Gesundheitsstörungen bei Arbeitslosen

Ziel: Auf der Grundlage einer bevölkerungsbasierten Erhebung und einer Auswahl von Gesundheitsstörungen sollen Prävalenzunterschiede zwischen Arbeitslosen und Erwerbstätigen identifiziert werden. Kollektiv und Methode: Zwischen Oktober 1997 und März 1999 wurde der erste gesamtdeutsche Bundesgesundheitssurvey in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt, bei dem sowohl körperliche Erkrankungen als auch psychische Störungen erfasst wurden. Die Analysen umfassen n = 243 Untersuchte des Kernsurveys (Alter: 20–59 Jahre). Mittels logistischer Regressionen wurden die Assoziationen zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheitsstörungen stratifiziert nach Geschlecht und unter Berücksichtigung des Alters und der sozialen Schicht analysiert. Ergebnisse: 1. Beim Vergleich der Erwerbstätigen mit den Arbeitslosen lässt sich insbesondere für Männer eine höhere Quote an Gesundheitsstörungen nachweisen. So ist bei Männern des Kernsurveys Arbeitslosigkeit mit Asthma bronchiale (OR = 2,58), Diabetes mellitus (OR = 2,48) arterieller Hypertonie (OR = 1,53) und selbst berichteten psychischen Störungen (OR = 2,52) assoziiert. Die Assoziation mit psychischen Störungen beschränkt sich nicht allein auf depressive Störungen, sondern umfasst nach Ergebnissen eines Zusatzsurveys ein breites Spektrum an Diagnosen. 2. Bei Frauen waren diese Zusammenhänge inkonsistenter und nicht signifikant. 3. Bei ausgewählten Risikofaktoren (Rauchen, erhöhte Cholesterinwerte, BMI > 30) ergaben sich weder bei Männern noch bei Frauen bedeutsame Assoziationen mit Arbeitslosigkeit, nachdem hinsichtlich Alter und sozialer Schicht adjustiert wurde. 4. Die meisten Assoziationen zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheitsstörungen waren in den alten Bundesländern stärker ausgeprägt als in den neuen Bundesländern. Schlussfolgerungen: Maßnahmen zum Erhalt, zur Förderung und zur Wiederherstellung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit sollten bei männlichen Arbeitslosen nicht allein auf psychische Störungen fokussieren, sondern auch auf Atemwegserkrankungen, Diabetes mellitus und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Erklärungsbedürftig bleibt die Abwesenheit entsprechender Befunde für die Frauen.
Aim: To identify differences in the prevalence of selected disorders in unemployed and employed persons in a population-based health survey. Method: The first nationwide German Health Interview and Examination Survey was carried out between October 1997 and March 1999 and recorded both physical and mental disorders. The analysis encompasses n = 5243 subjects of the core-survey aged 20 to 59 years. Associations between unemployment and disorders stratified by sex and adjusted for age and social status were analyzed by means of logistic regression. Results: 1. Higher disorder frequencies were found in unemployed men than in employed men for bronchial asthma (OR = 2.58), diabetes mellitus (OR = 2.48), arterial hypertension (OR = 1.53), and self-reported mental disorders (OR = 2.52). The association with mental disorders is not restricted to depression but rather encompasses a broad spectrum of mental disorders. 2. Differences between unemployed and employed women were inconsistent and insignificant. 3. Associations between selected risk factors (smoking, high cholesterol, BMI > 30) and unemployment did not reach significance after adjusting for age and socio-economic status. 4. Unemployment was more closely associated with most disorders in Western Germany than in Eastern Germany. Conclusions: Measures to maintain, promote, and restore employability should focus not only on mental disorders of unemployed men but also on respiratory diseases, diabetes mellitus, and cardiac risk factors. The absence of similar associations for women requires further explanation.

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