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Rezension

Gerade für Personalverantwortliche, Führungskräfte, Betriebsräte, Betriebs- und Werksärzte, Gesundheitsmanager, Reha-Berater, Sozialarbeiter – und nicht zuletzt für die betroffenen Beschäftigten selbst – wird nachvollziehbar herausgearbeitet, dass es keine zentrale oder einheitliche Lösung für BEM geben kann. Das Buch grenzt sich damit bewusst von anderen Publikationen ab, die BEM häufig als hochkomplexes, kaum zu bewältigendes Expertenverfahren darstellten. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen fühlten sich dadurch in der Vergangenheit schnell überfordert. Das hier besprochene Werk wählt einen anderen, praxisnahen Zugang.

Den Herausgebern ist es gelungen, über zwanzig ausgewiesene Praktiker zu gewinnen, die ihre jeweils spezialisierten Erfahrungen einbringen. Dadurch entsteht ein facettenreicher Blick auf BEM: von den gesetzlichen Zielen und Rahmenbedingungen über die teils widersprüchlichen Erwartungen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite bis hin zu Erkenntnissen aus Arbeitsunfähigkeitsdaten der gesetzlichen Krankenkassen. Auch bestehende Unterstützungsangebote der Sozialversicherungsträger werden transparent dargestellt.

Besonders überzeugend ist die thematische Breite: Die Rolle von Betriebsvereinbarungen wird ebenso beleuchtet wie die Zusammenhänge zwischen BEM, „klassischem“ Arbeitsschutz und betrieblicher Gesundheitsförderung – fundiert durch empirische Erkenntnisse von Betriebs- und Personalräten. Ergänzend wird die wichtige Funktion der Betriebs- und Werksärzte praxisnah eingeordnet.

Ein großer Mehrwert liegt in den über 60 übersichtlich aufbereiteten FAQs, die zentrale und immer wiederkehrende (Rechts-)Fragen zum BEM beantworten. Diese machen das Buch zu einem echten Nachschlagewerk für den betrieblichen Alltag.

Darüber hinaus laden zahlreiche Praxisperspektiven zur Reflexion und Inspiration ein: BEM wird als Keimzelle eines erfolgreichen Betrieblichen Gesundheitsmanagements verstanden, als wirkungsvolles Ressourcenmanagement insbesondere für ältere Beschäftigte und als Instrument, das in KMU wie auch in Großunternehmen in jedem Einzelfall auf unterschiedlichen Wegen zum Erfolg führen kann. Ein eigenes Augenmerk gilt den oft wenig genutzten Unterstützungsleistungen im BEM durch die Träger der Sozialversicherung – ein Bereich, der auch für den klassischen Arbeitsschutz wertvolle Impulse liefert. Die möglichen Beiträge der Berufsförderungswerke zu Reha-Assessment, Qualifizierungsberatung, Arbeitsplatzanpassung, stufenweiser Wiedereingliederung und psychosozialer Begleitung verdeutlichen diese Potenziale eindrucksvoll.

Spezielle Kapitel zum BEM bei psychisch erkrankten Beschäftigten sowie zu Erfolgsfaktoren ihrer Eingliederung – teilweise unter Einbezug digitaler Plattformen – runden das Werk ab und greifen hochaktuelle Herausforderungen der Arbeitswelt (Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit im demographischen Wandel, Fachkräftemangel) auf.

Insgesamt zeigt dieses Buch eindrucksvoll: BEM bringt allen Beteiligten nur Vorteile, wenn Synergieeffekte bewusst genutzt und interne wie externe Akteure strategisch eingebunden und vernetzt werden. Damit leistet das Werk einen wichtigen Beitrag zur Entmystifizierung des BEM und bietet zugleich fundierte Orientierung und mit vielen praktischen Beispielen eine wertvolle Unterstützung für eine erfolgreiche Umsetzung im Unternehmen.

Hanns Wildgans, München-Brunnthal

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