Grenzüberschreitende Gesundheitsregionen – Gefahr oder Chance?
Evaluation eines Pilotprojektes an der deutsch-schweizerischen Grenze

Hintergrund: Das 3-jährige Pilotprojekt einer Gesundheitsregion Lörrach-Basel soll für die Bürger des Trinationalen Eurodistricts Basel den Grenzeffekt auch im Gesundheitssektor überwinden. Es bezieht gesetzlich Krankenversicherte aus dem Landkreis Lörrach und den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft ein. Sechs deutsche und 22 Schweizer Krankenversicherungen sowie 14 deutsche und 8 Schweizer Institutionen der akut-stationären und rehabilitativen Versorgung sind beteiligt, etwa 400 000 Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme berechtigt. Aus Projekten innerhalb der Europäischen Unions (EU) sind Faktoren bekannt, die zum Gelingen einer grenzüberschreitenden Versorgungskonzeption fördernd beitragen oder sie im Gegenzug behindern. Mit dem Ziel einer gemeinsamen Gesundheitsregion soll das Pilotprojekt zeigen, inwieweit und unter welchen Rahmenbedingungen Auslandsbehandlungen im jeweiligen Nachbarland gesetzlich Versicherten langfristig sinnvoll ermöglicht werden können.
Methode: Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) und das KC-Q auf deutscher Seite analysieren das Pilotprojekt. Das Erhebungsinstrumentarium im multimodalen Ansatz wurde gemeinsam konzipiert. Für das erste Projektjahr 2007 stehen Daten aus 520 Kostenübernahmeanträgen und von Experteninterviews mit der deutschen Seite der Projektleitung und allen teilnehmenden deutschen Krankenversicherungen zur Verfügung.
Ergebnisse: Die Anfragen betrafen ein breites Leistungsspektrum. An erster Stelle standen orthopädische Leistungen (22,2 %). Die zehn häufigsten Diagnosen machen etwa 44 % des Spektrums aus. Die Initiative zur Auslandsbehandlung ging überwiegend (60 %) von den Versicherten aus. 11 Anfragen entsprachen den Bedingungen des Pilotprojektes. Über 97 % der Antragstellenden verfügten über eine private Zusatzversicherung für Auslandsbehandlungen. Weder Probleme beim medizinischen Ablauf der grenzüberschreitenden Behandlungen noch ein erhöhtes Risikopotential wurden beobachtet.
Diskussion: Die Inanspruchnahme von Schweizer Einrichtungen durch ergänzend private Finanzierung (über Zusatzversicherungen) übersteigt um ein Vielfaches Behandlungen infolge und zu den Bedingungen des Pilotprojekts. Zu den günstigen, im Projekt realisierten Gestaltungsfaktoren zählen eine unbürokratische Herangehensweise und Unterstützung durch die nationale und lokale Politik. Die Einschätzung zur Wirksamkeit behindernder Faktoren umreißt die für den weiteren Projektverlauf erfolgsrelevanten Handlungsfelder: z. B. Vertrautheit mit und Vertrauen in die Versorgungsstrukturen im Nachbarland.
Schlussfolgerungen: Der Blick auf Optionen und Barrieren eröffnet den Weg zu neuen Überlegungen zur Ausgestaltung grenzüberschreitender Gesundheitsregionen. Es bedarf belastbarer Daten für die Konkretisierung und Weiterentwicklung passgerechter Rahmenbedingungen.
Aim: The pilot project for a cross-border health region Lörrach-Basel, planned over a threeyear period, was implemented to reduce the border effect with respect to the health care sector for the citizens of the Trinational Eurodistrict Basel. Persons with statutory health insurance who live in the German district of Lörrach and the cantons of Basel are entitled to take part. Six German and 22 Swiss statutory health insurance companies and 14 German and 8 Swiss institutions of acute hospital care and rehabilitation participate, so that 400 000 citizens may take part. From projects within the European Union (EU) a number of barriers and facilitators are known to promote the success of transnational health care concepts or to hinder it. With the aim of creating a common health region, the pilot project deals with the questions as to how far and under what conditions health care in the neighbouring country can be made available to persons with statutory health insurance in future.
Methods: The pilot project is analyzed by the Swiss Health Observatory (Obsan), and in Germany by the KC-Q. The instruments for evaluation in the multimodal evaluation concept were developed in cooperation. For 2007, the first year of the project, 520 data sets were collected from applications for cross-border care and data from expert interviews with the German representatives of the binational project management and all German health insurance companies involved.
Results: The applications involved a broad spectrum of health care offers. Predominantly orthopaedic treatment (22%) was applied for. The top ten diagnoses accounted for 44% of the treatment spectrum. The initiative for treatment abroad was mainly (60%) taken by the insured persons themselves. 11 treatment applications were consistent with the conditions stipulated by the pilot project. More than 97% of the applicants for cross-border health care hold a complementary private health insurance for treatment abroad. Neither problems with the medical treatments nor increases in medical risk were observed.
Discussion: Cross-border care paid for via complementary private health insurance exceeded by far the cases resulting from and complying with the project conditions. The favourable factors realized in this project include unbureaucratic procedures and support by national and local politics. The summing up of factors considered to hinder effectiveness lists areas which need to be dealt with because they are relevant for success of the project: e.g. familiarity with and trust in the health care structures in the neighbouring country.
Conclusions: The consideration of options and barriers suggests new ways of structuring cross-border health regions. A good database is needed for realization and further development of the appropriate framework.

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