Überschuldung und Gesundheit

Einleitung: Die Anzahl an überschuldeten Privathaushalten wird derzeit in Deutschland auf etwa 3,13 Millionen geschätzt. Soziale Ausgrenzungen, Einschränkungen der Lebensbedingungen und der Teilhabe am gesellschaftlichen System können Folge der Ausgabenarmut sein und die Gesundheit negativ beeinflussen. Um den Gesundheitszustand von überschuldeten Privatpersonen erstmalig in Deutschland unter sozialmedizinischen Aspekten zu untersuchen, wurde die ASGStudie (Armut, Schulden und Gesundheit) initiiert. Methode: In Zusammenarbeit mit allen 53 Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen des Landes Rheinland-Pfalz wurde eine Querschnittsstudie an überschuldeten Privatpersonen von 2006 bis 2007 mittels einmaliger schriftlicher, anonymisierter Befragung durchgeführt. Ergebnisse: Insgesamt haben 666 Personen (51,1 % Frauen) im Alter zwischen 18 und 79 Jahren (Median 41 Jahre) bei einer Teilnahmerate von 35,5 % an der ASG-Studie teilgenommen. 79,1 % der Probanden gaben an, derzeit an mindestens einer Erkrankung zu leiden, wobei psychische Erkrankungen, gefolgt von Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankung am häufigsten von jeweils etwa 40 % der Probanden genannt wurden. Lediglich 20,6 % der Probanden negierten die Aussage „Ich bin wegen der Schuldensituation krank geworden“ absolut. Ein Drittel der Probanden nannte Krankheit, Unfall oder Sucht als Hauptgrund für die Überschuldungssituation. Schlussfolgerung: Der Gesundheitszustand von überschuldeten Privatpersonen ist stark defizitär. Hinweise liegen vor, dass zwei Mechanismen zu wirken scheinen: „Überschuldung macht krank“ und „Krankheit führt zur Überschuldung“. Ein interdisziplinäres Vorgehen zur Verminderung der Überschuldungssituation und der gesundheitlichen Defizite durch Schuldnerberatungsstellen und medizinische Betreuung muss gefordert werden, um der Lebenslage der Betroffenen gerecht zu werden und Auswege aus der Überschuldung zu ermöglichen. Gesundheitsbezogene Präventionsprogramme für überschuldete Privatpersonen müssen entwickelt werden, um den Gesundheitszustand der Betroffenen zu verbessern und diesen die Möglichkeit zu geben, der Überschuldung aus eigener Kraft entgegenwirken zu können.
Introduction: The number of over-indebted households in Germany is currently estimated to be 3.13 million. Social exclusion, restrictions on living conditions and on equal participation in society can be the consequence of destitution in expenditure and can have adverse effects on health. To examine for the first time from the social medical point of view the state of health of over-indebted persons in Germany, the ASG-study (Armut, Schulden und Gesundheit, i.e. poverty, debt and health) was initiated. Methods: In cooperation with all 53 debt and insolvency counselling services of Rhineland-Palatinate a cross-sectional study of over-indebted persons was conducted between 2006 and 2007 by means of a single, anonymous interview in written form. Results: Altogether 666 persons (51.1 %women) aged between 18 and 79 years took part; this was a participation rate of 35.5 %. 79.1 % of the interviewed persons claimed to suffer from at least one illness, with mental diseases in first place, followed by joint and spine diseases, both being reported by approximately 40 % of the participants. Only 20.6 % of the participants did not agree at all with the statement “I am ill because of being heavily indebted”. One third of the participants listed illness, accident or addiction as the main reason for being in debt. Conclusion: The state of health of over-indebted persons is markedly subnormal. The evidence suggests that two mechanisms interact here: over-indebtedness leads to illness and illness leads to over-indebtedness. An interdisciplinary approach is needed to reduce the burden of debt and ill-health by debt counselling and medical counselling, in order to do justice to the circumstances of the persons concerned and to find ways out of the debt situation. Health-related preventive programs for over-indebted persons must be developed to improve the state of health of the persons concerned and to give them an opportunity to get out of debt on their own.

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