ASU Ausgabe: 05-2018

Schwerpunkt

Die BGM-Studie „whatsnext“

Empfehlungen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)

Abb. 1: Die größten Herausforderungen für KMU

Abb. 1: Die größten Herausforderungen für KMU

Betriebliches Gesundheitsmanagement  Der folgende Beitrag umfasst ausgewählte Ergebnisse der Studie „whatsnext – Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt“, einem Projekt des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), der Techniker Krankenkasse und der Haufe-Gruppe. Als eine der größten Zukunftsstudien, die es je in Deutschland zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) gegeben hat, zeigt sie die aktuelle und zukünftige Bedeutung zahlreicher Aspekte des BGM aus Sicht von Unternehmens- und Gesundheitsverantwortlichen auf. Fabian Krapf et al.

Inhaltsübersicht

  1. Die BGM-Studie „whatsnext“
  2. Info
  3. Weitere Infos
  4. Koautoren
  5. Für die Autoren

Veränderung der Arbeitswelt

Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Arbeitswelt zunehmend. Das genaue Ausmaß dieser Veränderungen ist schwer zu greifen. Sicher ist jedoch, dass sie auch kleine und mittlere Unternehmen vor neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen stellt ( Abb. 1). So erfordern beispielsweise die steigende Komplexität und Menge der Aufgaben, die höheren Ansprüche an Informationsverarbeitung und auch die permanente Erreichbarkeit innovative Lösungen. Die umfassenden Daten der whatsnext-Studie lassen verschiedene Entwicklungstendenzen im BGM erkennen ( Tabelle 1). Diese seien nachfolgend zunächst erläutert, bevor daraus im zweiten Teil des Beitrags konkrete Handlungsempfehlungen für KMU abgeleitet werden.

Entwicklungstendenzen im BGM

BGM wird zielgruppenspezifischer

Die Entwicklungen in der Arbeitswelt zeigen auf, dass das klassische Gießkannenprinzip nicht ausreicht, um den Großteil der Beschäftigten mit Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) wirklich zu erreichen. Allein die jeweilige Arbeitsweise in verschiedenen Abteilungen bringt unterschiedliche gesundheitliche Schwierigkeiten mit sich, und auch die Erreichbarkeit von Beschäftigten im Außendienst ist nicht vergleichbar mit der von Büroangestellten. Zudem werden Belegschaften immer vielfältiger, was bei der Maßnahmenplanung unbedingt zu berücksichtigen ist.

BGM wird systematischer

Um bei den Beschäftigten wirklich anzukommen, müssen individuelle Bedürfnisse berücksichtigt und spezifische Maßnahmen entwickelt werden. Das Grundgerüst bilden hierbei systematische Bedarfsanalysen mittels Befragungen, Beobachtungsverfahren, Interviews oder Workshops. Ein Vorteil der systematischen Herangehensweise ist, dass am Ende eine genaue Erfolgsmessung steht. Diese Ergebnisse können in einem Kennzahlensystem zusammengeführt werden, was die Nachverfolgung und Überprüfung von Umfang, Art und Erfolg aller Gesundheitsmaßnahmen in der eigenen Organisation möglich macht.

BGM wird digitaler und spielerischer

Den größten Bedeutungszuwachs bei den BGM-Themen hat in den nächsten fünf Jahren die digitale BGF. Das bringt viele Vorteile mit sich, denn mit Gesundheits-Apps, Wearables (tragbare Sensoren) und Gesundheits-Portalen lassen sich zielgruppenspezifische Maßnahmen deutlich leichter umsetzen. Auch der spielerische Aspekt nimmt dabei laut der Studie zukünftig eine wichtigere Rolle ein. So können Schrittzähleraktionen oder persönliche Ranglisten die Motivation fördern und gesundheitsförderliches Verhalten mit Spaß verstärken. Trotz der Vorteile dürfen die Risiken selbstverständlich nicht außer Acht gelassen werden. Durch den zunehmenden Einsatz digitaler Verfahren wird u.a. der Schutz personen- und gesundheitsbezogener Daten noch mehr an Bedeutung gewinnen.

BGM wird aufsuchender

Eine der großen Herausforderungen in der BGF ist es, auch die weniger gesundheitsaffinen Beschäftigten zu erreichen. Für diese Personengruppe sind externe Angebote wie die Laufgruppe nach Feierabend weder interessant noch überzeugend. Für eine nachhaltige Sensibilisierung der gesamten Belegschaft stellen aufsuchende Gesundheitsmaßnahmen deshalb eine vielversprechende Möglichkeit dar. Dabei werden die Beschäftigten direkt am Arbeitsplatz, oft auch während der Arbeitszeit, mit Gesundheitsangeboten und Informationen konfrontiert.

BGM wird mehr inhouse gelöst

Für Gesundheitsmaßnahmen kommen zukünftig verstärkt auch interne Lösungen zum Einsatz. Darunter wird verstanden, dass bereits gesundheitsaffine Beschäftigte zu Multiplikatoren – z. B. „Gesundheitsbotschaftern“ – ausgebildet werden. Sie erhalten den Auftrag, sich für die Gesundheit ihrer Kolleginnen und Kollegen zu engagieren und haben die Möglichkeit, Gesundheitsangebote direkt an den Arbeitsplatz zu bringen. Eine zeitsparende und nachhaltige Methode, die noch weitere Vorteile mit sich bringt. So können beispielsweise Gesundheitsbotschafter mit Migrationshintergrund durch ihre Herkunft und Mehrsprachigkeit auch die Beschäftigten begeistern, die ansonsten aufgrund sprachlicher oder kultureller Barrieren möglicherweise nicht erreicht werden.

BGM wird kommunikativer

Nach der digitalen BGF erlangt die Gesundheitskommunikation den zweitgrößten Bedeutungszuwachs bei den BGM-Themen. Das ist gut nachvollziehbar, denn transparente Kommunikation spielt für Akzeptanz und Verständnis von Veränderungen eine ausschlaggebende Rolle. Bei der Umsetzung von Gesundheitskommunikationsmaßnahmen bietet sich eine Kombination aus verschiedenen Techniken an, die auch im klassischen Marketing Anwendung finden. Besonders wichtig – insbesondere in KMU – ist dabei die persönliche Kommunikation. Durch sie ist direktes Feedback, die Beantwortung konkreter Fragen, aber auch die Vermittlung von emotionalen Botschaften möglich. Auch neuartige Kommunikationswege wie „gesunde“ Betriebsausflüge, Gesundheitstheater oder Gesundheits-Flashmobs werden an Bedeutung zunehmen.

Empfehlungen für KMU

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich BGF und BGM in kleinen und mittleren Unternehmen im Zeitalter von Arbeit 4.0 deutlich verändern werden. Sie sollten sich früh darauf einstellen und Lösungen entwickeln. Basierend auf den Ergebnissen der whatsnext-Studie für die Gruppe der KMU ergeben sich die folgenden Handlungsempfehlungen (s. Infobox). Die Praxistipps helfen dabei, das BGM erfolgreich an die zukünftigen Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt und die veränderten Bedürfnisse der Beschäftigten anzupassen.

Literatur

Krapf F et al.: Studienband #whatsnext – Gesund arbeiten in der digitalen Arbeitswelt.Sonderveröffentlichung in: Straub R (Hrsg.): Personalmagazin – Management, Recht und Organisation. Freiburg, 2017.

Krapf F et al.: Gesund arbeiten in der Zukunft. Wie Mitarbeiter und Unternehmen im digitalen Wandel gesund bleiben.Praxisratgeber der Sonderveröffentlichung in: Straub R. (Hrsg.): Personalmagazin – Management, Recht und Organisation. Freiburg, 2017.

Interessenkonflikt: Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Literatur

Fussnoten

  • Tabelle 1: Stichprobenbeschreibung der whatsnext-Studie

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