Restriktives Essverhalten bei Frauen in Führungspositionen
Streben Frauen in Führungspositionen auch bei ihrem Gewicht nach Perfektion?

Ziel: Schlanksein steht in unserer Gesellschaft für Fitness und Attraktivität, aber auch für Erfolg und Leistungswillen. Um einen schlanken Körper über Jahre hin zu behalten, ist das Essverhalten bei vielen weiblichen Führungskräften dauerhaft auf Gewichtsabnahme oder auf die Vermeidung von Gewichtszunahme ausgerichtet. Wichtigstes Mittel, dies zu erreichen, ist ein konsequentes restriktives Essverhalten. Ziel der aktuellen Studie war es, diese von uns anlässlich einer Vorläuferstudie aufgestellte These weiter wissenschaftlich zu untermauern.

Kollektiv und Methode: Das geschah anhand eines von uns entwickelten und per E-Mail verschickten Fragebogens. Die Probandinnen rekrutierten sich aus den Teilnehmerinnen unserer 2006 durchgeführten empirischen Studie an 300 Frauen aus dem Middle- und Top-Management deutscher Unternehmen. 124 Managerinnen erklärten sich erneut zu einer Teilnahme bereit. Der aktuelle Fragebogen bestand aus einem Mix aus offenen und geschlossenen Fragen. Acht der 50 Fragen beschäftigten sich mit dem Bereich Ernährung und Gesundheit. Gefragt wurde u.a. nach stereotypen Vorstellungen bei weiblichen Führungskräften zum Thema Schlanksein und Karriere, nach der Zufriedenheit mit dem aktuellen Gewicht sowie nach Verhaltensweisen, die die Probandinnen anwenden, um ein in ihren Augen ideales Gewicht zu behalten. Darüber hinaus fragten wir, ob sich die Probandinnen auch in gesundheitlicher Hinsicht gegenüber ihren Mitarbeitern in einer Vorbildfunktion sehen.

Ergebnisse: Ähnlich wie bei unserer Vorläuferstudie lag der BMI der meisten Probandinnen im Bereich des Normalgewichts mit Schwerpunkt im unteren und mittleren Normalgewichtsbereich. Die überwiegende Mehrzahl der Probandinnen war der Ansicht, dass das Äußere bei Frauen beim beruflichen Aufstieg eine größere Rolle spielt als bei Männern und dass hier ein sportlicher, schlanker Körper für Vitalität, Leistungskraft und Erfolg steht. Einen solchen Körper über Jahre hin zu behalten, wird von den meisten Managerinnen als Herausforderung gesehen, die es zu meistern gilt. Die Probandinnen wenden hierzu in unterschiedlichem Ausmaß Verhaltensweisen an, die als restriktives Essverhalten bezeichnet werden können. Sie sehen sich hierbei ihren Mitarbeitern gegenüber mehrheitlich in einer Vorbildfunktion.

Schlussfolgerungen: Hieraus können sich neben psychischen Störungen auch Überforderungszustände entwickeln, die sich in psychosomatischen Stresserkrankungen äußern. Eine wichtige frühe, präventive Maßnahme sollte deshalb das Vermitteln ausreichenden Wissens insbesondere im Bereich Ernährung und Stressprävention sein. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, die Rolle von Führungskräften im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung – besonders im Hinblick auf eine von Arbeitgebern und Sozialsystemen gewünschte Vorbildfunktion – noch einmal grundsätzlich zu hinterfragen.
Aim: In our affluent society slimness means fitness and attractiveness, but also success and drive to achieve. In order to keep a slim body over a long time, the eating behaviour of many female executives must be geared permanently to losing weight or avoiding weight gain. An important means of achieving this is restrained eating. It was the aim of our present study to reinforce this hypothesis which we established in our precursor study.

Test Subjects and Method: To this end we designed a questionnaire which we sent by email to the 300 German women in leading positions (top and middle management) involved in our precursor study in 2006. 124 female managers were willing to take part again. The present questionnaire contained a mix of open and closed questions. Eight of the 50 questions were about nutrition and health. In these questions we asked the managers about stereotype attitudes to slimness and career, about their satisfaction with their present body weight and about the kinds of eating behaviour they use to keep to their idea of an ideal body weight. Furthermore, we asked the women whether they see themselves as role models for their colleagues in matters of health.

Results: As in our precursor study, most of the female executives had a body mass index in the low and middle normal range. Most of them said that outward appearance and body shape are more important for women who want to reach a leading position than they are for men, and that here a slim, athletic body stands for vitality, high performance and success. The maintenance of a slim body over a long period of time is seen by female managers as a challenge which they aim to meet. To attain this ideal, most of the women make use of nutrition behaviour which we can call restrained eating. They see themselves as role models for the employees they are responsible for, also in health matters.

Conclusions: In this situation it is conceivable that the women may not only become mentally disturbed but also expect too much of themselves and develop psychosomatic stress diseases. That is why an important early preventive measure should involve especially education about nutrition and stress prevention. Furthermore it would make sense to ask fundamental questions about the roles of managers in workplace health promotion, especially with respect to the role model function wanted by employers and social systems.

Downloads:

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

ASU-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den ASU-Newsletter kostenlos abonnieren:

ASU-Jobbörse

An der richtigen Stelle suchen. Bei der reichweitenstärksten Stellenbörse für die Arbeitsmedizin.

Zur Jobbörse

Kostenloses Probe-Abo

Die aktuelle Ausgabe

Gratis
Probe-Lesen

Jetzt kostenlos testen

Testen Sie unverbindlich zwei Ausgaben „ASU –Arbeitsmedizin | Sozialmedizin | Umweltmedizin“