Studie zur Ernährung von Studentinnen
Teil 1: Körpergewicht, Größe, Body-Mass-Index und Essverhalten deutscher Studentinnen im internationalen Vergleich

Ziel: Unter den weiblichen Führungskräften in Deutschland gibt es einen recht hohen Anteil an untergewichtigen Frauen, die ihr niedriges Gewicht vor allem über bestimmte Formen restriktiven Essens erreichen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, ob auch junge, karriereambitionierte Studentinnen überdurchschnittlich häufig untergewichtig sind und ob sich schon bei ihnen verstärkt restriktive Verhaltensmuster beim Essen zeigen. Um diese Fragen zu beantworten, müssen in einem ersten Schritt über Körpergröße, Körpergewicht und Body-Mass-Index die Anteile an unter-, normal- und übergewichtigern Studentinnen ermittelt werden. Darüber hinaus sollen Fragen zum Essverhalten der Studentinnen Hinweise auf das Vorliegen eines restriktiven Essverhaltens geben.
Kollektiv und Methode: Den im Rahmen unserer Ende 2007 durchgeführten empirischen Studie hierzu von uns entwickelten und per E-Mail an alle 1044 Studentinnen der Hochschule Furtwangen verschickten Fragebogen sandten uns 265 Studentinnen (25,4 %) ausgefüllt zurück. Wir fragten die Probandinnen u. a. nach Größe und Gewicht. Bei den Fragen nach ihrem Essverhalten handelte es sich überwiegend um geschlossene Fragen.
Ergebnisse: Die von uns befragten Studentinnen waren im Durchschnitt 167,6 cm groß und 60,5 kg schwer. Der Durchschnitts-BMI der Studentinnen lag mit 21,11 kg/m2 im unteren Normalbereich. Auffällig war ein recht hoher Anteil an untergewichtigen jungen Frauen (13,9 %). Der Anteil übergewichtiger Studentinnen betrug insgesamt 10,3 %. Die meisten Probandinnen gaben an, an Hochschultagen nur unregelmäßig zu essen. Etwa die Hälfte der Studentinnen hatte schon eine oder mehrere Diäten zur Gewichtsreduktion durchgeführt. Viele nannten darüber hinaus weitere Strategien (z. B. mehr Sport oder das Meiden bestimmter dick machender Nahrungsmittel), mit deren Hilfe sie versuchten, ihr Gewicht konstant zu halten.
Schlussfolgerungen: Angestrebt wird von den meisten Studentinnen ein BMI im Bereich des unteren Normalgewichts bzw. sogar im Bereich des Untergewichts. Die Strategien, über die sie dies zu erreichen versuchen, werden überwiegend nicht als Reduktionsdiäten im eigentlichen Sinne wahrgenommen, sondern als normale Regulationsmechanismen, um das eigene Gewicht möglichst konstant zu halten. Allerdings besteht insbesondere bei Studentinnen mit einer hohen Leistungsund Selbstmotivation, kombiniert mit einem hohen Grad an Perfektionismus, bei der Anwendung solcher restriktiver Ernährungsstrategien häufig die Gefahr der Entwicklung einer – meist restriktiven – Essstörung. Schon möglichst frühzeitig ausreichendes Ernährungswissen im biopsychosozialen Kontext zu vermitteln, könnte hier eine wichtige präventive Maßnahme sein.
Aim: The percentage of underweight women in the population of women executives is almost twice that in the general female population of Germany. To attain this ideal, these women prefer certain forms of restrained eating. In this context it would be of interest to know whether the proportions of underweight young career-minded female students is also above average, and whether restrained eating patterns are frequent. To answer these questions it is necessary to establish the proportions of underweight, normal weight and overweight female students by asking for body height and body weight and determining the body-mass-index (BMI). In additional, questions about student nutrition habits should indicate whether they use forms of restrained eating.
Method: At the end of 2007 a questionnaire designed by us was sent by email to all 1044 female students of Furtwangen University, Germany. 265 students (25.4 %) returned the filled-in questionnaire. Among other questions, we asked the students for their weight and height. The nutrition behaviour questions were mainly closed-ended questions.
Results: The female students surveyed were on average 167.6 cm tall and weighed 60.5 kg. The average body mass index of these female students was 21.11 kg/m2 and thus in the low normal range. Conspicuously, the proportion of underweight young women was quite high (13.9 %). 10.3 % of the students were overweight. Most of the young women surveyed stated that they do not eat regular meals when they are at university. About half of the students had dieted to lose weight once or more often. Many of them reported other strategies to keep their weight stable such as more sport or avoidance of food that might make them fat.
Conclusions: Most of the students strive for a BMI in the low normal or even in the underweight range. They try to attain this by means of strategies which they do not consider to be a form of weight reduction diet, but a normal regulation mechanism to keep their weight constant. However, especially female students with a high level of perfectionism, staying power and self-motivation who practice such forms of restrained eating are at a high risk of developing an eating disorder, in most cases a restrictive eating disorder. An important preventive measure should be early instruction in nutrition science within a biopsychosocial context.

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