ASU Ausgabe: 07-2018

Einführung

Impfschutz für alle

Das Thema Impfen gewinnt zwar gesundheitspolitisch zunehmend an Bedeutung, ist aber im Bewusstsein der Bevölkerung nicht prioritär verankert

Selbst im Freundes- und Bekanntenkreis kennt womöglich keiner seinen Impfstatus oder hat seinen Impfpass nicht griffbereit vorliegen. Wenn nicht gerade Eltern von kleinen Kindern oder Menschen, die in tropische Länder reisen wollen, befragt werden, dann wird eher auf Unverständnis oder Desinteresse gestoßen. Vielen Menschen ist die Bedeutung von Impfungen gar nicht klar. Und das, obwohl das Thema „Impfen“ zunehmend gesundheitspolitisch relevant ist und auch diskutiert wird. Die Durchimpfungsquote in der Bevölkerung und damit die Gesunderhaltung deutlich zu steigern, ist daher ein großes Anliegen des Gesetzgebers. Ute Teichert

Inhaltsübersicht

  1. Impfschutz für alle
  2. Autorin

Aus diesem Grund wurde von der Gesundheitsministerkonferenz 2016 die Nationale Lenkungsgruppe Impfen am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eingerichtet. Maria Sabine Ludwig weist in ihrem Beitrag auf die Bedeutung dieser Lenkungsgruppe hin und zeigt auf, wie wichtig auch die politische Unterstützung ist. Bei der Erreichung von Impfzielen sind Bund und Länder gleichermaßen gefragt, wenn nationale Impfziele umgesetzt werden sollen.

Impfen ist eine gesamtpolitische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Daher müssen auch alle Akteure daran beteiligt werden. Ärztinnen und Ärzte in den Arztpraxen wie Werks- und Betriebsärzte ebenso wie die Kolleginnen und Kollegen in den Gesundheitsämtern.

Über die anspruchsvolle Arbeit, bei der Umsetzung des Präventionsgesetzes mit Schutzimpfungen durch Betriebsärzte berichten Dirk Matthias Rose und Thomas Nessler. Impfen ist zwar als Aufgabe im Arbeitsschutzmanagement gesetzlich verankert, aber der Arbeitgeber, der Adressat der Arbeitsschutzgesetzgebung, hat nur Impfungen anzubieten, um Schäden durch die berufliche Tätigkeit abzuwenden, wie die Hepatitis-B-Impfung für Beschäftigte im Gesundheitswesen. Allgemeine Impfungen muss er nicht anbieten. Aber durch das Präventionsgesetz von 2015 sollen auch in den Betrieben allgemeine Impfungen durchgeführt werden. Da dies nicht die Aufgabe der Arbeitgeber ist, sollen die gesetzlichen Krankenkassen die Impfungen im Betrieb honorieren. Hinweise zu Stolpersteinen und Hürden in der praktischen Umsetzung werden von beiden Autoren im aktuellen Beitrag detailliert beschrieben.

Eine wichtige Hilfestellung im Arbeitsalltag und eine Arbeitserleichterung können die Erregersteckbriefe der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung darstellen. Linda Seefeld stellt diese Möglichkeit detailliert vor. Die Merkblätter können als PDF-Dokument in sechs verschiedenen Sprachen aus dem Internet heruntergeladen werden. Sie dienen zur Aufklärung der Bevölkerung bei verschiedenen Erkrankungen und sind sehr nützliche und praktische Hinweise für die Impfärzte. Niedergelassene Kollegen, Betriebsmediziner, aber auch Gesundheitsämter können mit diesem Tool Zeit bei der Impfaufklärung sparen.

In den 70er Jahren der alten Bundesrepublik war der Slogan „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“ in der Öffentlichkeit sehr präsent. Diesen Satz kannte ich auch persönlich als Kind sehr genau. Dieser Slogan wurde ständig als Werbespot im Fernsehen eingeblendet. Ich weiß auch noch, dass wir uns in der Turnhalle unserer Schule aufstellen mussten, weil das Gesundheitsamt kam und alle Kinder geimpft wurden.

Als ich dann später Ende der 90er Jahre anfing, im Gesundheitsamt zu arbeiten, gab es noch eine regelmäßige Impfsprechstunde und auch Impfbuchkontrollen in den Schulen. In meinen ersten Berufsjahren war ich als Impfärztin sehr aktiv, dies wurde dann jedoch nach einigen Jahren eingestellt. Es gab zahlreiche Aufgaben im Gesundheitsamt, die nicht erledigt werden konnten und impfen war nun mal keine Pflichtaufgabe. Und dann gab es noch die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, die sehr engagiert geimpft haben. So wurden die Aktivitäten des Gesundheitsamtes, in dem ich gearbeitet hatte, auf dem Gebiet das Impfens eingestellt. So oder in ähnlicher Weise ist dies auch in anderen Gesundheitsämtern abgelaufen. Diese Entwicklung führte dazu, dass heute öffentliche Impfsprechstunden nur noch vereinzelt in einigen Regionen angeboten werden; es gibt dafür keine fest etablierten Strukturen mehr vor Ort. Durch das Präventionsgesetz ist nunmehr die Möglichkeit eröffnet worden, dass Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst wieder verstärkt allgemeine Impfungen durchführen können. Die Kostenübernahme erfolgt durch die gesetzlichen Krankenkassen.

Es gibt auch Institutionen, die sich mit dem Thema Impfungen intensiv beschäftigen. Neben der Nationalen Lenkungsgruppe Impfen, der BZgA und weiteren Institutionen spielt auch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut eine wichtige Rolle. Gudrun Widders gibt einen Überblick zum aktuellen Stand mit Hinweis und Empfehlungen für impfende Ärzte. Sie ist selbst Mitglied der Ständigen Impfkommission und zeigt kurz und prägnant die wichtigsten Neuigkeiten auf, die für alle Impfärzte in der Praxis von Relevanz sind.

Wenn die Erhöhung der Durchimpfungsrate als gesamtpolitische und gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen wird, dann ist zu fordern, dass auch alle Akteure daran beteiligt werden. Nur so kann es auch gelingen, das Thema Impfen wieder in der Bevölkerung zu verankern. Die Grundlage ist mit dem Präventionsgesetz gelegt worden. Nun gilt es, dass alle Akteure Umsetzungsstrukturen aufbauen. Die Aktivitäten des Öffentlichen Gesundheitsdienstes werden in einer Folgeausgabe der ASU vorgestellt. Ich freue mich, dass in diesem Heft das Thema „Erhöhung der Durchimpfungsrate in der Bevölkerung“ und „Impfungen durch präventivmedizinisch tätige Ärztinnen und Ärzte“ als Schwerpunkt beleuchtet werden kann.

Literatur

Fussnoten

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