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Rezensionen

Ulrike Hein-Rusinek, Köln

Wie kann in Zeiten rasanten Wandels Arbeit menschengerecht und nachhaltig gestaltet werden? Für die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung kann es keine spezifischen betrieblichen Gestaltungslösungen von der Stange geben, so führt Isabel Rothe, Präsidentin der BAuA, im Vorwort des gerade erschienenen neuen Fachbuches aus. Das Thema ist noch ein „Pionierfeld“, in dem Verständnisweisen und Erfahrungen ausgetauscht und Sichtweisen und Anforderungen abgestimmt werden müssen. So hat jeder Betrieb seinen individuellen, passgenauen Lösungsweg selbst zu finden.

Auf die Ambivalenz des Begriffs „Psychi-sche Belastung“ gehen David Beck, Martina Morschhäuser und Hans Martin Hasselhorn stellvertretend für das Projektteam ein: Psychi-sche Belastung kann durchaus gesundheitsfördernde Wirkung haben, wenn Handlungsspielräume vom Beschäftigten als positiv erlebt werden oder herausfordernde Arbeitsinhalte zu seiner persönlichen Weiterentwicklung beitragen. Gesundheitsbeeinträchtigend kann psychische Belastung jedoch bei lang-andauerndem hohen Zeit- und Leistungsdruck und bei ungünstig gestalteter Schichtarbeit wirken. Im Rahmen der Gefährdungsbeurtei-lungen seien, so die Autoren, nicht nur die negativen, sondern auch die positiven Ausprä-gungen psychischer Belastung zu betrachten und zu kommunizieren.

Dazu soll das Buch Orientierung vermitteln und Anregungen geben. Es basiert auf den Ergebnissen eines Projekts der BAuA, das einerseits die einschlägige Fachliteratur, die Rechtsgrundlagen und Leitlinien zum Thema analysierte, als auch den Austausch der Wis-senschaft und der Praxis auf dem Handlungs-feld „Psychische Belastung“ suchte. Es wurden Fallstudien von Beispielen Guter Praxis recher-chiert, Experteninterviews geführt und fach-liche Stellungnahmen zu ausgewählten Fragen eingeholt. So beeindruckt die umfassende, aber auch für alle Akteure lesbare wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas ebenso wie der facettenreiche Praxistransfer. Analyse-instrumente wie Beobachtungsinterviews, Mitarbeiterbefragungen und moderierte Verfahren werden anhand von Pro und Contra vorgestellt. Erfahrungen und Tipps aus der Praxis sowie Kontaktdaten von Ansprechpartnern ermuntern jeden Leser für sich bzw. sein betriebliches Umfeld den geeigneten Lösungsweg zu suchen und zu finden – immer in dem Bewusstsein, in einen fortlaufenden Pro-zess einzusteigen, der die Beurteilung und stete Verbesserung der Arbeitsbedingungen und nicht die Beurteilung einzelner Beschäftigter und deren Gesundheit zum Inhalt hat.

Für die Gefährdungsbeurteilung psychi-scher Belastung ist das vorliegende Fachbuch nicht nur eine sehr lesenswerte und praxisnahe Handlungshilfe. Die noch recht verbrei-tete Scheu vor dem Thema „Psyche“ kann durch die authentischen und ehrlichen Darstellungen des Buches hoffentlich vermindert werden.

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