ASU-Newsletter: 4 - Digitalisierung - Chancen und Risiken-2017

IM BRENNPUNKT

Digitalisierung im Job belastet Familienleben

Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und die ständige Erreichbarkeit im Beruf belasten das Familienleben und wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. So lässt sich emotionale Erschöpfung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Baden-Württemberg zu 15 Prozent auf die Digitalisierung zurückführen.

Das geht aus einer Studie der Universität St. Gallen für die BARMER und die Deutsche Telekom hervor. Für den Südwesten ist das Thema besonders relevant, weil die Digitalisierung in der Arbeitswelt dort überdurchschnittlich stark ausgeprägt ist. So liegt dort der Digitalisierungsscore bei 52,7 Prozent, im Bund bei 51,5 Prozent. Der Score gibt an, wie groß der Einfluss der Digitalisierung nach Einschätzung der Beschäftigten auf ihren Arbeitsplatz ist. „Die Digitalisierung bietet viele Chancen, aber falsch betrieben führt sie zu gesundheitlichen Risiken, denen Unternehmen und Arbeitnehmer gemeinsam entgegensteuern sollten“, so Jürgen Rothmaier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BARMER, bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Stuttgart.

Digitalisierung ist in Baden-Württemberg stärker ausgeprägt

Die überdurchschnittliche Digitalisierung der baden-württembergischen Unternehmen zeigt sich noch deutlicher bei der Flexibilisierung von Arbeitsplatz und Arbeitszeit. So können sich 51 Prozent der Baden-Württemberger ihre Arbeitszeit individuell gestalten, im Bundesdurchschnitt nur 43,9 Prozent. 24,6 Prozent der Arbeitsorte im Südwesten sind flexibel, bundesweit ist das nur bei 22,8 Prozent der Fall. „Die Digitalisierung ist vor allem in der Unternehmensführung, in naturwissenschaftlichen und fertigungstechnischen Berufen sowie in der IT-Branche besonders ausgeprägt. Diese Arbeitsgebiete dürften in Baden-Württemberg überrepräsentiert sein“, erklärt Studienautor Prof. Stephan Böhm von der Universität St. Gallen. Böhm und Kollegen haben für die Studie über 8.000 Erwerbstätige in Deutschland befragt.

Gesundheitliche Folgen der Digitalisierung

Die Digitalisierung geht mit gesundheitlichen Nebeneinwirkungen einher, etwa Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen sowie emotionaler Erschöpfung. So fühlen sich in Baden-Württemberg 22,8 Prozent der Beschäftigten in fertigungstechnischen Berufen emotional erschöpft, in derselben Branche berichten 29,2 Prozent der Beschäftigten, dass die Arbeitsanforderungen ihr Privat- und Familienleben beeinträchtigen.

Digitalisierung und Krankheitstage in Baden-Württemberg

Es besteht nur ein geringer Zusammenhang zwischen dem Grad der Digitalisierung und der Zahl der Krankheitstage. Für Baden-Württemberg weist die Studie maximal neun Krankheitstage pro Jahr in den fertigungstechnischen Berufen aus, noch weniger sind es in der IT- und naturwissenschaftlichen Branche ­– allesamt Arbeitsgebiete mit einem hohen Digitalisierungsgrad. Die Wissenschaftler konnten Rahmenbedingungen und Verhaltensweisen ausfindig machen, die den unerwünschten Begleiterscheinungen der Digitalisierung entgegenwirken. Demnach gehen flexible Arbeitszeiten und -orte, der Verzicht auf Diensthandy und -computer in der Freizeit, regelmäßiger Sport und eine gute Beziehung zur Führungskraft mit weniger Familienkonflikten und emotionaler Erschöpfung einher.

Erwerbstätige können Grad der emotionalen Erschöpfung reduzieren

„Der Grad der emotionalen Erschöpfung lässt sich reduzieren, das haben die Erwerbstätigen zu einem Großteil selbst in der Hand“, sagt Rothmaier. Die Deutsche Telekom begleitet ihre Mitarbeiter dabei, achtet auf deren Gesundheit und unterstützt sie bei ihrem eigenen Kompetenz- und Ressourcenaufbau. Unter anderem existiert ein strukturiertes betriebliches Gesundheitsmanagement, eine Policy regelt den Umgang mit mobilen Devices. Die durch die Digitalisierung entstehenden Veränderungen betrachtet die Deutsche Telekom grundsätzlich als positiv. „Das gibt uns die Chance, besser auf die einzelnen Bedürfnisse der Mitarbeiter und Führungskräfte einzugehen. Wir sehen die Herausforderungen und sind uns unserer Verantwortung für die Beschäftigten bewusst“, sagt Dr. Anne-Katrin Krempien, Leiterin Health & Safety Management der Deutschen Telekom. Die Ergebnisse der aktuellen Digitalisierungsstudie wird die Telekom in das Unternehmen einfließen lassen.

(Pressemitteilung der Barmer vom 15.03.2017)

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