ASU Ausgabe: 03-2013

DGUV-Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen

Neue Empfehlungen zu Tätigkeiten mit Chloroplatinaten

Dr. Harald Wellhäußer, Dr. Uta Müller

Vorwort

Platinsalze sind aufgrund zahlreicher Fallbeschreibungen bekannt als Stoffe mit einem hohen Sensibilisierungspotenzial. Grundsätzlich ist das allergene Potenzial auf halogenierte Platinverbindungen beschränkt und nimmt mit der Zahl der Halogenliganden zu. Die potentesten Allergenformen sind Tetrachloroplatinate und Hexachloroplatinate, die daher ein relevantes arbeitsmedizinisches Problem bei beruflich exponierten Personen darstellen.

Chloroplatinate kommen in der Arbeitswelt heute unter anderem bei der Herstellung von platinhaltigen Katalysatoren sowie in Galvanikbetrieben und Edelmetallscheidereien vor.

Gefährdet sind insbesondere Beschäftigte in der Produktion, die in Arbeitsbereichen mit möglichem direktem Kontakt zu Chloroplatinaten tätig sind. Eine relevante Exposition kann darüber hinaus auch für Handwerker, Reinigungspersonal und Laboranten in solchen Produktionsstätten bestehen.

Die Manifestierung einer Platinsalzallergie wurde, mit Ausnahme der cis-Platinallergie, bislang ausschließlich bei beruflicher Exposition beschrieben (Bernstein et al. 2006). Die Aufnahme erfolgt hauptsächlich über die Atemwege. Es ist aber bisher unklar, ob die Sensibilisierung über die Atemwege oder die Haut erfolgt. Daher sollte neben der Inhalation auch der Hautkontakt vermieden werden.

Überempfindlichkeit gegenüber Platinsalzen entwickelt sich meist verzögert mit einer Latenzzeit von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Bei sensibilisierten Beschäftigten besteht vor allem die Gefahr, ein chronisches Asthma bronchiale (Berufsasthma) zu entwickeln. Besondere Risiken ergeben sich bei Rauchern.

Es gibt derzeit für Chloroplatinate keinen Arbeitsplatzgrenzwert. Daten aus einer Längsschnittstudie in einer Katalysatorfertigung zeigen aber, dass bei der Manifestation einer Sensibilisierung eine Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht (Merget et al. 2003). Zudem konnte die Studie belegen, dass die Dauer der fortbestehenden Exposition mit hoher Belastung nach erfolgter Sensibilisierung für die Prognose entscheidend ist. Je früher die Sensibilisierung erkannt und je eher eine Expositionskarenz nach Symptombeginn eingeleitet wird, desto höher ist die Chance auf eine vollständige Rückbildung der Symptome ohne pulmonale Alteration.

Nach orientierenden Schätzungen setzen deutlich über 20 Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland Chloroplatinate ein; der potenzielle Kreis der zu Untersuchenden, der nach den neuen Empfehlungen untersucht werden könnte, beträgt mehrere hundert Beschäftigte.

Die Empfehlungen zu Tätigkeiten mit Chloroplatinaten (kurz: Empfehlungen „Chloroplatinate“) wurden als Vorsorgeinstrument entwickelt, da folgende Voraussetzungen vorlagen:

  • es gibt geeignete und spezifische diagnostische Instrumente für eine Untersuchung
  • die vorgeschlagene ärztliche Untersuchung hat präventives Potenzial
  • für den Beschäftigten resultieren insgesamt gesundheitliche Vorteile durch gezielte Vorsorgeuntersuchungen.

Mit Hilfe der in den Empfehlungen „Chloroplatinate“ genannten Untersuchungsmethoden, unter anderem einem Pricktest, besteht die Möglichkeit, eine Sensibilisierung frühzeitig, d.h. ggf. auch schon vor dem Auftreten erster Symptome, zu diagnostizieren. Es liegt im Ermessen des Arztes zu entscheiden, welche diagnostischen Methoden er heranziehen möchte, um eine mögliche Sensibilisierung zu entdecken.

Die Empfehlungen geben darüber hinaus Hinweise dazu, unter welchen Bedingungen eine Weiterbeschäftigung eines sensibilisierten Mitarbeiters in sog. Low- oder Very-Low-Exposure-Bereichen aus arbeitsmedizinischer Sicht möglich ist.

Es ist prinzipiell bekannt, dass die Prognose bei einem manifestem Berufasthma schlecht ist. Beschwerdefreiheit bei manifestem Berufsasthma tritt nach Expositionskarenz bei maximal der Hälfte der Fälle auf. Hier bietet die Anwendung der neuen Empfehlungen „Chloroplatinate“ dem Betriebsarzt die Möglichkeit, zuverlässige und vor allem frühzeitige Hinweise auf eine mögliche gesundheitliche Gefährdung zu erhalten und rechtzeitig geeignete Maßnahmen zur Vermeidung einer manifesten Asthmaerkrankung einzuleiten.

Es entspricht der Logik und auch der Tradition der Grundsätze, dass stoffspezifische Grundsätze Vorrang vor der Integration in allgemeinere Grundsätze haben. Es ist vorgesehen, die Empfehlungen „Chloroplatinate“ an geeigneter Stelle mit der nächsten Neuauflage in die DGUV-Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen aufzunehmen.

Die Inhalte der Empfehlungen „Chloroplatinate“ werden hiermit der breiten arbeitsmedizinischen Fachwelt zur Kenntnis gegeben mit der Bitte um kritische Diskussion und Rückmeldung von Hinweisen innerhalb der nächsten 3 Monate nach Veröffentlichung.

G13 Chloroplatinate Vorbemerkungen Dieser Grundsatz gibt Anhaltspunkte für gezielte arbeitsmedizinische Vorsorge, um Erkrankungen, die durch Chloroplatinate1 entstehen können, zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen. Die Untersuchungsanlässe werden durch die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) vorgegeben. Hinweise für die Gefährdungsbeurteilung und die Auswahl des zu...

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