Belastung und Beanspruchung von Krankenhausärzten/-innen
Ergebnisse einer aktuellen Erhebung

Ziel: Zu überprüfen war, ob die Änderung der Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren zu einer verringerten Beanspruchung bei Krankenhausärzten/ innen geführt hat.

Kollektiv und Methode: Für die Untersuchung standen Angaben zum Geschlecht, zum Lebensalter und der Anschrift aller in Hamburg tätigen Krankenhausärzte/innen zur Verfügung. Jedem/r zweiten (n = 2140) wurde ein Erhebungsbogen mit Fragen u. a. zur Arbeitszeit, zum Nachtdienst, zum Kontakt mit Kollegen und Vorgesetzen zugeschickt. Als Beanspruchungsparameter dienten die 22-Item-Fassung des Maslach- Burnout-Inventars (MBI) sowie die Kurzfassung des Arbeitsbewältigungsindex (WAI).

Ergebnisse: Die Rücklaufquote erreichte 48 %, zur Auswertung gelangten 994 Fragebogen. Das mittlere Lebensalter lag bei 40,5 Jahren, die wöchentliche Arbeitszeit (Klinikanwesenheit von Vollzeitbeschäftigten) bei 56,7 Std. (abzüglich Pausen 54,6 Std.) mit fachbezogen großen Unterschieden (Psychiater 49,1 Std., Chirurgen 61,6 Std.). Die Anzahl monatlicher Nachtdienste betrug im Mittel 3,9 für Schichtdienst, 4,3 für Bereitschaftsdienst und 7,7 für Rufdienst. Die Schlafdauer im Bereitschaftsdienst war auf im Mittel 3,6 Std., die im Rufdienst auf 5,0 Std. reduziert. Der MBI-Punktwert für Emotionale Erschöpfung (EE) lag bei 21,5 Punkten; der WAI bei 40,1 Punkten. Eine erhöhte Burnoutgefährdung (EE > 26) zeigte sich bei insgesamt 31,4 % der Befragten (Oberärzte 35,0 %). In den multivariaten Verfahren erwiesen sich die Skalen für Kollegen und Vorgesetzte als entscheidende Prädiktoren einer Zunahme der Emotionalen Erschöpfung bzw. einer Abnahme des WAI-Punktwertes.

Schlussfolgerungen: Die im Vergleich mit einer Vorgängerstudie (Wegner et al. 2002) festzustellende Zunahme der Burnoutgefährdung trotz Abnahme der zeitlichen Arbeitsbelastung weist auf Einflüsse wie unzureichende Kommunikation und Führungsprobleme hin. Der erhebliche Anstieg der Burnoutgefährdung beim Führungspersonal der Kliniken könnte sich zukünftig nachteilig auf unser Gesundheitssystem auswirken. Dieser Frage sollte in weiteren Untersuchungen nachgegangen werden.
Objective: To determine whether or not the changes in working conditions in recent years have led to reduced stress for hospital physicians.

Target Group and Method: Data for sex, age and address of all hospital physicians working in Hamburg were available for the study. Of these every second hospital physician (n = 2140) was sent a questionnaire containing questions, e.g., about working times, night duties and relationships with colleagues and supervisors. Stress parameters were assessed using the 22-item version of the Maslach Burnout Inventory (MBI) and the short version of the Work Ability Index (WAI).

Results: The response rate achieved was 48%; 994 questionnaires were evaluated. The mean age of respondents was 40.5 years, with mean working hours (clinic presence for full-time employees) of 56.7 hours per week (minus breaks 54.6 hours) covering a large range (from 49.1 hours for psychiatrists to 61.6 for surgeons). Monthly night duties amounted to an average of 3.9 for shift work, 4.3 for on-call duty at the clinic and 7.7 for oncall duty from home. Sleep duration during on-call duty at the clinic was reduced to 3.6 h on average, and to 5.0 h for on-call duty from home. The MBI value for emotional exhaustion (EE) was 21.5 points, the WAI reached 40.1 points on average. An increased risk of burnout (EE > 26) was identified for 31.4% of all respondents (35.0 % for senior doctors). Multivariate analysis identified the relationships with colleagues and superiors as a crucial predictor for an increase in Emotional Exhaustion or decrease in WAI.

Conclusions: In comparison with previous results (Wegner et al. 2002), our study has revealed that despite a reduction in workload it is issued other than professional competence, such as inadequate communication and leadership problems, that contribute most to an increased likelihood of burnout. The significant increase in the risk of burnout in senior clinical staff represents another compounding influence of modern health policies and should be investigated further in future studies.

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