Medizinisches Lexikon der beruflichen Belastungen und Gefährdungen

Entnommen aus dem Medizinischen Lexikon der beruflichen Belastungen und Gefährdungen, K. Landau - G. Pressel (Hrsg.), 2., vollständig neubearbeitete Auflage 2009. Das Lexikon können Sie in unserem Bookshop erwerben.

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Alkoholismus

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Alkoholiker „exzessive Trinker, deren Abhängigkeit vom Alkohol einen solchen Grad erreicht hat, dass sie deutliche geistige Störungen oder Konflikte in ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit, ihren mitmenschlichen Beziehungen und ihren sozialen und wirtschaftlichen Funktionen aufweisen, oder sie zeigen Prodrome einer solchen Entwicklung; daher brauchen sie Behandlung“.
Das wesentliche Merkmal des Alkoholismus, der 1968 als Krankheit anerkannt wurde, ist die körperliche und/oder psychische Abhängigkeit vom Alkohol.
Psychische Abhängigkeit bedeutet, dass das gesamte Denken auf den Alkoholkonsum zentriert ist. Hierzu zählt auch der unbezwingbare Drang, sich alkoholische Getränke um jeden Preis, im Extremfall sogar durch kriminelle Handlungen, zu beschaffen. Mit dem Alkoholkonsum wird anfangs in erster Linie der Zustand des Losgelöstseins, des Wohlbefindens und der Euphorie angestrebt. Später geht es nur noch um die Linderung der beim Alkoholentzug auftretenden emotionalen Niedergeschlagenheit und körperlichen Komplikationen. Für Alkoholkranke ist der Alkohol zum Mittelpunkt ihres Lebens geworden, dem alle anderen Interessen und Bindungen untergeordnet werden. Sie sind unfähig, den Alkoholkonsum langfristig einzustellen, und sehen keine Chance, sich aus eigener Kraft von der Sucht zu befreien.
Mit körperlicher Abhängigkeit sind insbesondere die Erhöhung der Toleranz gegenüber Alkohol sowie die daraus resultierenden Entzugserscheinungen im Falle des Nichtkonsums gemeint. Der Körper beginnt, sich an den Alkohol zu gewöhnen. Die Folge ist, dass die Dosis gesteigert werden muss, um weiterhin die gewünschte Wirkung zu erzielen. Auf die kontinuierliche Dosissteigerung reagiert der Körper mit Gegenregulationen des Stoffwechsels. Dies führt einerseits dazu, dass Alkoholmengen vertragen werden, die normalerweise tödlich wären. Andererseits hat die Umstellung des Stoffwechsels zur Folge, dass körperliche und psychische Komplikationen auftreten, sobald die Alkoholzufuhr unterbrochen wird (Entzugssymptome). Diese Komplikationen können nur durch erneuten Alkoholkonsum gemildert werden.
Ein weiteres wesentliches Merkmal des Alkoholismus ist schließlich noch der Kontrollverlust. Der Betroffene ist bereits nach einer geringen Menge Alkohol nicht mehr in der Lage, mit dem Trinken aufzuhören. Häufig wird das Trinkende erst durch schwere Rauschsymptome, wie z. B. den sog. „Terminalschlaf “, erzwungen.
Eine genaue Abgrenzung zwischen unbedenklichem Alkoholgenuss, missbräuchlichem Konsum und Alkoholabhängigkeit ist grundsätzlich schwierig, da die Entwicklung hin zum Alkoholismus schleichend und langwierig verläuft. Dennoch gibt es grobe Anhaltspunkte für einen risikoarmen Konsum: So sollte der tägliche Verzehr bei Frauen nicht mehr als zwei kleine Gläser Bier oder ein kleines Glas Wein (ca. 0,125 l) und bei Männern nicht mehr als drei kleine Gläser Bier oder ca. 0,2 l Wein betragen. Als besonders wichtiges Kriterium kommt jedoch hinzu, dass an mindestens zwei bis drei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol verzichtet werden sollte, um eine Gewöhnung zu vermeiden.
Von Alkoholmissbrauch spricht man nach Definition der WHO, wenn der Konsum ein solches Ausmaß annimmt, dass hierdurch körperliche und psychische Störungen entstehen, gleichzeitig jedoch noch keine Abhängigkeit vorliegt. Missbräuchlicher Alkoholkonsum ist z. B. daran erkennbar, dass er täglich erfolgt, dass er gegenüber der soziokulturellen Norm erhöht ist, dass er zu unpassender Gelegenheit (z. B. bei der Arbeit oder im Straßenverkehr) erfolgt, dass er gezielt zum Abbau von Spannungen, Ängsten und Frus- trationen eingesetzt wird oder dass er sichtbare Veränderungen der psychischen und/oder physischen Funktionen bewirkt. Weitere Symptome missbräuchlichen Alkoholkonsums sind, dass der Betroffene wichtige Verpflichtungen (z. B. Arbeit, Kinderbetreuung) nicht mehr erfüllt, dass er sich Gefahren aussetzt (z. B. betrunken Maschinen bedienen oder Auto fahren), dass er mit dem Gesetz in Konflikt gerät (z. B. Missachtung der Verkehrsregeln) oder dass es zu zwischenmenschlichen Problemen (z. B. Ehekonflikte) kommt.

Dieser Eintrag ist ein Auszug aus dem Medizinischen Lexikon der beruflichen Belastungen und Gefährdungen, K. Landau - G. Pressel (Hrsg.), 2., vollständig neubearbeitete Auflage 2009. Das Lexikon können Sie in unserem Bookshop erwerben.

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