Gesundheitssysteme und Reformansätze im internationalen Vergleich (VII): Schweden*

Der Artikel gibt einen Überblick über die Ausformung und Reformen des schwedischen Gesundheitssystems in den letzten ungefähr 20 Jahren. Das schwedische Gesundheitswesen ist gekennzeichnet durch eine solidarische Finanzierung, die hauptsächlich durch provinziale Steuereinnahmen und staatliche Zuschüsse, in geringerem Ausmaß auch durch Selbstbehalte geleistet wird und einem im internationalen Vergleich recht geringen Kostenniveau. Dies beruht auf immensen Kostensenkungen, die hauptsächlich durch einen starken Abbau der Bettenzahl im stationären Sektor möglich wurde. Neben diesen Finanzierungs- und Kostenaspekten wird auf die Organisation sowie die verschiedenen Ebenen der Verantwortlichkeit eingegangen, die in den 1990er Jahren verstärkt dezentralisiert wurde. Auch sind in den letzten 15 Jahren viele Provinzen dazu übergegangen, medizinische Leistungen nicht nur in Eigenregie, sondern auch als Besteller in Auftrag zu geben. Probleme sind vor allem eine geringe Qualität in der Pflege und der Krankenbehandlung Älterer sowie ein bereits über Jahre anhaltender Ärztemangel. Trotz dieser Mängel ist Schweden eines der Länder mit der niedrigsten Säuglingssterblichkeit und der höchsten Lebenserwartung, und die Schweden zeigen sich relativ zufrieden mit ihrem Gesundheitssystem. Die Optionen für Versicherte nehmen sich vergleichsweise bescheiden aus und bestehen vorwiegend in freier Wahl des Behandlungsortes, des Hausarztes sowie privater Zusatzversicherungen, die fast ausschließlich für den stationären Sektor angeboten werden. Zur Qualitätssicherung werden auf allen Ebenen verstärkt Maßnahmen ergriffen. Insbesondere im Bereich der Gesundheitsberichtserstattung und „Health Technology Assessment“ kann das Land auf eine lange Erfahrung zurückgreifen.
The article aims to give an overview of the Swedish health care system and the reforms which have taken place during approximately the last 20 years. The Swedish health care system is characterized by funding on a solidarity basis, which means essentially that funds are raised by incometaxes paid to the county councils, state grants and, to a lesser extent, by patient fees and, when compared internationally, a low level of costs. The latter is the result of immense efforts to cut costs, mainly achieved by reducing the in-patient capacities of hospitals. Along with these costs and funding aspects, the present article looks into both organizational matters and the different levels of responsibility which, during the 1990s, were increasingly decentralized. In addition, many county councils changed during the last 15 years from providing health care themselves to being purchasers in a purchaser–provider model. Problems are mainly the low quality of care for the elderly and the seriously ill and a shortage of physicians which has already persisted for some years. Despite these shortcomings, Sweden is one of the countries with the lowest infant mortality and the highest life expectancy, which leaves the Swedish people relatively satisfied with their health care system. Options for insured persons are comparatively few and consist in the free choice of place of treatment and of one’s general practitioner, as well as the possibility to take out additional private health insurance which is offered almost exclusively for in-patient care. Measures to assure quality of care are increasingly taken at all levels. Particularly in the fields of health monitoring and Health Technology Assessment, Sweden has long-term experience.

Downloads:

  • zurück
  • Druckansicht
  • Versenden

Weitere Artikel zum Thema

ASU-NEWSLETTER

Ja, ich möchte den ASU-Newsletter kostenlos abonnieren:

ASU-Jobbörse

An der richtigen Stelle suchen. Bei der reichweitenstärksten Stellenbörse für die Arbeitsmedizin.

Zur Jobbörse

Kostenloses Probe-Abo

Die aktuelle Ausgabe

Gratis
Probe-Lesen

Jetzt kostenlos testen

Testen Sie unverbindlich zwei Ausgaben „ASU –Arbeitsmedizin | Sozialmedizin | Umweltmedizin“