Arbeitsmedizinische Muskel-Skelett-Befunde bei Beschäftigten der Bauwirtschaft und ihre Beziehung zu arbeitsbedingten körperlichen Belastungen
Teil 1: Schulter-Arm-Hand-Befunde

Zielsetzung: Auf der Basis von Untersuchungen an den oberen Extremitäten von Beschäftigten des Baugewerbes sollen wesentliche körperliche Befunde und deren Beziehungen zu Berufen und körperlichen Belastungen dargestellt werden. Daraus sollen Schwerpunkte für präventives Handeln abgeleitet werden.

Methoden: Die alters-, belastungs- und berufsbezogene Auswertung der Befunde erfolgt als Querschnittsuntersuchung aus Vorsorgeuntersuchungen an 103 913 (1991– 1999) bzw. 108 963 (1994–2003) überwiegend männlichen Beschäftigten.

Ergebnisse: Betriebsärzte diagnostizieren an den Schultergelenken bei Männern in 2,6 %/ bei Frauen 1,6 %, den Ellenbogengelenken 1,5 %/1,0 %, den Handgelenken 0,8 %/0,7 % sowie den Fingergelenken 1,2 %/0,6 % auffällige Befunde bei stetigen Altersanstieg. Bei den Schulterbefunden stehen Gerüstbauer, Glaser/Fensterbauer sowie Zimmerer mit 3,5, 2,9 und 2,5 % Befundträgern auf den ersten Rängen. An den Ellenbogen haben Ofensetzer, Pflasterer und Verputzer mit 2,1, 2,1 und 2,0 % die höchsten Befundraten. Beide Regionen zeigen eine Seitenbevorzugung rechts gegenüber links. Befunde an Handgelenken werden von Betonsteinherstellern, Kranführern und Glasern (2,9 %/ 1,5 %/1,3 % Befundträger) dominiert. An den Fingergelenken stehen neben den Betonsteinherstellern die Glaser und Straßenbauer (2,8 %/1,8 %/1,6 % Befundträger) an der Spitze. Hand- und Fingergelenksbefunde werden vorwiegend einseitig ohne Seitenbevorzugung festgestellt. Gleichzeitige Befunde an benachbarten Gelenken oder an oberen Extremitäten und Halswirbelsäule sind selten. Zwangshaltungen und Vibrationen werden als mögliche Belastungsursachen identifiziert, repetitive Belastungen können dagegen nur indirekt aus den betroffenen Berufen als Ursachen abgeleitet werden.

Schlussfolgerungen: Schultergelenkserkrankungen sind das häufigste und stark vom Lebensalter bestimmte Problem an den oberen Extremitäten. An den Ellenbogengelenken finden sich Hinweise für den Einfluss der beruflichen Belastungen. So zeigen sich Beziehungen zu den berichteten Vibrationsbelastungen und Zwangshaltungen. Aufgrund der betroffenen Berufsgruppen sollten repetitive Belastungen ebenfalls als mögliche Risikofaktoren weiter untersucht werden.
Aim: On the basis of medical examinations of the upper extremities of persons working in the construction industry, significant physical symptoms and their association with occupations and work processes are to be identified. Foci for preventive measures are to be identified from the results.

Methods: The cross-sectional study made use of data from preventive medical examinations of 103,913 (1991–1999) and 108,963 (1994–2003) mainly male employees, evaluated on the basis of age, work processes and occupation.

Results: Occupational physicians diagnosed abnormalities in the shoulders of 2.6 % of men and 1.6 % of women, in the elbows of 1.5 % and 1.0 %, the wrists of 0.8 % and 0.7 % and the finger joints of 1.2 % and 0.6 %, with a continual increase in prevalence with age. The shoulder was most affected in scaffolders, glaziers/window-makers and carpenters with prevalences of 3.5 %, 2.9 % and 2.5 %. The highest prevalences of abnormal findings for the elbows were found in stove fitters, plasterers and renderers: 2.1 %, 2.1 % and 2.0 %. In both regions the findings were more frequent on the right side than on the left. Abnormalities in the wrists were most common in manufacturers of concrete blocks, crane drivers and glaziers: 2.9 %, 1.5 %, 1.3 %. Findings for the finger joints were most frequent in manufacturers of concrete blocks followed by glaziers and road construction workers: 2.8 %, 1.8 %, 1.6 %. Hand and finger joint abnormalities were mostly diagnosed in only one hand without dominance of one side. Simultaneous effects on neighbouring joints or on the upper extremities and the cervical spine are rare. Forced attitudes and vibration were identified as potential causes of strain, repeated strain as a cause of injury could, however, be deduced from the affected occupations only indirectly.

Conclusions: Disorders of the shoulder joint are the most common of the problems with the upper extremities and are markedly agerelated. For the elbow joint there are hints of work-related strain: associations with reported exposure to vibration and uncomfortable working positions. On the basis of the affected occupations, repeated strain as a potential risk factor should be studied in more detail.

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