In der mittlerweile fünften Ausgabe der globalen Umfrage nahmen 2.757 medizinische Fachkräfte aus 118 Ländern teil, darunter Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte. Untersucht wurden unter anderem die zunehmende Belastung im Alltag, Defizite bei der KI-Implementierung in verschiedenen medizinischen Berufen sowie die Nutzung allgemeiner, nicht spezifisch medizinischer KI-Anwendungen, deren Ergebnisse meist nicht auf evidenzbasierten Quellen beruhen.
Zentrale Ergebnisse des Hauptberichts:
Weltweit berichteten die Befragten von hoher Arbeitsbelastung. Obwohl die Nutzung von KI wächst, fühlen sich viele der Teilnehmer bei Entscheidungs- und Implementierungsprozessen ausgeschlossen und greifen nicht immer auf geeignete Lösungen zurück.
Deutliche Defizite in der Einbindung von Pflegekräften:
41 % der Pflegekräfte geben an, dass ihre Perspektiven bei KI-Entscheidungen selten oder nie berücksichtigt werden. Dahingegen sehen nur 19 % der Ärztinnen und Ärzte die Perspektive der Pflegekräfte nicht repräsentiert. Zeit bleibt der größte Engpass:
65 % der Befragten haben nicht genügend Zeit, um eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen, während 61 % behandeln mehr Patientinnen und Patienten und haben Mühe, mit medizinischen und technischen Fortschritten mitzuhalten Zunehmende Komplexität der Fälle:
53 % derjenigen mit Zeitmangel berichten von komplexeren Krankheitsbildern – ein Bereich, in dem speziell für klinische Situationen entwickelte KI-Lösungen, die auf evidenz-basierte Quellen zurückgreifen, gezielt unterstützen könnten KI wird genutzt – aber oft nicht zielgerichtet:
49 % der Befragten nutzen KI im Arbeitsalltag, aber nur etwa ein Drittel davon greift regelmäßig auf klinikspezifische KI-Tools mit validierten, evidenzbasierten Informationen zurück. Stattdessen werden häufig frei zugängliche, allgemeine KI-Anwendungen genutzt, deren Ergebnisse nicht immer wissenschaftlich fundiert sind. Starkes Vertrauen in die Zukunft von KI:
80 % erwarten, dass KI innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einem unverzichtbaren Assistenzinstrument wird, und fast gleich viele (79 %) halten KI-Kompetenzen für essenziell in der Ausbildung medizinischer Fachkräfte Hürden bremsen die Einführung:
68 % berichten über unzureichende Schulung im Umgang mit KI, und 60 % fehlt das Vertrauen in Regelungs-, und Kontrollmechanismen für den Einsatz von KI – ein Risiko für Akzeptanz und Verlässlichkeit.
Jan Herzhoff, President of Elsevier Health, kommentiert: „In einer Zeit, in der Gesundheitssysteme zunehmend unter Druck stehen, erkennen medizinische Fachkräfte das große Potenzial von KI zur Verbesserung von Versorgung und Effizienz. Um dieses Potenzial zu realisieren, reicht der Zugang allein jedoch nicht aus – erforderlich sind vertrauenswürdige, evidenzbasierte Lösungen, gezielte Schulungen und eine inklusive Umsetzung, die das gesamte Versorgungsteam einbeziehen.“
Spezifische Ergebnisse zur Situation von Pflegekräften aus Clinician of the Future 2026: Nurses Edition
Die erstmals veröffentlichte Sonderausgabe zeigt deutliche Unterschiede zwischen Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften im Umgang mit KI. Besonders auffällig ist das starke Gefühl vieler Pflegekräfte, bei der KI-Implementierung nicht ausreichend eingebunden zu werden. Ziel der Sonderausgabe des Elsevier-Berichts, Clinician of the Future: Nurses Edition, ist es, diese Erkenntnisse weiter vertiefen. Sie beleuchtet die Perspektiven von Pflegekräften weltweit detaillierter und macht auf einige besorgniserregende Entwicklungen aufmerksam. Besonders hervorzuheben sind dabei:“
KI-Nutzung bei Pflegekräften deutlich geringer als bei Ärztinnen und Ärzten:
41 % der Pflegekräfte nutzen KI regelmäßig, gegenüber 57 % bei Ärztinnen und Ärzten. Davon greifen 30 % regelmäßig auf klinikspezifische KI-Tools zurück, gegenüber 37 % der Ärztinnen und Ärzte. 18 % nutzen KI zur Unterstützung bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten, gegenüber 41 % bei Ärztinnen und Ärzten.
Gleichzeitig ist der Optimismus unter Pflegekräften höher:
61 % erwarten, dass KI die Versorgungsqualität in den nächsten 5 bis 10 Jahren verbessert, gegeünber 55 % bei Ärztinnen und Ärzten. 59 % erwarten eine Verbesserung der Behandlungsergebnisse innerhalb der nächsten 2 bis 3 Jahre, gegenüber 53 % bei Ärztinnen und Ärzten. 46 % glauben, dass KI ihre berufliche Autonomie stärkt, gegenüber 37 % bei Ärztinnen und Ärzten.
Teilhabe beeinflusst Wahrnehmung:
Nur 55 % der Pflegekräfte erwarten, dass KI ihnen in den nächsten 2 bis 3 Jahren Zeit spart – bei Ärztinnen und Ärzten sind es 70 %. Dies verdeutlicht, wie sich fehlende Teilhabe und aktive Einbindung in der Einführung von KI auf die praktische Nutzung im Alltag auswirken kann.
Amy Hall, Professorin und Dekanin der School of Nursing an der Franciscan Missionaries of Our Lady University kommentiert: „KI hat das Potenzial, die medizinische Versorgung grundlegend zu verbessern. Gleichzeitig fehlt es bislang an Lösungen, die gezielt auf die Bedürfnisse der Pflege zugeschnitten sind. Pflegekräfte müssen stärker in die Auswahl und Implementierung solcher Technologien einbezogen werden. Ohne diese Einbindung wird es schwieriger, KI sinnvoll in den Arbeitsalltag zu integrieren und einen echten Mehrwert für Patientinnen und Patienten zu schaffen.“
In einigen zentralen Punkten herrscht weitgehende Einigkeit zwischen Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften:
80 % sind überzeugt, dass KI medizinische Fachkräfte nicht ersetzen, sondern als unterstützendes Instrument am Point of Care und in der Entscheidungsfindung dienen wird. Mehr als 60 % sagen, dass transparente Quellenangaben und evidenzbasierte, peer-reviewte Inhalte das Vertrauen in KI deutlich erhöhen.
Angesichts der fortschreitenden Transformation des Gesundheitswesens durch KI sowie wachsender Herausforderungen durch Fehlinformationen unterstreicht der Bericht Clinician of the Future 2026 die Bedeutung inklusiver Entscheidungsprozesse bei der Einführung von KI sowie den Einsatz evidenzbasierter Technologien, um Vertrauen bei Fachkräften und Patientinnen und Patienten gleichermaßen zu stärken.
Weitere Informationen sowie den vollständigen Bericht und die Nurses Edition finden Sie unter: https://www.elsevier.com/insights/clinician-of-the-future/2026/nurses
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