Burnoutrisiko bei Schuldnerberatern
Die Rolle von sozialer Unterstützung und Arbeitsbedingungen

Einleitung: Schuldnerberater arbeiten in engem Kontakt mit materiell, sozial und psychisch außerordentlich stark belasteten Menschen. Es ist aufgrund dieser Berufsmerkmale zu vermuten, dass Schuldnerberater – ähnlich wie Beschäftigte in typischen „Helferberufen“ – ein erhöhtes Risiko aufweisen, ein Burnout-Syndrom zu entwickeln. Die hier beschriebene Studie hatte zum Ziel, die Häufigkeit von Burnout unter Schuldnerberatern in Rheinland-Pfalz zu bestimmen. Sie ist damit die erste Studie, die sich systematisch mit dem Gesundheitszustand von Schuldnerberatern in Deutschland befasst. Weitere Ziele waren die Identifikation von Größen, die Einfluss auf die Entstehung des Burnout- Syndroms bei Schuldnerberatern ausüben und die Ableitung entsprechender Präventivmaßnahmen.
Methode: An 52 offiziell anerkannten Schuldnerberatungsstellen des Landes Rheinland- Pfalz wurde im Oktober 2006 eine Querschnittsstudie mittels einmaliger schriftlicher, anonymisierter und freiwilliger Befragung durchgeführt. Der Fragebogen enthielt die revidierte deutsche Version des „Maslach Burnout Inventory“ sowie Fragen zu den Arbeitsbedingungen, zur sozialen Unterstützung und zu soziodemografischen Merkmalen. Cut-Off-Werte > 3,5 wurden verwendet, um hohe Werte auf den drei Burnout-Dimensionen zu definieren.
Ergebnisse: Insgesamt beantworteten 63 Schuldnerberater (33 Frauen) im Alter zwischen 25 und 59 Jahren alle relevanten Fragen, was einer Teilnahmerate von 60,6 % entspricht. 26 Schuldnerberater (41,6 %) erzielten einen erhöhten Wert auf der Skala „emotionale Erschöpfung“ der deutschen Version des Maslach Burnout Inventory. Auf den anderen beiden Subskalen „Depersonalisation“ und „Persönliche Erfüllung“ wurden ähnlich erhöhte Werte nur in jeweils einem Einzelfall erzielt. Diejenigen Schuldnerberater, die mit einem Partner zusammenlebten, Kinder hatten oder an ihrer Arbeitsstelle mit mindestens einem weiteren Schuldnerberater zusammen arbeiteten, hatten seltener erhöhte Werte für emotionale Erschöpfung. Dagegen wiesen Schuldnerberater mit einer Vollzeitbeschäftigung häufiger hohe Erschöpfungswerte auf als Schuldnerberater mit einer Teilzeitstelle. In einer multivariaten Analyse (binärlogistische Regression) blieb die Wirkrichtung aller Einflussgrößen deutlich erhalten, aber keiner der identifizierten Zusammenhänge erreichte statistische Signifikanz.
Schlussfolgerung: Schuldnerberater sind stark von emotionaler Erschöpfung betroffen, was ein großes Risiko für die Entwicklung eines Burnout-Syndroms darstellt und als ernsthafter Hinweis auf einen verminderten Gesundheitszustand interpretiert werden kann. Daher sollten präventive Maßnahmen ergriffen werden, um die emotionale Erschöpfung zu vermindern und die Entwicklung von Burnout aufzuhalten. Mögliche Ansatzpunkte sind die Erhöhung des Maßes an sozialer Unterstützung auf der Arbeit, die Teilnahme an Supervision und die Begrenzung des Arbeitsumfanges.
Introduction: Debt counsellors work in close contact with clients who are under extreme material, psychological and social stress. Given these job characteristics, it may be assumed that debt counsellors – like other employees in human services – bear an increased risk of developing job burnout. The study described here was carried out to determine the frequency of job burnout among debt counsellors in Rhineland-Palatinate. It is the first systematic study of the health status of debt counsellors in Germany. Other objectives were to identify parameters influencing the risk of job burnout and to derive useful preventive measures.
Methods: A cross-sectional study involving 52 officially recognized debt counselling services in the Rhineland-Palatinate was carried out in October 2006 by means of a single, anonymous and voluntary survey. The questionnaire contained the revised German version of the “Maslach Burnout Inventory” as well as questions concerning working conditions, social support and sociodemographic factors. Cut off-points > 3.5 were used to define high values on the three burnout scales.
Results: Altogether 63 (33 women) debt counsellors aged between 25 and 59 years answered all relevant questions, a participation rate of 60.6 %. 26 debt counsellors (41.6 %) reached relatively higher scores (> 3.5) on the MBI-D’s emotional exhaustion subscale. On the other two subscales, comparable scores were reached by only one person in each case. The prevalence of high values for emotional exhaustion was lower for debt counsellors with children or a cohabiting partner, and for those who worked together with another debt counsellor. On the other hand, debt counsellors working full-time had high values for emotional exhaustion more frequently than debt counsellors working part-time. In a multivariate analysis (binary logistic regression) all these independent variables revealed a constant trend, but none of them reached statistical significance.
Conclusions: Debt counsellors are strongly affected by emotional exhaustion, which can be interpreted as both a serious symptom of impaired health and a high risk of later development of job burnout. Therefore, preventive measures should be taken to minimize the level of emotional exhaustion and stop the development of job burnout. Possible approaches are enhancing social support at work, restricting workload and offering supervision.

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