ASU Ausgabe: 07-2017

EDITORIAL

Gesundes Wohnen und Leben

Den größten Teil unseres Lebens verbringen wir Menschen in den Industrieländern in Innenräumen, dabei halten wir uns meist in den eigenen Wohnräumen auf – die viel mehr als Wohnräume sind. Hier findet das private Leben statt, hier erholt sich der Mensch, um sein tägliches Leben zu meistern.

Zudem verbringen die meisten Berufstätigen ihre Arbeitszeit an Arbeitsplätzen in Innenräumen, befinden sich Kinder und Jugendliche in Kindertagesstätten und Schulen, Kranke in Krankenhäusern und gebrechliche Menschen in Pflegeheimen. Eine gute Luftqualität in den Innenräumen sorgt für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen.

Die Luftqualität in Innenräumen wird durch die dort eingesetzten Materialien und Produkte entscheidend beeinflusst. Beispielsweise können Einrichtungsmaterialien wie Fußbodenbeläge, Gardinen und Möbel chemische Stoffe freisetzen. Es können auch Schadstoffe von außen durch die Bausubstanz in die Innenräume diffundieren, wie Radon und Autoabgase.

In jedem Innenraum sind extrem viele chemische Substanzen in der Luft nachweisbar. In der Regel werden mehr oder weniger belastbare Referenzwerte zur Beurteilung angegeben und die Eigenschaften der Stoffe aufgelistet. Umweltmedizinische Institute analysieren in Wohnräumen und Büros hunderte von chemischen Substanzen in der Luft, dabei unterbleibt aber leider eine kompetente Bewertung der Messergebnisse. Auch heute noch wird leider nicht ermittelt, ab welcher Konzentration Symptome und gesundheitliche Beschwerden bei uns Menschen zu erwarten sind. Dies ist aber für eine zielgerichtete Maßnahmenergreifung notwendig.

Diese Situation bewirkt, dass der verunsicherte Bürger davon ausgeht, dass die vermeintlich erhöhte Belastung bei Referenzwertüberschreitung ein Beleg für eine Gesundheitsschädigung ist. Ein Beispiel hierfür ist die große Angst vor gesundheitlichen Schädigungen durch Schimmelpilzbefall der Bausubstanz. Insbesondere in den 90er Jahren wurde die Gesundheitsgefahr durch Schimmelpilze in Wohnräumen extrem hochgespielt, so der Hinweis des umweltmedizinischen Experten, Prof. Dr. Hans Drexler. Die aktuelle Leitlinie zur Erkennung von Schimmelpilzen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) versachlicht meines Erachtens die Diskussion und wird deswegen in diesem Schwerpunktheft dargelegt.

Insgesamt ist also festzustellen, dass eine gesundheitliche Einordnung der möglichen Innenraumschadstoffe aufgrund fehlender Daten und gesetzlicher Regulierungen oft nur schwer möglich ist.

In Anbetracht dieser Lage ist dringend zu fordern, dass zu Innenraumschadstoffen verstärkt geforscht wird und dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung entsprechende Studien in Auftrag gibt. Nur bei gesicherten (Studien-)Erkenntnissen können solide Grenzwerte festgelegt werden und darauf aufbauend gesetzliche Regelungen zur Beurteilung der Luftqualität geschaffen werden.

Ich würde mich freuen, wenn wir mit diesem Schwerpunktthema Umweltmedizin mit Fokus auf „Gesundes Wohnen und Leben“ einen Beitrag zur unaufgeregten und sachlichen Bewertung von Innenraumbelastungen leisten können. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.

Ihre Annegret Schoeller

Chefredakteurin

  • Dr. med. Annegret E. Schoeller

Literatur

Fussnoten

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