:

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

ASU-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den ASU-Newsletter kostenlos abonnieren:

ASU-Jobbörse

An der richtigen Stelle suchen. Bei der reichweitenstärksten Stellenbörse für die Arbeitsmedizin.

Zur Jobbörse

Kostenloses Probe-Abo

Die aktuelle Ausgabe

Gratis
Probe-Lesen

Jetzt kostenlos testen

Testen Sie unverbindlich zwei Ausgaben „ASU –Arbeitsmedizin | Sozialmedizin | Umweltmedizin“