ASU Ausgabe: 08-2013

Oberflächen-Elektromyographie in der Arbeitsmedizin, Arbeitsphysiologie und Arbeitswissenschaft – Teil 1*

Diese Leitlinie wird zur Anwendung bei der Erfassung muskulärer Beanspruchung in arbeitsmedizinischen, arbeitsphysiologischen und arbeitswissenschaftlichen Studien und zur Bewertung von Tätigkeiten z. B. im Rahmen einer vertieften Gefährdungsbeurteilung empfohlen. Mit der Leitlinie sollen die Punkte aufgezeigt werden, die im Sinne der Qualitätssicherung als wesentlich erachtet werden. Da der vorliegende Text nicht den Charakter eines Lehrbuches haben kann, wird an vielen Stellen lediglich die Komplexität der Methodik aufgezeigt und auf Standardwerke verwiesen (Laurig 1970, 1974; Rau 1977; Tichauer 1978; Einars 1979; Basmajian u. De Luca 1985; Göbel 1996; Luttmann 2001; Luttmann et al. 2001; Göbel 2004; Strasser 2006; SENIAM 1999; Merletti u. Parker 2004). Anwendungsbeispiele illustrieren den praktischen Einsatz der Oberflächen-Elektromyographie (OEMG) unter verschiedenen Fragestellungen.

Vergleichsweise häufig werden mit der OEMG Fragestellungen adressiert, die sich mit der Arbeitsbedingtheit muskuloskelettaler Beschwerden beschäftigen, mit der Frage, ob einzelne Elemente einer Arbeitstätigkeit zu Fehl-, Über- oder Unterbeanspruchungen führen, Anpassungsreaktionen der Muskulatur auslösen oder entspannend wirken können. Aber auch die Beurteilung oder prospektive Gestaltung eines Arbeitsplatzes oder Arbeitsablaufs und die Bewertung der Wirksamkeit von Interventionsmaßnahmen können OEMG-Analysen notwendig oder zumindest zu einer ergänzenden analytischen Methode werden lassen. Hierbei gestatten es rechnergestützte, mehrkanalige elektromyographische Verfahren, nach einer geeigneten Normalisierung die lokale Muskelbeanspruchung, aufgeteilt in statische und dynamische Komponenten, als diejenigen „physiologischen Kosten“ mit Maß und Zahl zu bestimmen, die von der in die Arbeit involvierten Muskulatur „bezahlt“ werden müssen. Zusätzlich existieren verschiedene Verfahren, um muskuläre Ermüdung zu beschreiben. Die OEMG ergänzt im Hinblick auf die bewegungstechnische Arbeitsgestaltung Systeme vorbestimmter Zeiten (z. B. Methods Time Measurement (MTM) oder Work Factor (WF)), die sich lediglich an der Dimension „Zeit“ bzw. dem Zeitbedarf für elementare Bewegungen orientieren. Die genannten Fragestellungen können vorrangig in gruppenvergleichenden Studiendesigns im Rahmen von Modellierung oder Simulation von Tätigkeiten untersucht oder im Rahmen von Felduntersuchungen bearbeitet werden.

Das Ziel der vorliegenden Leitlinie ist es, Anwendern aus dem Bereich der Arbeitswissenschaft, Ergonomie, Arbeitsphysiologie und Arbeitsmedizin Möglichkeiten und Grenzen der Methode der OEMG aufzuzeigen und durch konkrete Empfehlungen eine sachgerechte und qualitativ hochwertige Anwendung zu fördern. Die Erarbeitung dieser Leitlinie erfolgte gemäß dem Leitlinien-Manual (2001) der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und der ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung (ÄZQ). Das Vorgehen ist im Leitlinien-Report dargestellt.

Beachten Sie bitte die für das arbeitsmedizinische Leitlinienprinzip geltenden Besonderheiten sowie die sonstigen fachgebietsrelevanten Handlungsempfehlungen. Die in dieser Leitlinie vorgeschlagenen Maßnahmen entsprechend dem allgemein anerkannten Stand der Wissenschaft.

1 Einführung in die Begrifflichkeiten, Methodik und Anwendungsfelder Unter Oberflächen-Elektromyographie (OEMG) versteht man die Ableitung, Analyse und grafische Darstellung elektrischer Vorgänge in der Muskulatur („myo“ kennzeichnet Begriffe, die zum Muskel gehören). Mittels Elektroden an der Hautoberfläche werden Summenaktionspotentiale abgeleitet, die bei einer Aktivierung eines Muskels...

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