Anpassungsreaktionen von Büroangestellten auf einen Umzug – Befindlichkeitsstörungen als Teil der SBS-Problematik

Ziel: Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Angestellte den Umzug in ein neues Gebäude als Verbesserung oder als Verschlechterung wahrnehmen und welche intervenierenden Faktoren hierbei eine Rolle spielen. Dazu wurden zahlreiche Parameter an derselben Studienpopulation vor dem Umzug als auch danach erhoben. Methoden: In der ersten Studienphase wurden in zehn vom Stil her völlig unterschiedliche Gebäuden der Verwaltung des Universitätsklinikums Ulm chemisch-physikalische Parameter gemessen und das Befinden der Angestellten mit dem Fragebogen des ProKlimA-Projekts erfasst. Das gleiche Prozedere wurde kurz nach Umzug in ein neues Gebäude mit größeren Büroeinheiten und ein halbes Jahr später wiederholt (n = 84). Die Operationalisierung einer Befindlichkeitsstörung, wie sie im ProKlimA-Projekt definiert ist, wurde als dichotomes Zielkriterium herangezogen und mithilfe logistischer Regressionsverfahren untersucht. Ergebnisse: Die Prävalenz von Befindlichkeitsstörungen ist nach dem Umzug insgesamt erhöht (vorher 24 %, nachher 36 %). Gegen den Trend treten bei Personen aus einem großteiligen Gebäude kurz nach dem Umzug weniger Störungen auf (vorher 33 %, nachher 24 %). Die befindlichkeitsgestörten Personen haben generell ein negativeres Antwortverhalten und geben mehr Gesundheitsstörungen an. Die Zusammensetzung dieser Gruppe ändert sich über die Messzeitpunkte. Das relative Antwortniveau und der relative Abstand zu den nicht befindlichkeitsgestörten Personen bleiben aber gleich. Die gemessenen raumklimatischen und die chemische Parameter haben in diesem Falle keinen Einfluss. Schlussfolgerungen: Die vormalige Unterbringung bzw. „Sozialisation“ wirkt in Form einer unterschiedlich verlaufenden Anpassungsreaktion auf den Umzug nach. Bei einer Befindlichkeitsstörung handelt es sich um ein umfassendes Phänomen, bei dem nicht nur die körperlichen Empfindungen negativ betroffen sind. Zur Analyse ist die Berücksichtigung von Kontextfaktoren unumgänglich. Vor diesem Hintergrund scheint im Zusammenhang mit Befindlichkeitsstörungen – und in Konsequenz auch des Sick-Building-Syndroms – die Suche nach einem Normwert oder die Angabe eines Bezugssystems nur von beschränktem Nutzen zu sein.
Aim: The present study aims to investigate whether office workers experienced the move into a new office building as an improvement or a worsening of their working conditions and which factors play a role here. To this end, chemical and physical parameters of the indoor air as well as personal factors were measured both before and after the move. Methods: Before relocation, the employees of the administration of the University Hospital of Ulm located in ten very diverse buildings were surveyed for health status and psychosocial determinants with the ProKlimA-questionnaire. The same survey was carried out again shortly after the move to a new building with larger office units and also half a year later. Only respondents who took part in all three surveys were taken into account (n = 84). Impaired well-being as defined by the ProKlimA-study group was used as the criterion variable and subjected to logistic regression analysis. Results: The prevalence of impaired well-being rose from 24 % to 36 % after relocation. Furthermore, there was a distinct response pattern attributable to the former accommodation of the employees. In contrast to the general trend, the incidence of impaired well-being actually decreased among those persons who formerly worked in a building with large office units. The group of persons with impaired well-being had at all survey times a more negative overall response pattern and complained of more health problems. The persons in this group on the three survey dates differed. But the relative answer scores and the distance to the persons not suffering from impaired well-being remained constant. Chemical and physical parameters of indoor climate did not have any effects in this context. Conclusions: The process of adaptation to the new environment is influenced by the previous ‘socialization’ in the former office buildings. Impaired well-being is not limited to bodily complaints; it rather has a systemic character. For an adequate analysis of impaired well-being – and therefore of the Sick Building Syndrome – the elucidation of conceivable contributing factors is essential. Thus the search for norm values or a relational framework seems to be of limited value.

Downloads:

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

ASU-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den ASU-Newsletter kostenlos abonnieren:

ASU-Jobbörse

An der richtigen Stelle suchen. Bei der reichweitenstärksten Stellenbörse für die Arbeitsmedizin.

Zur Jobbörse

Kostenloses Probe-Abo

Die aktuelle Ausgabe

Gratis
Probe-Lesen

Jetzt kostenlos testen

Testen Sie unverbindlich zwei Ausgaben „ASU – Arbeitsmedizin | Sozialmedizin | Umweltmedizin“