Prädiktoren der Arbeitsfähigkeit bei vorwiegend psychisch belasteten Berufsgruppen*

Zielstellung: Zur Identifizierung von Prädiktoren der Arbeitsfähigkeit (Af ) bei Frauen in psychisch belastenden Berufsgruppen wurde die Ausprägung arbeits- und personenbezogener Faktoren, v. a. der Gesundheit (Vitalität) im Berufsgruppenvergleich von Lehrerinnen und Bürofachkräften und der Zusammenhang dieser Faktoren zur Af untersucht. Methodik: Die Stichprobe bestand aus 100 Lehrerinnen und 60 Bürofachkräften (BFK) im Alter von 25–61 Jahren. Zur Erfassung der Af diente der Work Ability Index. Als arbeitsbezogene Faktoren wurden berufsanamnestische Daten, Arbeitsintensität, Tätigkeitsspielraum und Effort-Reward-Imbalance, als personenbezogene Faktoren Erholungsunfähigkeit, Lebensgewohnheiten sowie der gesundheitliche Zustand (Erkrankungen, Vitalitätsindikatoren, Beschwerden, Burnout-Risiko) berücksichtigt. Die prädiktive Wirkung der Einflussfaktoren wurde mit CHAID-Analysen überprüft. Ergebnisse: Insgesamt kann für beide Berufsgruppen ein objektiver Gesundheitszustand bestätigt werden, bei dem die mittleren Ausprägungen der untersuchten Variablen vorwiegend in günstigen bzw. risikoarmen Bereichen liegen. Lehrer differenzieren sich aber von BFK durch schlechtere Af, höhere Arbeitsintensität, ungünstigeres Verhältnis von Effort-Reward-Imbalance, schlechteres Hörvermögen, mehr selbst diagnostizierte psychische Befindlichkeitsstörungen, höheres Burnout-Risiko, stärkere Erholungsunfähigkeit, jedoch geringere Ausprägungen für Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und höhere mentale Leistungsfähigkeit sowie ein jüngeres vitales Funktionsalter. Als relevante Prädiktoren der Af lassen sich v. a. gesundheitliche Faktoren identifizieren: Verminderte Af liegt in beiden Berufsgruppen v. a. bei körperlichen Risikofaktoren vor (hohe Beschwerdenanzahl, mäßiger Fitnesszustand des Herz-Kreislauf-Systems, ungünstige Fettverteilung), hohe Af zeichnet sich dagegen bei Lehrern durch psychische Ressourcen aus (geringe Beschwerdenanzahl, kein Burnout-Risiko), bei BFK durch ein jüngeres vitales Funktionsalter. Diskussion und Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse spiegeln den förderlichen Einfluss von hohem Bildungsniveau und anspruchsvoller beruflicher Tätigkeit zur Erhaltung einer guten Af wider, machen andererseits aber auf die besondere psychische und psychosoziale Belastung der Lehrer aufmerksam. Bei Lehrern ist von einer höheren Wahrscheinlichkeit für ein gesundheitsbedingtes vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben auszugehen.
* Herrn Prof. Dr. med. Klaus Scheuch zum 65. Geburtstag gewidmet
Objective: This study aimed to identify predictors of working ability in women in professional groups with predominantly psychological strain; to this end personal and workrelated factors, especially state of health (vitality), were compared in teachers and office workers and the correlation of these factors with working ability was examined. Methods: Working ability and its modifying factors were analyzed for 100 female teachers and 60 female office workers aged between 25 and 61 years. The working ability was evaluated by means of the work ability index questionnaire. The occupational school-related situation, work demands, decision latitude at work and effort-reward-ratio were taken into account as work-related factors, inability to relax, lifestyle habits and the health situation (vitality, diseases, complaints, burnout risk) as personal factors. Predictors of working ability were determined by a CHAID analysis. Results: Although the majority of both professional groups reported a good health status, teachers had a lower working ability than office workers, higher work demands, greater effort-reward imbalance, poorer hearing, and more self-reported psychological complaints, higher burnout risk, higher inability to relax, but less cardiac risk factors, higher mental ability, and a younger vital functional age. Healthrelated factors represent the best predictors of working ability: in both professional groups poor working ability is associated with physical risk factors (many physical symptoms, less fitness of the cardiovascular system, unfavourable body fat distribution). In contrast, excellent working ability in teachers is associated with psychological resources (low level of psychological symptoms, no burnout risk) and in office workers with younger vital functional age. Discussion and Conclusions: The results reflect the positive effect of a high educational level and a sophisticated job on the preservation of good working ability. They draw attention to the psychological and psychosocial strain of teachers. Teachers tend to feel overstrained more frequently, that probably causes a higher retirement rate due to illness.

Downloads:

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

ASU-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den ASU-Newsletter kostenlos abonnieren:

ASU-Jobbörse

An der richtigen Stelle suchen. Bei der reichweitenstärksten Stellenbörse für die Arbeitsmedizin.

Zur Jobbörse

Kostenloses Probe-Abo

Die aktuelle Ausgabe

Gratis
Probe-Lesen

Jetzt kostenlos testen

Testen Sie unverbindlich zwei Ausgaben „ASU –Arbeitsmedizin | Sozialmedizin | Umweltmedizin“